Aktueller Stand des Artenschutzprojekts
Der Höllenbrand in Westhofen ist bekannt durch die zahlreichen Trockenmauern in den nach Süden abfallenden Hängen mit Terrassen. Genau diese dienen seltenen und streng geschützten Arten wie dem Steinschmätzer, dem Wiedehopf oder dem Neuntöter als Lebensraum. Die hohe Bedeutung des Höllenbrands zeigt sich auch dadurch, dass es als Europäisches Vogelschutzgebiet geschützt ist. Um dem Rückgang der Steinschmätzer-Population entgegenzuwirken wurde 2023 in Kooperation zwischen der Kreisverwaltung Alzey-Worms und der Fördermittelgeberin, der Stiftung Natur und Umwelt (SNU) ein Artenschutzprojekt gestartet.
Ziel des Projekts ist es, senkrecht abfallende Lössböschungen herzustellen und einige der zahlreichen Trockenmauern im Höllenbrand zu sanieren bzw. wiederherzustellen. Nachdem in den Jahren 2023 und 2024 die rechtlichen Voraussetzungen – unter anderem über Dienstbarkeiten und Vereinbarungen mit den von der Maßnahme betroffenen Privateigentümern – geklärt wurden und die Planung dementsprechend angepasst wurde, konnte 2025 mit der eigentlichen Umsetzung der Maßnahmen begonnen werden.
Dazu wurde im ersten Schritt der Artenschutz berücksichtigt. Die Trockenmauern und Böschungen sind ein sehr guter Lebensraum für zahlreiche Reptilien wie Mauer- und Zauneidechsen. Diese dürfen bei den Bauarbeiten nicht getötet werden und ihre Eiablageplätze dürfen nicht zerstört werden. Daher wurde vor Beginn jeglicher Bauarbeiten an den betroffenen Stellen eine weiße Silo-Folie ausgelegt. Jene Bereiche, in denen die Silo-Folie ausliegt, sind für Reptilien unattraktiv und werden gemieden. So kann sichergestellt werden, dass sich keine Reptilien im Baubereich aufhalten.
Nachdem die Verlegung der Folien im Frühjahr 2025 erfolgte, konnten die Arbeiten zunächst aufgrund der Brutzeit und danach aufgrund der Weinlese nicht fortgeführt werden. Hier hat die Kreisverwaltung den betroffenen Winzern zugesichert, dass die notwendigen Arbeiten zu keinen Beeinträchtigungen während der Weinlese führen werden. In diesem Zeitraum wurde die Herstellung der Lösswände ausgeschrieben und beauftragt. Personalbedingt konnte die beauftragte Firma die Lösswände jedoch erst im Frühjahr 2026 herstellen. In diesem Zuge wurden auch erste Abschnitte der Silo-Folien entfernt. Erst vor kurzem wurde mit der Errichtung von Absturzsicherungen die Herstellung der Lösswände abgeschlossen.
Nun steht als letzte Maßnahme noch die Sanierung der Trockenmauern aus. Aufgrund der derzeitigen Brut- und Setzzeit, ist eine Umsetzung aktuell nicht möglich. Wie auch schon bei den Lösswänden strebt die Untere Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung Alzey-Worms an, die Arbeiten erst nach der Weinlese umzusetzen. Eine Sanierung der Trockenmauern ist also voraussichtlich im November 2026 zu erwarten – im Anschluss daran werden auch die Silo-Folien entfernt.
Nach der Sanierung der Trockenmauern wird ein abgestimmtes Pflegekonzept im Höllenbrand umgesetzt werden. Dabei sollen die Böschungen im Projektgebiet regelmäßig gemäht werden. Ziel ist zudem die Bekämpfung des Gefleckten Schierlings, der sich dort aktuell stark ausbreitet.
Alle Beteiligten hoffen, dass sich durch die bereits umgesetzten und die noch umzusetzenden Maßnahmen der Bestand des Steinschmätzers im Höllenbrand erholen wird und die Art weiterhin ein Zuhause in Westhofen findet.