ASBACHER HÜTTE. Ein tiefes Einatmen, ein kurzes Nicken von Chorleiterin Patrizia Zanetti, und schon beginnt der Hüttenchor „Oh Happy Day“ zu singen. Einigen sieht man den Stolz an. Ihre Augen strahlen, sie stehen ganz vorne auf der Bühne. Andere sind bei dem Auftritt schüchtern und ein bisschen ängstlich. Mit ihren Stärken gesehen und gehört zu werden und Applaus zu bekommen, ist für jeden Chor wichtig – für diesen ganz besonders.
Patrizia Zanetti hat mit Bewohnerinnen und Bewohnern der Wohneinrichtung für Menschen mit Beeinträchtigungen auf der Asbacher Hütte den Chor gegründet, der bereits die ersten Auftritte hinter sich hat. Am Samstag, 19. September, ist er auch beim Sommer-Geheischnis in Herrstein zu hören. Dort begleitet er den Auftritt der Chaos-Company.
Aus Sicht der Heilerziehungspflege in der Stiftung kreuznacher diakonie ist dieses Musikprojekt mehr als eine reine Freizeitbeschäftigung für die Bewohnerinnen und Bewohner. Gemeinsam Singen aktiviert nicht nur die Stimmbänder. Texte und Melodien müssen gelernt werden. Das schult das Gedächtnis. Auch die Atmung und die Körperhaltung müssen stimmen, wenn man den Ton treffen will. Das ist wie bei jedem anderen Chor auch: manchmal mühevoll. Und noch etwas ist ganz entscheidend: das Gemeinschaftsgefühl und die Harmonien in der Musik, die bei der Stressbewältigung helfen. Patrizia Zanetti ist Quereinsteigerin in der Behindertenhilfe der Stiftung kreuznacher diakonie. Von 2021 bis 2024 hat die gelernte Goldschmiedin, die mit ihrem Vater jahrelang in einem Orchester gespielt hat, die Ausbildung in Bad Kreuznach zur Heilerziehungspflegerin absolviert: „Jeder ist willkommen! Auch begabungsferne SängerInnen. Hauptsache Freude am Singen und der Musik ist da!“
Die Chormitglieder bestimmen, was gesungen wird. Zanetti schaut nur, ob die Lieder für einen Chor umsetzbar sind: „Punk-Metal-Rock wird schwierig“, erklärt sie. Aktuell sind es 10 Chormitglieder, die jeden Montag von 17 bis 18:00 Uhr in der Kirche auf der Asbacher Hütte proben. Am Sonntag, 23. August, begleitet der Hüttenchor den Gottesdienst, anschließend wird mit den Gottesdienstbesuchern gemeinsam gesungen – einfache und sehr bekannte Lieder wie „Mami blue“ oder „Let it be“.
Das Team der Asbacher Hütte gestaltet mit Patrizia Zanetti den Rahmen also barrierefrei, sodass alle mitmachen können. Auch Menschen mit schweren Kommunikations- oder Mobilitätseinschränkungen bekommen hier eine kraftvolle Stimme. Silke Nörling und Julia Wittmann sind stolz auf den Hüttenchor: „Wer Lust hat, sollte sich den Auftritt am Samstag, 19. September, ab 19:00 Uhr vorbeikommen, nicht entgehen lassen: Treffpunkt: Sommer Geheischnis in Herrstein am Hankelbure.“
Bildnachweis: Stiftungen kreuznacher diakonie/Andrea Djifroudi