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Amtsblatt der Verbandsgemeinde Kell am See
Ausgabe 42/2018
Nachrichten anderer Behörden
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Der Jagddienstvertrag des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz

- ein wichtiges Instrument zur Herstellung einer angepassten Wilddichte

Die Ortsgemeinde Zerf liegt in der Verbandsgemeinde Kell am See im Landkreis Trier-Saarburg. Der gemeindeeigene Wald mit 1.300 ha reduzierter Holzbodenfläche stellt ein großes Vermögen und eine wichtige Einnahmequelle für die Gemeinde dar. Außerdem hat der Wald für die Bürgerinnen und Bürger eine herausragende gesellschaftliche Funktion, die durch eine enge Bindung der Bürger zu ihrem Wald zum Tragen kommt.

Die Hauptbaumarten sind für den Hochwald standorttypisch Buchen und Fichten. Anfang der 2000er Jahre trat in weiten Teilen des Gemeindewaldes die Buchenkomplexkrankheit auf. Um Werte zu retten, hat der Forstbetrieb in den Jahren 2001 und 2002 Buchenalthölzer im großen Stil genutzt. Auf den betroffenen Waldflächen war zum Glück eine Buchennaturverjüngung weitgehend etabliert, die in den Folgejahren mit Macht herangewachsen ist. Die daraus erwachsenen Dickungen bieten für Wildtiere ideale Einstandsmöglichkeiten. Mit den neu entstandenen Lebensräumen wuchs auch die Rotwildpopulation durch Zuzug deutlich an. Der damalige Jagdpächter fand keine Möglichkeit, eine dem Rotwild angepasste Jagdstrategie zu entwickeln, sodass zunehmend erhebliche Wildschäden auftraten. Die entstandenen großen Buchenkomplexe im schälfähigen Alter führten in Verbindung mit der stark zunehmenden Rotwilddichte zu einer erheblichen Gefährdung des Betriebsvermögens durch Schälschäden. Das waldbauliche Gutachten wies 2008 einen Anteil frisch geschälter Bäume von 3 % aus. 2012 stieg der Anteil drastisch auf 13 % und 2015 weiter bis auf 23 %. Das Forstamt klärte die waldbesitzende Gemeinde über den dringenden Handlungsbedarf auf. Der Gemeinderat wollte diese dramatische Entwertung des Waldes nicht hinnehmen. Im Rahmen der Forsteinrichtungsschlussverhandlung wurde beschlossen, gegen die massiven Wildschäden vorzugehen.

Es kam die Überlegung auf, einen Berufsjäger einzustellen, der den Jagdpächter mit Pachtende ablösen sollte. Schließlich entschied sich die Gemeinde aber für einen Jagddienstvertrag, der im Oktober 2014 vom Gemeinde- und Städtebund (siehe Homepage) angeboten wurde. Dabei handelt es sich um einen ein- oder mehrjährigen Vertrag der Gemeinde als Jagdverpächter, die einen beauftragten Jäger ebenso wie das Jagdkonzept bestimmt. Die Ortsgemeinde Zerf wollte die Beauftragung des staatlichen Revierleiters, weil er das Revier und die Wildverhältnisse am besten kennt. Die Zentralstelle der Forstverwaltung stimmte in diesem Einzelfall zu. Die Zuordnung dieser Jagddienstvertragsarbeit erfolgte in dem 10 %-Anteil „sonstige Arbeiten“ außerhalb des eigentlichen Forstbetriebs, den die Gemeinde im Rahmen der eingekauften staatlichen Beförsterung gestalten kann. Dabei ist der beauftragte Jäger für die verwaltungsmäßige Abwicklung und die Organisation des Jagdbetriebes zuständig. Praktisch bedeutete das, dass Jagderlaubnisscheine (nach § 16 LJG) vergeben wurden, so dass eine finanzielle Gleichstellung der Gemeinde zu den bisherigen Pachteinnahmen gewährleistet war. Der Revierleiter hat dabei die Einsätze koordiniert und streng nach dem entwickelten Jagdkonzept gehandelt. Das forderte Disziplin auf allen Seiten.

Ziel des Jagdkonzeptes war es, die überhöhte Rotwilddichte kurzfristig abzusenken und somit die Schäden deutlich zu senken. Dafür wurden zunächst die Äsungsflächen verbessert und kontinuierlich intensiv gepflegt. An diesen Flächen wurde die Bejagung eingestellt. Dadurch konnte das Rotwild seinem natürlichen Äsungsrhythmus nachkommen und alle 2-3 Stunden pflanzliche Nahrung auf den Äsungsflächen zu sich nehmen. Es wurden Bejagungsschwerpunkte gebildet, in denen die Bejagung intervallartig mit Gruppenansitzen stattfand. Das führte zur Minimierung der Störung des Wildes. Die Jagd auf Rotwild begann frühzeitig mit Aufgang der Jagdzeit. Im Herbst/Winter fanden (für das Revier erstmalig) revierübergreifende Bewegungsjagden statt. Bis Dezember wurde der Mindestabschussplan erfüllt und der Jagdbetrieb eingestellt, so dass ab Weihnachten Jagdruhe im Revier einkehren konnte.

Die kommunale Eigenbejagung, einhergehend mit dem neuen Jagdkonzept, führte zur Erfüllung der Abschussvorgabe der Ortsgemeinde Zerf (40 Stück Rotwild/Jahr) und damit sogar zur Übererfüllung des Mindestabschussplanes der Kreisverwaltung Trier-Saarburg (30 Stück Rotwild/Jahr). Der Erfolg spiegelt sich im Schälschadensrückgang wider. 2018 konnte in der neuen „Forstbehördlichen Stellungnahme“ festgestellt werden, dass der frische Schälschaden auf 2 % gesunken ist. Durch die Zusammenarbeit zwischen der Ortsgemeinde Zerf als Verpächter, dem beauftragten Jäger und den Begehungsscheininhabern, dem Gemeinde- und Städtebund Rheinland-Pfalz und dem Forstamt Saarburg, gelang es per Jagddienstvertrag das gesetzte Ziel zu erreichen, indem die Rotwildpopulation kurzfristig auf ein für den Wald tragbares Maß abgesenkt werden konnte. Die Laufzeit des Jagddienstvertrages endet zum 31.03.2019. Dann wird die Ortsgemeinde Zerf wohl wieder in die Verpachtung übergehen – hoffentlich mit einem Jagdpachtvertrag, dessen Konditionen geeignet sein werden, dass der Verpächter „das Heft in der Hand behält“ und das bewährte Jagdkonzept des Jagddienstvertrages der letzten 4 Jahre durch einen verantwortungsvollen Jagdausübungsberechtigten umgesetzt bekommt – auf dem Weg zum Erhalt der aktuell an den Lebensraum erfolgreich angepassten Rotwilddichte.

Jasmin Linn, Forstreferendarin beim Forstamt Saarburg
Helmut Lieser, FAL Forstamt Saarburg
Helmut Gödert, RL Forstrevier Zerf-Greimerath
Ortsbürgermeister Dieter Engelhardt, OG Zerf