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Rhein-Nahe aktuell
Ausgabe 14/2026
Amtliche und öffentliche Bekanntmachungen
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Bericht

über die öffentliche Sitzung des Ausschusses für BUGA, Tourismus, Welterbe und wirtschaftliche Entwicklung der Verbandsgemeindeverwaltung Rhein-Nahe am Mittwoch, den 25.02.2026, 19:00 Uhr, im Kultur- und Gemeindezentrum Münster-Sarmsheim, Dr.-Friedrich-Werner-Platz 1, 55424 Münster-Sarmsheim

Bundesgartenschau 2029, Informationen zum Zeitplan und Sachstand

Einleitend führt der Vorsitzende aus, dass sich die Planungen zur BUGA 2029 beständig konkretisieren und sehr viel Dynamik in dem Prozess ist. In der Verbandsgemeinde Rhein-Nahe wird die Stadt Bacharach ein BUGA-Standort mit einem kostenfreien Bürgerpark sein. Während des BUGA-Zeitraums von April bis Oktober 2029 kann die Stadt Bacharach den Park mit einem Programm attraktiv aufwerten. Auf dem Weg zur BUGA 2029 unterstützt die Verbandsgemeinde die Stadt Bacharach und schafft so über Bacharach hinaus einen Mehrwert für die gesamte Verbandsgemeinde Rhein-Nahe.

Zur Vorstellung des aktuellen Sachstandes und der geplanten Investitionen im Zusammenhang mit der BUGA 2029 übergibt Benedikt Seemann dem

Geschäftsführer der Rhein-Nahe Touristik, Christian Kuhn, das Wort.

Vorbereitungen in Bacharach: „Die heiße Phase beginnt"

Dieser führt aus, dass sich der vorgetragene Sachstand auf den Zeitpunkt Dezember 2025 bezieht und er sich in seinen Ausführungen auf den Standort Bacharach konzentrieren wird. Gegenwärtig befinden sich die BUGA-2029-Planungen im Übergang von der Leistungsphase 3 in die Leistungsphase 4. Zu diesem Zeitpunkt sollen die geplanten Kosten für die einzelnen Investitionsmaßnahmen validiert werden. Insofern tritt die Planung in eine entscheidende Phase ein.

Dabei sind neben der BUGA gGmbH weitere Baulastträger in Bacharach aktiv.

Hierzu zählen:

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Der Landesbetrieb Mobilität, der die Bundesstraße 9 saniert

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Die Deutsche Bahn, die die linksrheinische Bahntrasse generalinstand setzt

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Die geplante Baumaßnahme des Lebensmitteldiscounters EDEKA im Bereich des ehemaligen Güterbahnhofs

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Die Sanierungsmaßnahmen entlang der historischen Stadtmauer

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Externe Baumaßnahmen im Bereich der Bacharacher Rheinanlagen

 

Diese Maßnahmen konzentrieren sich auf einen Zeitraum von drei Jahren, gestaffelt auf einen räumlichen Planungskorridor von nur ca. 1,4 Kilometern Länge entlang des Bacharacher Rheinufers. In den BUGA-Bauabschnitten sind Investitionen von ca. 10 Mio. Euro geplant, welche sich auf nachfolgende Teilbereiche aufgliedern:

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Landschaftsgarten + Spiel-, Sport- und Wiesenband, Baukosten: ca. 3.012.000 €*

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Spielplatz, Baukosten: ca. 260.000 €*

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Arbeiten an der Uferbefestigung, Baukosten: ca. 500.000 €*

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Promenade, Baukosten: ⇔ca. 2.109.000 €*

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Open Beach und Wasserplatz, Baukosten: ca. 3.400.000 €*

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Camping, Baukosten: ca. 365.700 €*

ca. 9.646.700 €*

* Angaben gem. Kostenschätzung Leistungsphase 2

Ein Schwerpunkt liegt im Bereich des eintrittsfreien Landschaftsgartens, in dem die Wege saniert werden und der Park gestalterisch aufgewertet wird. Südlich schließt sich ein auf Aktivitäten konzentrierter Bereich unter dem Motto „Open Beach" an.

Entlang des Planungsbereichs wird die Promenade mit ca. 2,1 Mio. Euro saniert und aufgewertet. Ziel aller Maßnahmen ist es, die Aufenthaltsqualität in Bacharach nachhaltig zu steigern. Bis dies erreicht ist, haben sowohl die Einheimischen, als auch die Gäste, mit zeitweisen Sperrungen und Beeinträchtigungen zu rechnen.

Flankierend zu den Investitionen im Bereich des Bacharacher Rheinufers stehen der Stadt Bacharach für städtebauliche Projekte im Hinblick auf die BUGA 2029 Städtebaufördermittel in Höhe von maximal 10,1 Mio. Euro zur Verfügung. Diese Finanzmittel ermöglichen es der Stadt, insbesondere die Schlüsselmaßnahmen „Sanierung der historischen Stadtmauer", „Sanierung des Rathauses" sowie „Ausbau und gestalterische Aufwertung der städtischen Gehwege und Freiflächen entlang der Bundesstraße 9" vollumfänglich innerhalb der Förderperiode umzusetzen.

Die Sanierung der Bundesstraße 9 im Bereich der Stadt Bacharach wird auch eine der ersten Baumaßnahmen im Zusammenhang mit der BUGA im Jahr 2026 sein. Die Bundesstraße wird auf einer Länge von rund 1.600 Metern grundhaft erneuert.

Neben zwei Verschwenkungen der Fahrbahn werden großzügige und sichere Querungen für Fußgänger und Radfahrende angelegt und der parallel verlaufende Radweg auf der gesamten Länge auf eine Breite von 3,0 bis 3,50 Metern ausgebaut.

Das in vier getrennte Bauabschnitte unterteilte Bauvorhaben soll unter laufendem Verkehr mit Baustellenampeln bis Ende 2028 abgeschlossen sein. Die geschätzten Baukosten liegen bei rund 6,7 Mio. Euro.

Aktuelle Aktivitäten der Rhein-Nahe Touristik (Digitalisierung)

Parallel dazu bündeln die regionalen Akteure ihre Kräfte. Die Gebietswerbung Romantischer Rhein und die Rhein-Nahe Touristik bereiten sich intensiv auf das Großereignis vor.

Ein Kernelement bildet dabei die Digitalisierungsoffensive. In engem Austausch mit Veranstaltern und Ortsgemeinden werden Informationen zu Events, Sehenswürdigkeiten und Gastgebern sukzessive in offene Strukturen (frei zugängliche Informationen) überführt. Diese maschinenlesbaren Datensätze fließen direkt in den ‚Digitalen Wissensschatz & Data Hub Rheinland-Pfalz‘ ein.

Das Ziel: KI-basierte Assistenten wie Alexa, Cortana oder Siri sollen Gästen künftig in Echtzeit präzise Informationen über alle Kanäle hinweg liefern. Entscheidend ist hierbei die Open-Data-Strategie, denn nur Inhalte mit einer Creative-CommonsLizenz (= standardisierte Verträge, um Urhebern Freigaben zu ermöglichen) lassen sich von KI-Systemen effizient auswerten und ausgeben. Da dieser Ansatz teilweise in Konflikt mit klassischen Urheberrechten von Fotografen oder Autoren steht, bedarf es einer sorgfältigen Abstimmung.

Künftig ermöglichen diese Daten zudem eine gezielte Besucherlenkung, um

bestehende Ressourcen bei Großveranstaltungen effektiver zu nutzen. Die RheinNahe Touristik vollzieht damit den konsequenten Wandel von einer analogen hin zu einer digital vernetzten touristischen Serviceeinrichtung. Das Projekt „Smartes Rheintal 2029" der Gebietswerbung Romantischer Rhein hilft dabei, dass die

Deskline-Stützpunkte ihre Datenqualität verbessern und damit besser von KISystemen gelesen werden können.

Bürgermeister Benedikt Seemann dankt Christian Kuhn für seine Erläuterungen undn bittet die Ausschussmitglieder um Fragen bzw. Beiträge.

Herr Jürgen Peters sieht in der BUGA 2029 eine große Chance, die Region

nachhaltig zu entwickeln und - ähnlich wie Bingen von der Landesgartenschau 2008 und Koblenz von der Bundesgartenschau 2011 - starke Entwicklungsimpulse zu erhalten.

Herr Rainald Kauer erachtet es als wichtig, dass ehrenamtliche Personen sich im Rahmen eines Volunteer-Projektes für die BUGA einsetzen und Ideen als BUGABotschafter in die Bürgerschaft tragen. Er führt weiter aus, dass es wichtig sei, die Themen Kultur und Tourismus im Rheintal stärker zu fördern. Nach dem Weggang von Sarah Piller als Kulturmanagerin fehlt im Welterbe Oberes Mittelrheintal eine zentrale Ansprechpartnerin oder ein zentraler Ansprechpartner für das Thema Kultur.

Herr Kauer ist davon überzeugt, dass alle Gemeinden in der Verbandsgemeinde Rhein-Nahe von der BUGA 2029 profitieren und schon jetzt LEADER-Anträge bei der LAG Welterbe und Bürgerprojekte bei der BUGA gGmbH zur Förderung einreichen können.

Bürgermeister Benedikt Seemann ergänzt Herrn Kauers Ausführungen. Die

Ortsgemeinde Trechtingshausen hat zum Beispiel in der jüngsten Sitzung der LAG Welterbe eine LEADER-Förderung für die Erstellung eines Konzeptes zur Umnutzung des ehemaligen Sportplatzes erhalten.

Herr Seemann sieht die positiven Effekte im Zusammenhang mit der BUGA 2029 für das gesamte Tal. Jede Gemeinde sowie jede Bewohnerin und jeder Bewohner kann sich einbringen und mit eigenen Ideen und Projekten die Region stärken. Diese Initiativen will Bürgermeister Benedikt Seemann mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus sowie dem Team der Rhein-Nahe Touristik aktiv vorantreiben.

Interkommunale Synergien im Bereich des Tourismus

Bürgermeister Benedikt Seemann informiert den Ausschuss, dass im Jahr 2025 erste Gespräche zwischen den Touristikerinnen und Touristikern der Verbandsgemeinde Langenlonsheim-Stromberg, der Verbandsgemeinde Rüdesheim (Nahe) und der Verbandsgemeinde Rhein-Nahe im Hinblick auf eine stärkere interkommunale Zusammenarbeit geführt worden sind. Daraufhin bittet er Christian Kuhn, die Gesprächserkenntnisse und die weiteren Schritte zu erläutern.

Die Gespräche sind in Abstimmung mit den jeweiligen Bürgermeistern und auf Basis der aktuellen Tourismusstrategie Rheinland-Pfalz geführt worden, um wettbewerbsfähige Tourismusorganisationen zu entwickeln. In einem

Orientierungsworkshop unter der Begleitung der Tourismus- und Regionalberatung BTE wurde festgestellt, dass die drei Verbandsgemeinden das Potenzial dazu haben, noch enger interkommunal zusammenzuarbeiten.

In der aktuellen Auswertung durch BTE zeigt sich, dass die

Rhein-Nahe Touristik in der Verbandsgemeinde Rhein-Nahe im Vergleich die Kriterien etwas besser erfüllt und eher einer eWTO bzw. einer WTO entspricht, während die Nachbar-Verbandsgemeinden den Vorgaben etwas weniger entsprechen. Keine der touristischen Einheiten wird jedoch alleine den Kriterien einer wettbewerbsfähigen Tourismusorganisation (WTO) gerecht. Es ist geplant, einen gemeinsamen Förderantrag im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau in Rheinland-Pfalz zu stellen, um den Prozess zur Schaffung einer wettbewerbsfähigen Tourismusorganisation (WTO) finanziell unterstützen zu lassen.

Die Förderung beträgt maximal 80 % der förderfähigen Gesamtkosten bis zu einer maximalen Zuwendungssumme in Höhe von 30.000 Euro pro

Zuwendungsempfänger. Der finanzielle Eigenanteil des Zuwendungsempfängers beträgt mindestens 20 % der förderfähigen Ausgaben.

Bürgermeister Seemann führt weiter aus, dass die Rhein-Nahe Touristik die digitale Kooperation forciert, indem zukünftig – unabhängig von Verwaltungsgrenzen – die Deskline-Daten der Beherbergungsbetriebe, der Sehenswürdigkeiten und der Veranstaltungen auf der Website der Rhein-Nahe Touristik zentral ausgespielt werden. Mit einer rein touristischen Website auf Basis von WordPress wird für alle drei Verbandsgemeinden die gemeinsame digitale Reichweite erhöht und ein

stärkeres Besucheraufkommen auf der Website generiert.

Flankierend unterstützt die Rhein-Nahe Touristik das Projekt „Smartes Rheintal 2029". Diese Initiative der Gebietswerbung Romantischer Rhein optimiert die gemeinsame Dateninfrastruktur in der gesamten Destination. Ziel ist es, die Datenqualität in den Deskline-Stützpunkten und mittelbar in der gesamten DMO (Tourismusverband) zu erhöhen. Die Fördermittel für das Vorhaben wurden inzwischen bewilligt und der Auftrag zur Umsetzung des Projektbausteins Datenkontrolle und Datenoptimierung vergeben.

Ein KI-Tool soll im Jahr 2026/2027 zentral über die Rheinland-Pfalz Touristik in Umsetzung gebracht werden. Die Finanzierung wird über die touristischen Regionen realisiert.

Bürgermeister Benedikt Seemann bittet die Ausschussmitglieder um eine

Einschätzung bzw. eine Bewertung der interkommunalen Zusammenarbeit im Tourismus.

Frau Katrin Gloggengiesser bewertet die interkommunale Zusammenarbeit als positiv und als einen Beitrag, den zukünftigen Anforderungen an touristische Institutionen besser gerecht zu werden. Sie erkundigt sich, ob auch weitere Kommunen sich der Initiative der drei Verbandsgemeinden anschließen können.

Bürgermeister Benedikt Seemann betont, dass aufgrund der Projekteinreichungsfrist am 31.03.2026 der Projektantrag zunächst von den drei genannten Verbandsgemeinden gestellt wird. Für weitergehende Überlegungen zeigt er sich offen, wobei hierzu auch das Meinungsbild der Partner aus Rüdesheim (Nahe) und Langenlonsheim-Stromberg einzuholen ist.

Auch Herr Jürgen Peters begrüßt die Initiative zur verstärkten interkommunalen Kooperation im Tourismus. Die beteiligten Verbandsgemeinden können so ihre bestehenden Potenziale, bei einer guten Organisation und Strukturierung, zukünftig besser nutzen.