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Idarwald-Rundschau
Ausgabe 46/2018
Seite 3
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Volkstrauertag 2018

Gedanken und Gedenken zum Volkstrauertrag 2018

Wir sind fast erstaunt, noch gerade mal 11 Tage, dann halten wir den alljährlichen Volkstrauertag, d. h. das Jahr geht unweigerlich seinem Ende entgegen. Nach einem so reichlichen Sommer, nach Sommertagen bis weit in den Oktober hinein mag man das kaum glauben, aber die Zeit des frühen dunkel werdens, die nebligen Frühmorgenstunden und die Tage mit Nieselregen und nasskaltem Gefühl wenn man draußen ist, zeigen es unerbittlich auf, der November hat uns erreicht und beugt uns unweigerlich zu den ihm eigenen stillen Trauertagen. Zu diesen Trauertagen gehört natürlich auch der Volkstrauertag, der früher einmal als Heldengedenktag gehalten wurde. Zu der damaligen Zeit waren oftmals noch Kriegsveteranen, Kriegerverbände und uniformierte Feuerwehrleute mit Ehrenfahnen an den sogenannten Kriegerdenkmalen zu sehen und im Sinne von Glanz und Gloria des vergangenen Heldenruhms ihre weiß Gott wahrhaft ehrlich gemeinten Ehrbezeugungen vor den teilweise gigantischen Denkmalen, die zu Ehren der gefallenen Soldaten der beiden großen Kriege errichtet wurden, vollzogen. In nahezu exaktem, vom militärischen Vorbild geprägten Formaldienst marschierten die Gruppen auf, standen auf Kommando still und warteten in unendlich währender Starre bis der sogenannte Feuerwehrhauptmann oder Gruppenführer seinen Ehrengruß vor dem Denkmal absolviert hatte und laut das nächste Kommando rührt euch gerufen wurde.

Ja so war das, und nicht vor etwa 60 oder 70 Jahren, nein dieser Art der Heldenverehrung wurde bis spät in die 1960er Jahre regelmäßig praktiziert und es dachte sich keiner etwas dabei.

Mit den immer stärker werdenden Kundgebungen, Revolten, studentischen Aufmärschen in den Universitätsstädten, kurz gesagt mit den Anfängen der Jugendbewegung in den 60-iger Jahren änderte sich auch hinsichtlich des Heldengedenktages oder Volkstrauertages einiges. Die Kriegsehrenmale wurden zu Mahnmalen, sie waren die gegenständlich gewordenen Erinnerungen an die schrecklichsten Ereignisse, die Deutschland und Europa in zwei Weltkriegen erleben musste. Einige ewig Gestrige lehnten diesen Wandel zur Haltung des Volkstrauertages, wie er fortan offiziell und überall bezeichnet wurde, ab und versuchten immer noch das heldenhafte im sinnlosen Sterben der Abermillionen Opfer der Kriege hervor zu heben und zu glorifizieren. Was mögen Kriegsveteranen, die ihre Gesundheit, Gliedmaßen oder Väter, Brüder und Freunde auf dem angeblichen Felde der Ehre verloren haben, bei solchen Gedenkaufmärschen gedacht haben, war das nicht ein klassischer Schlag in die Gesichter derjenigen, die das ganze Verderben auch noch nach den Kriegshandlungen und der anschließenden Gefangenschaft, Verschleppung und Zwangsarbeit als unabweisbare Last mit sich tragen mussten. Die gleichen Empfindungen hatten mit Sicherheit bis in die 1950er und 1960er Jahren die Mütter die ihre Söhne oder ihre Männer im Krieg verloren hatten, oder die vermisst waren und für die Angehörigen immer noch die bange und vage Hoffnung auf eine Rückkehr den gesamten Alltag beherrschte. Jugendliche, die ihren Vater nie gese hen haben, all diese Menschen mussten doch am Verstand derer zweifeln, die auch nur das geringste an Gutem oder heldenmütigem am Kriegsgeschehen fanden. Auch die damaligen politischen Kräfte beschworen zwar den Frieden, für das Deutsche Volk, hielten aber über Jahre mit an den protzigen und militärgleichen Aufmärschen zum Volkstrauertag fest.

Das hat sich wirklich gewandelt. Zum Guten, wie ich meine. Es wird zwar nicht mehr so persönlich getrauert, als zu Zeiten wo man noch einen direkten Angehörigen beklagen musste, aber es ist immer noch eine stille Trauer und im Wesentlichen ein Gedenken dessen was die Kriege an Elend, Leid, Not und Verheerendem hinterlassen haben. Mit diesem Wandel ist aber auch die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger in den Städten und Dörfern an den Trauerfeierlichkeiten zurück gegangen. Teilweise sogar so weit, dass sich überhaupt niemand mehr findet, der in seiner persönlichen Verantwortung um Friedenssicherung bereit ist hier für einen Moment des Gedenkens einzulegen. Das ist mehr als traurig. Es geht beim Volkstrauertag wirklich nicht mehr um die Verehrung der sogenannten Heldentaten, es geht nur noch um die erinnernde Mahnung den Frieden, den wir in Deutschland und europaweit, mit geringfügigen Abstrichen und gelegentlichem Säbelrasseln, haben zu bewahren. Wir wissen alle, von der höchsten politischen Kraft bis hin zum einfachen Bürger oder Bürgerin, vom höchsten Würdenträger der unterschiedlichsten Weltreligionen bis hin zum Gottverachtenden, unsere ständigen Bitten um Frieden während der Messen oder Gottesdienste, der Gebete in den Moscheen oder Tempel, sie sind ein Hoffnungsschleier, der mal dichter und mal offener ist, aber das unsere Friedengebete, –bitten oder Gesänge tatsächlich einmal dazu führen, dass es weltweit wirklich friedlich zu geht, ich denke das werden wir wohl nie erleben. Hier spielen Machtgier, Habgier, Fanatismus und Selbstüberschätzung eine große und nicht zu überwindende Rolle. Es vergeht doch kein Tag an dem wir nicht mir Kriegsgeschehen in den Nachrichten konfrontiert werden, wie viel Elend und Not kriegerische Handlungen, auch im zivilen Bereich nach sich ziehen und wer weiß welche Massen an Völkern ihre Heimat ver lassen und ohne Hoffnung auf eine sichere und menschliche Zukunft auf fremden Kontinent en umher irren, in der ständigen Angst wieder dorthin zurück kehren zu müssen, wo ihnen Hunger, Elend, Folter oder gar die Vernichtung droht. Natürlich werden diese Flüchtlingsbewegungen auch von Personen ausgenutzt. Sie mischen sich unter falschen Vorbedingungen unter die Flüchtlinge, laufen im Strom mit und haben nur den eigenen wirtschaftlichen Vor teil im Sinn und um den zu erreichen scheuen sie kein noch so ungesetzliches Handeln. Ja sie bringen diejenigen, die auf Hilfe und Unterstützung wirklich angewiesen sind noch in Misskredit und Verruf.

Seien wir fair, behandeln wir die Hilfsbedürftigen mit Respekt und Achtung. Denken wir, auch wenn die meisten von uns die Flüchtlingstrecks aus den ehemaligen Ostgebieten persönlich nicht mehr erlebt haben, an die Zeiten zurück wo die innerdeutsche Flüchtlingsnot bei uns tagtäglich zu sehen war. Natürlich waren die Flüchtlinge aus Deutschland, aber sie waren auch nicht immer und überall willkommen und waren froh und dankbar, wenn sie in Nachbarländern aufgenommen wurden und dort leben und arbeiten konnten.

Damit all das hoffentlich zu keiner Zeit mehr in unseren Breiten geschieht und anderswo zum Ende kommt oder garnicht erst in Gang gesetzt wird, müssen wir mit der wachen und steten Erinnerung ein Mahnzeichen setzen, auch wenn es ohnmächtig anmutet.

Der Volkstrauertag ist das äußere Zeichen des Deutschen Volkes und der anderen Völker in Europa sich gegen alles zu wehren, was den Frieden auf dem europäischen Kontinent gefährden könnte und eine mahnende Bitte an alle Völker und Nationen der anderen Kontinente Frieden zu schaffen und dafür zu sorgen, dass er Bestand haben möge.

Je mehr Menschen sich aktiv an diesen Mahnungen am Volkstrauertag beteiligen um so aussichtsreicher ist das gewünschte Ergebnis. Frieden schaffen und Frieden bewahren das ist das ferne aber vielleicht doch erreichbare Ziel aller, die sich zum Volkstrauertag und zu diesem Mahnen bekennen.

Für die Nationalparkverbandsgemeinde Rhaunen
und die Ortsgemeinden der Nationalparkverbandsgemeinde Rhaunen
Klaus Hepp, Ortsbürgermeister der Ortsgemeinde Horbruch