Vision für die Gestaltung des Innenraums
Grundriss des Hauptgebäudes in der künftigen Nutzung
Am Donnerstag vergangener Woche stellten Architekt Hans-Jürgen Stein und Dechant Christian Heinz in einer von der Kirche beauftragten Machbarkeitsstudie die Möglichkeiten zum Erhalt und zur Weiternutzung des Stadtbild prägenden Bauwerks der St. Martinuskirche vor. Schwerpunkt war das Herausstellen eines multifunktionalen Nutzungskonzeptes einschließlich Anbau/Integration eines Kindergartens.
Etwa 100 Interessierte, unter ihnen auch der Stadtbürgermeister und Vertreter der Fraktionen im Stadtrat, lauschten in der Pfarrkirche den Worten von Dechant Heinz und Architekt Stein, die das Konzept bewusst am Ort des Geschehens vorstellten. So konnten sie die Planungen und gestellte Fragen direkt am Objekt erläutern. Nachdem man schon mehrere Jahre mit diesem Thema unterwegs gewesen sei, so Dechant Heinz bei seiner Einführung, sehen wir heute was gehen könnte. Die Kirche in eine Kita umzubauen, sei erst mal ein Gag an Fasnacht gewesen. Aber nachdem im Stadtrat die Frage nach alternativen Standorten für den Kita-Neubau gestellt worden sei, habe man das Thema in die Untersuchungen einbezogen. Der Fokus liege aber auf der Grundsatzfrage: Was ist aus der Kirche zu machen?
Architekt Stein warf in der Einführung zu seiner Studie einen Blick zurück in die Geschichte. Über Jahrhunderte hinweg waren Kirchen weit mehr als Orte des Gebets. Sie waren die zentralen Treffpunkte der Menschen, Orte der Gemeinschaft und Gebäude, in die Bürgerinnen und Bürger investierten – finanziell, ideell und emotional. In und um die Kirche herum spielte sich das Leben ab. Hier wurde nicht nur gebetet. Das sei heute nur noch selten der Fall. Sich wandelnde Werte, aber auch die Entstehung spezieller kommunaler Gebäude für weltliche Aufgaben hätten dazu geführt, dass viele Kirchengebäude an Alltagspräsenz verloren haben. An verschiedenen Beispielen auch in Trier erläuterte Stein, dass die Umwidmung von Kirchengebäuden keine Seltenheit ist. Dennoch sind Kirchenbauten weiterhin die größten und weithin sichtbaren Bauwerke vieler Gemeinden und damit wie in Hermeskeil Stadtbild prägend. Das treffe in Hermeskeil besonders auf den Kirchturm zu. Er ist Wahrzeichen der Stadt und ohne ihn gehe etwas Wesentliches verloren.
Das Gebäude zu erhalten sei eine Aufgabe, die niemand allein lösen kann. Geringere finanzielle Mittel durch Mitgliederschwund in den Kirchengemeinden führen unweigerlich zu Instandhaltungsstau und langfristig zum Verfall der Bausubstanz. Neben finanziellen Investitionen braucht es aber vor allem sinnvolle, zukunftsfähige Nutzungskonzepte. Der Kirchenstandort in Hermeskeil bietet hierfür ideale Voraussetzungen. Die Lage, die Größe des Gebäudes und seine städtebauliche Bedeutung machen ihn prädestiniert für eine Weiterentwicklung zu einem offenen, städtischen Zentrum. Doch nur mit einer Transformation können, so Dechant Heinz, Fördermittel in größerem Umfang generiert werden. Die unterschiedlichen Anforderungen einer solchen Transformation lassen sich baulich gut umsetzen, ohne dass das Gebäude seine Identität verliert. Getragen von einer konstruktiven Zusammenarbeit zwischen Kirchengemeinde, Stadt sowie Land und Bund sei die Transformation eine einmalige Chance, ein zukunftsweisendes Projekt für Hermeskeil zu realisieren.
Neue Nutzungen sichern das Überleben von Bauwerken – und damit ihre Geschichte. In Hermeskeil wäre nicht zwingend eine „Abkehr“ von der ursprünglichen Idee der Kirche im Vordergrund sondern eine Erweiterung. Die Kirche kann weiterhin ein gemeinschaftlicher Ort bleiben und damit ihre ursprüngliche Rolle in zeitgemäßer Form fortführen. Das Kirchengebäude in Hermeskeil soll in seiner Substanz erhalten bleiben. Außer dem Sakristeianbau sei die Bausubstanz einschließlich Dachkonstruktion funktionstüchtig. Wo es notwendig ist, werden zusätzliche Fenster ergänzt, um die Räume heller zu gestalten und den neuen Nutzungen gerecht zu werden. Ein modernes, energieeffizientes Heizsystem sorgt künftig für zeitgemäßen Komfort. Der freie Raum ist so großzügig, dass er als Bürgersaal für die Stadt oder als Ort für die Kirchengemeinde genutzt werden kann. Bistro, Küche, Mehrzweckraum und Personalbereiche werden als zweigeschossiger Einbau in Holzbauweise realisiert. Diese Einbauten sind klar ablesbar, respektieren den Bestand und bleiben zugleich zurückhaltend. Der Altarbereich kann erhalten bleiben. Einige Flächen wären dem Kindergarten vorbehalten, die meisten Flächen aber könnten multifunktional genutzt werden. Die Gruppenräume des Kindergartens würden in einem strukturierten Neubautrakt entstehen, ebenfalls als Holzbau denkbar. Diese klare Organisation ermöglicht kurze Wege, gute Übersicht und eine personalsparende Nutzung. Der neue Haupteingang liege bewusst an der Schnittstelle zwischen Kirche und Neubau.
Im Anschluss an den Vortrag wurden viele Fragen gestellt und größten Teils auch beantwortet. Die Planungen für den Kindergartenanbau seien nach Rücksprache mit der Kreisverwaltung Vorschriften konform. Selbst wenn Architekt Stein die Kosten in etwa gleich mit dem Neubau am Labachweg bezifferte, konnte er eine belastbare Kostenschätzung nicht liefern. Auch das Verkehrskonzept sei noch nicht detailliert ausgeplant. Die sakralen Kunstgegenstände könnten zum Teil als „Hinweise“ auf die Historie verbleiben, die Orgel dürfte dagegen ein größeres Problem darstellen. Ziel seit es, so Architekt und Dechant, viele Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu gewinnen um gemeinsam einen Ort zu schaffen, der Kindern Raum zum Wachsen gibt, Gemeinschaft fördert und die Kirche als lebendigen Bestandteil der Stadt erhält. (BäR)