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Amtsblatt VG Wonnegau
Ausgabe 8/2026
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Jahreswechsel 2025-2026

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

der Jahreswechsel liegt bereits einige Wochen zurück. Viele von Ihnen haben am vergangenen Wochenende den Höhepunkt der Fastnachtskampagne gefeiert, die nun am Aschermittwoch zu Ende ging. Fastnacht hat bei uns in Rheinhessen eine lange Tradition. Nicht nur in Mainz, sondern auch in unseren Dörfern werden Sitzungen mit großartigen Programmen veranstaltet. Besonders hervorzuheben ist die Altweiberfastnacht, ein Höhepunkt in manchen Orten. Als Bürgermeister bin ich davon, wie auch viele meiner Kollegen, direkt betroffen, denn für einige Tage muss ich den Rathausschlüssel abgeben und die Närrinnen und Narren regieren lassen. Inzwischen habe ich den Schlüssel wieder und kann meine Arbeit fortsetzen.

Unabhängig davon, was im Jahr 2025 geschehen ist, bringt das neue Jahr neue Anfänge. Es warten aufregende neue Erfahrungen und Beziehungen auf mich – und ganz sicher auch auf Sie.

Was erwarte ich vom neuen Jahr? Sicherlich keine Schicksalsergebenheit, keinen Fatalismus und keine Passivität. Vieles hat sich verändert. Unsere Demokratie ist gefährdeter denn je. Aber wir haben es in der Hand, sie zu schützen. Bei den bevorstehenden Landtagswahlen können Sie auch 2026 einen wichtigen Beitrag leisten, unsere Demokratie zu schützen. Bitte gehen Sie wählen.

Meine Damen und Herren, Demokratie ist kein Projekt von „denen da oben“, sondern unser aller Aufgabe. Demokratie bedeutet nicht nur zu meckern, unzufrieden zu sein, Wut abzulassen und andere zu kritisieren. Sie lebt davon, dass wir mitgestalten, mitmachen und uns beteiligen. Und vor allem bedeutet Demokratie: Freiheit.

Was ich am schlimmsten finde? Dass sich empörte, selbsternannte Wutbürger in diesem Land vor eine Kamera stellen und überzeugt sagen können: „Wir leben nicht in einer Demokratie“ – und dabei nicht merken, dass sie diesen Satz gar nicht sagen dürften, wenn er wahr wäre.

Rosa Luxemburg sagte einst: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden.“ Dazu stehe ich als Mensch und Demokrat.

Vor fünf Jahren fiel mir auf, dass das Demokratieverständnis und die Vorstellung von der freiheitlichen Grundordnung bei vielen Menschen Risse bekommen haben. Denn vor fünf Jahren veränderte die Coronapandemie plötzlich Leben und Arbeiten in Deutschland. Es ist inzwischen so viel Zeit vergangen, dass man die genauen Abläufe nachschlagen muss. Heute wirkt die Pandemie im Rückblick wie eine Gemeinschaftserfahrung, als hätten alle das Gleiche erlebt. Aber gerade solche Großereignisse werden individuell wahrgenommen. Plötzlich gingen die Meinungen weit auseinander. Familien und Freundeskreise wurden gespalten. Mit den Folgen kämpfen wir noch immer. Ich habe den Eindruck, dass unsere Gesellschaft unter Long COVID leidet. Da hilft nur: gegenseitiges Verzeihen, ein Neustart, miteinander reden und eine ehrliche Aufarbeitung der Pandemie. Ich hoffe, dass die von der Bundesregierung eingesetzte Enquete-Kommission dies schafft.

Auch bei uns verlief das Leben in und mit der Pandemie nicht reibungslos. Erkrankte mussten oft ohne Unterstützung ihrer Lieben kämpfen. Besonders unsere Kinder – gerade die Jüngeren – verstanden die Welt nicht mehr. Strenge Regeln und Kontrollen in Kitas und Schulen, keine Treffen mit Freunden – all das hat Spuren hinterlassen. Viele leiden bis heute, seelisch und körperlich. Ich hoffe, dass wir aus den Erfahrungen mit Corona vernünftige Lehren für die Zukunft ziehen.

Das einzig wirklich Positive, das mir aus dieser Zeit in Erinnerung geblieben ist, ist das Engagement und der Einsatz vieler Menschen. Ob Angehörige von Krisenberufen in Pflege, Kliniken und Einzelhandel, Einkaufshelfer für Seniorinnen und Senioren, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer oder kreative Köpfe, die anderen Mut machten – all das war unschätzbar wertvoll. Es hat mir gezeigt: Gemeinsam sind wir stark. Gemeinsam meistern wir Krisen.

Aber wir können mehr als Krise! Wir können auch Tradition und Innovation. Das haben wir im vergangenen Jahr bei unseren traditionellen Festen erlebt. Fröhliche Menschen kamen zusammen, um zu feiern – ihre Heimat und sich selbst. Diese Veranstaltungen habe ich sehr genossen.

Mein Dank gilt allen ehrenamtlich Engagierten, die sich bei den Feiern einbrachten. Besonders danke ich all jenen, die sich Woche für Woche, zum Teil seit vielen Jahren, in unser gesellschaftliches Leben einbringen. Hut ab – und bitte bleiben Sie engagiert. Wir brauchen Sie. Ihr Einsatz macht unsere Gemeinschaft stark. Ich lade alle, die noch nicht aktiv sind, herzlich ein, mitzumachen. Möglichkeiten gibt es viele. Trauen Sie sich! Sie investieren Zeit und bekommen Glück zurück – beides ist unbezahlbar.

Welche Themen und Projekte gibt es in der Verbandsgemeinde? Damit die zehn Gemeinden und die Stadt Osthofen ein attraktiver Standort bleiben und sich weiterentwickeln, konnten wir im vergangenen Jahr einige kommunale Aufgaben umsetzen. Dazu gehört der Neubau der Grundschule in Osthofen, der Beginn der Arbeiten am Regenrückhaltebecken in Osthofen oder der Bau der neuen Kindertagesstätte in Bechtheim durch die Ortsgemeinde – alles Projekte, die einen wertvollen Beitrag zur Infrastruktur leisten. Auch die Aufstellung des ersten kommunalen Wärmeplans zählt dazu. Damit haben wir die Zukunft der Wärmeversorgung in der Verbandsgemeinde vorbereitet.

An diesen Beispielen sehen Sie, wie viel sich im vergangenen Jahr getan hat. Doch auch 2026 gilt es, die begonnene Arbeit fortzuführen und neue Visionen für unsere Verbandsgemeinde zu entwickeln. Bereits begonnen haben die Arbeiten am Neubau einer Kindertagesstätte in Gundersheim – ein Gemeinschaftswerk zusammen mit Bermersheim, Hangen-Weisheim und Hochborn.

In Dittelsheim-Heßloch entsteht eine große Photovoltaikanlage auf der Kläranlage, die nicht nur den Betrieb dort, sondern auch weitere öffentliche Einrichtungen mit Strom versorgen wird.

Die Grundschule in Westhofen wird um drei Klassenzimmer erweitert. Baubeginn ist nach den Sommerferien. Möglicherweise startet die Erweiterung des Feuerwehrhauses in Dittelsheim-Heßloch sogar noch früher – die Vorbereitungen laufen bereits.

Auch die Planungen für ein neues Feuerwehrhaus in Westhofen beginnen endlich. Nach vielen Verzögerungen ist nun durch das Sondervermögen des Bundes wahrscheinlich die Finanzierung gesichert. Die Gremien der Verbandsgemeinde werden sich bald damit beschäftigen.

Bei der Schaffung von Wohnraum passiert ebenfalls einiges. Im Neubaugebiet Gundersheim stehen bereits die ersten Häuser, in Hochborn wird an der Infrastruktur für neue Häuser im Baugebiet „An den Wiesen“ gearbeitet, und in Dittelsheim-Heßloch startet die Erschließung des Neubaugebiets „Ortsmitte“ voraussichtlich im Frühjahr.

Zum Schluss möchte ich eine kleine Geschichte erzählen, die mich beeindruckt hat: Die Anthropologin Margaret Mead wurde einst gefragt, welches Objekt sie als erstes Anzeichen von Zivilisation ansieht. Mead antwortete: „Ein verheilter Knochen.“ Ihre Erklärung: In der Natur überlebt ein Tier mit einem gebrochenen Knochen nicht – es verhungert oder wird Opfer eines anderen Tieres. Ein geheilter Knochen hingegen zeigt, dass jemand für den Verletzten gesorgt hat. Das erste Anzeichen von Zivilisation ist also unsere Fähigkeit, uns um andere zu kümmern.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, wenn wir uns für 2026 etwas vornehmen wollen, dann dies: Besinnen wir uns auf unsere Menschlichkeit und handeln wir nach ihr. Das wünsche ich uns allen. Möge das Jahr 2026 für uns ein gutes Jahr werden.

Ihr
Walter Wagner
Bürgermeister