Titel Logo
Rund um Hermeskeil
Ausgabe 9/2026
Titelseite
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe

Das Schneeglöckchen – Botschafter des nahenden Frühlings

Die Blume blüht oft schon im Januar

Von Hans Georg Rosar

Es gibt einige Pflanzen, die im tiefsten Winter erblühen. Dem Schneeglöckchen kommt darunter eine besondere Bedeutung zu. Oft sind es die ersten Blüten im neuen Jahr und auch die ersten, die sozusagen das Ende des Winters einläuten. Die Blume ist der erste Außenposten des Frühlings im Winter und ein erster Hinweis auf dessen Ende. Bald werden auch Winterlinge und Krokusse folgen.

Das Schneeglöckchen – sein zweiter, wenn auch nicht so verbreiteter Name lautet Frühlingsglöckchen – sagt viel über die Blume aus. Die Blume ist tatsächlich ein Botschafter des nahenden Frühlings, daher auch Frühlingsglöckchen. Ein anderer etwas unbekannter Name für die Blume ist „Hübsches-Februar-Mädchen“. Etwas wunderlich wirkt der Name Milchblume. Doch mit Blick auf die botanische Bezeichnung des Schneeglöckchens „Galanthus“ ergibt auch dieser Sinn: Er setzt sich aus den griechischen Wörtern für Milch (gála) und Blüte (ánthos) zusammen.

So vielseitig die Bezeichnungen so unterschiedlich sind auch die Erscheinungsformen des Schneeglöckchens. Es gibt etwa 20 Arten in der Gattung Galanthus und sehr viele Kultursorten. Etwa 500 Sorten sind registriert, sagt Nikolai Friesen, Wissenschaftlicher Leiter des botanischen Gartens der Universität Osnabrück. Allen gemein ist die Form der Blüte. „Das Schneeglöckchen hat drei auffällige äußere Blütenblätter und drei kleinere weiße, die zu einem Röckchen verwachsen sind, erklärt Klaus-Peter Manig vom Bund deutscher Staudengärtner, Bonn. Die Unterschiede der Arten sind dabei äußerst fein ausgeprägt: Es gibt sie mit breiten und schmalen Blättern von saftig grün bis grau. Die Blütenblätter können breit rundlich oder schmal sein, ausschließlich weiß gefärbt oder mit grünen Flecken.

Wichtige Funktion im Ökosystem

Das Kleine Schneeglöckchen (Galanthus nivalis) gilt als Klassiker. Es ist das einzige der Art, das auch wild in Mitteleuropa vorkommt – wenn auch immer seltener. „Das Kleine Schneeglöckchen ist in Deutschland als gefährdet eingestuft und laut Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt, da seine Zahl in der Natur rückläufig ist“, so Marja Rottleb vom Nabu (Naturschutzbund Deutschland). Daher dürfen keine Exemplare aus der Natur entnommen werden.

Trotz ihrer geringen Größe übernehmen die Frühlingsboten eine wichtige Funktion im Ökosystem. Schneeglöckchen sind eine wichtige Nahrungsquelle für früh fliegende Insekten wie Hummeln. Die Samen werden von Ameisen verbreitet, die zum Dank mit einem Nahrungspaket belohnt werden. (Marja Rottleb). Etwas größer ist das türkische Schneeglöckchen (Galanthus elwesi), das ab Januar blühend in Läden und Geschäften angeboten wird. Wer Schneeglöckchen pflanzen möchte, sollte sie nicht einzeln, sondern in Gruppen von sieben bis zehn Stück setzen, raten die Experten, da das Schneeglöckchen einzeln mit seinen kleinen Blüten recht verloren aussieht.

Jedenfalls ist das Schneeglöckchen der erste Außenposten des Frühlings im Winter und ein erster Hinweis auf dessen Ende. Viele Menschen freuen sind, wenn sie die kleine Blume zum ersten Mal wieder sehen.

Quelle: „Aufwärtstrend in der Natur“, TV-Haus und Garten, Melanie Öhlenbach, 4. Jan. 2018“