Der Schlüssel und das „Stadtkässchen“ werden übergeben.
Trotz der „Anklage“ und dem anschließenden „Schuldspruch“ – die Binger Stadtspitze (Oberbürgermeister Thomas Feser (Mitte), Bürgermeister Ulrich Mönch (4. v. li.) und Beigeordneter Sebastian Hamann (2. v. li.) nimmt es gelassen. Foto: Stadt Bingen / Gabi Gsell
Was wäre Schwerdonnerstag in Bingen ohne die legendäre Gefangennahme der Obrigkeit? Auch in diesem Jahr wurde die Tradition fortgeführt, die aus dem närrischen Kalender der Stadt nicht mehr wegzudenken ist: Unter der Federführung der Karnevalsgesellschaft Schwarze Elf forderten die Fastnachterinnen und Fastnachter die Schlüsselgewalt über die Verwaltung und Burg Klopp – und erhielten sie!
Nach dem großen Erfolg vom Vorjahr versammelten sich bereits vor dem offiziellen Startschuss um 15:33 Uhr zahlreiche Närrinnen und Narren im Burghof, um das „Burgbeben“ zu feiern.
Trotz Dauerregens am Vormittag zeigte sich Petrus ab dem Mittag gnädig und ließ das bunte Treiben weitgehend ungestört. Die rhetorische „Anklage“ an Oberbürgermeister Thomas Feser, Bürgermeister Ulrich Mönch und den Beigeordneten Sebastian Hamann sorgte wie immer für beste Stimmung – die Stadtspitze konterte schlagfertig, doch gegen die geballte Macht des Narrenvolks war kein Kraut gewachsen.
Im Auftrag des Kommandanten des närrischen Revolutionsrates, Präsident Dennis Fischer der Karnevalsgesellschaft Schwarze Elf, wurde die Übergabe der Burg und der Stadtkasse gefordert.
Die Stadtspitze musste sich geschlagen geben und Oberbürgermeister Thomas Feser räumte ein:
„Ihr Narren wollt den Schlüssel, die Burg und das Geld,
ihr seid wirklich das frechste Volk auf der Welt!
Die Stadtkasse geb’ ich freiwillig raus,
die ist sowieso leer – da gibt’s keinen Applaus!“
Mit einem dreifach donnernden Helau wurde die Burg von den tapferen Musketieren der Schwarzen Elf, den Stadtsoldatinnen und Stadtsoldaten des Binger Karneval Vereins sowie der Bürgerwehr des Gruber Narren Clubs in vierfarbbuntem Sturm erobert. Die Stadtoberen wurden in Ketten gelegt und dem Narrenvolk vorgeführt. Seit 17:11 Uhr ist Bingen bis Aschermittwoch offiziell in Narrenhand!
Närrisches Tribunal: Die Anklagepunkte
Vor dem Narrenvolk wurden die wichtigsten „Vergehen“ der Stadtoberen verlesen und humorvoll verhandelt:
Die Antworten der Stadtoberen wurden mit viel Humor und Selbstironie vorgetragen, konnten das närrische Urteil jedoch nicht abwenden. Die Kommandanten machten klar: Keine der Antworten wird akzeptiert – das Narrenvolk bleibt bis Aschermittwoch am Ruder!
Närrische Herrschaft bis Aschermittwoch
Mit der symbolischen Übergabe von Schlüssel und Stadtkasse, der Gefangennahme der Obrigkeit und dem närrischen Tribunal ist die Machtübernahme besiegelt. Die Stadtoberen hoffen, bald wieder aus dem Burgturm entlassen zu werden – bis dahin regiert das Narrenvolk mit Konfetti, Kamelle und guter Laune.