Mit großer Freude habe ich beim Anblick des aktuellen RuH die Titelseite bestaunt. Das war ein starkes Signal. Endlich erhält unsere majestätische Wildart nicht nur bundesweit sondern explizit auch bei uns die öffentliche Aufmerksamkeit, die sie seit Jahren verdient.
Die Ernennung des Rothirsches zum Wildtier des Jahres 2026 ist längst überfällig. Doch sie ist mehr als eine symbolische Auszeichnung – sie ist ein Prüfstein für unsere Glaubwürdigkeit im Natur- und Artenschutz.
Gerade in Rheinland-Pfalz rühmen wir uns eines modernen Naturverständnisses. Landesweit verweisen wir stolz auf den im Osten unserer Verbandsgemeinde – Damflos, Züsch, Neuhütten, Muhl - gelegenen Nationalpark Hunsrück-Hochwald, sprechen von Biodiversität, von natürlicher Waldentwicklung und klimaresilienten Mischwäldern. Gleichzeitig wird ausserhalb des „Parks“ unter gleicher „Landesflagge“ mit dem politischen Schlagwort „Wald vor Wild“ eine Praxis verfolgt, die vielerorts vor allem auf drastische Reduktion setzt – nicht auf Lebensraumverbesserung.
Man predigt Waldumbau – und erwartet vom Rotwild Anpassung an immer kleinere, stärker zerschnittene Lebensräume. Doch ein Rothirsch ist kein Forstschädling, der sich betriebswirtschaftlichen Zielzahlen unterordnet. Er ist unsere größte heimische Wildart. Er braucht Raum. Zusammenhängenden Raum.
Unter dem Schlagwort „Wald vor Wild“ wird eine Politik betrieben, die vielerorts vor allem eines kennt: Bestandsreduktion. Nicht Lebensraumverbesserung. Nicht Vernetzung. Nicht Ursachenbekämpfung. Sondern Symptombekämpfung. In der Humanmedizin arbeitet man hier teils mit dem Begriff einer Palliativversorgung!
Dabei sind es nicht die Hirsche, die Autobahnen bauen. Nicht sie versiegeln Flächen. Nicht sie planen Gewerbeparks, hektargroße Flächen-PV-Anlagen und Windräder. Das tun wir - und glauben dabei unser kommunales Finanzproblem lösen zu können!
Ich empfinde es als zunehmend unausgewogen, wenn Rotwild primär als Problemfaktor dargestellt wird, während die strukturelle Lebensraumzerstörung politisch kaum infrage gestellt wird. Ein gesunder Wald und gesundes Wild sind kein Widerspruch – sie bedingen einander. Ein Wald ohne große Pflanzenfresser ist kein funktionierendes Ökosystem, sondern ein forstwirtschaftliches Produktionsmodell.
Die Auszeichnung zum Wildtier des Jahres darf deshalb nicht zur wohlklingenden Überschrift verkommen, während gleichzeitig weitere Einschränkungen und pauschale Reduktionsforderungen folgen. Wer es ernst meint mit dem Rothirsch, muss eine ehrliche Debatte ohne ideologische Scheuklappen zulassen.
Das Titelbild und der Bericht in unserem Amtsblatt war ein Zeichen des Respekts. Nun braucht es landesweit auch den politischen Willen, diesem Respekt Taten folgen zu lassen.
Der Rothirsch ist nicht nur ein Symbol speziell auch für unsere Heimat „rund um Hermeskeil“. Er ist Gradmesser dafür, wie ernst wir es mit Natur- und Artenschutz wirklich meinen – fernab von aktueller (oben schon benannter) politischer Ideologie.