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Biebesheimer und Stockstädter Nachrichten
Ausgabe 10/2019
Vereine und Verbände
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Kreisgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft Groß-Gerau e.V.

Europaabgeordneter Michael Gahler bei seiner Ansprache in der Pilgerhalle des Wallfahrtsortes Maria Einsiedel

Teilnehmer nach Totengedenken und Kranzniederlegung am Vertriebenenkreuz in Maria Einsiedel

Einsatz für Volksgruppen- und Minderheitenrechte

Gedenkfeier am Vertriebenenkreuz in Maria Einsiedel

Am Faschingssonntag hatte die Kreisgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) Groß-Gerau gemeinsam mit dem Kreisverband des Bundes der Vertriebenen (BdV) Groß-Grau zu einer Gedenkfeier unter dem Leitwort „Für ein Europa freier Völker und Volksgruppen“ am Wallfahrtsort Maria Einseidel eingeladen. Anlass dazu war der 100. Jahrestages der Niederschlagung friedlicher Demonstrationen von Sudetendeutschen in der damaligen Tschechoslowakei für das Recht auf Selbstbestimmung Dazu konnte SL-Kreisvorsitzender Helmut Brandl auch den Europaabgeordneten Michael Gahler, Ines Claus (MdL) und den SL-Landesvorsitzenden Markus Harzer begrüßen. Dabei hatte Brandl auch auf die deutschlandweiten Treffen anlässlich des „Tages der Selbstbestimmung“ hingewiesen. Mit dem Gedenken einher gehe die Forderung zu einem europäischen Volksgruppenrecht und dem Schutz von Minderheiten weltweit. Im Rückblick auf die in der Charta der Heimatvertriebenen von 1950 niedergeschriebene Verpflichtung, an der Schaffung eines geeinten Europa mitzuwirken, sagte Brandl: „Besonders in Tagen einer spürbaren schleichenden Entwicklung von Nationalstaaterei - auch bei einigen unserer europäischen Nachbarstaaten - ist es unendlich wichtig, das bisher geschaffene Haus Europa zu erhalten und für uns alle weiterzuentwickeln, damit dieses Gebilde ein Hort für Solidarität, Stabilität und Frieden bleiben möge.“

"Es war am Faschingsdienstag, 4. März 1919 in Kaaden. Die 20 Jahre alte Kanzleigehilfin Aloisia Weber steht kurz vor ihrer Hochzeit. Zusammen mit hunderttausenden Deutschen demonstriert die junge Frau friedlich für das Selbstbestimmungsrecht der Sudetendeutschen. Den Anlass bot die Wahl zum deutschösterreichischen Nationalrat, an denen sich die Sudetendeutschen hätten beteiligen müssen.

Weil ihnen dies von der tschechischen Besatzungsmacht verwehrt wurde, rief die sozialdemokratische Partei zum Generalstreik auf. In vielen Städten feuerte das tschechische Militär in die waffenlose Menge. Unter den 54 Todesopfern war auch Aloisia Weber. Ihre Geschichte rief Markus Harzer in Erinnerung. Der hessische Landesvorsitzende der Sudetendeutschen Landsmannschaft (SL) sprach während einer Gedenkfeier der SL-Kreisgruppe Groß-Gerau am Sonntag am Wallfahrtsort Maria Einsiedel. Sie stand unter dem Leitwort „Für ein Europa freier Völker und Volksgruppen“.

Im vorausgegangenen Gottesdienst hatte Pfarrer Heinrich Bosse dazu aufgefordert, auch am Fastnachtssonntag Not und Leid nicht zu vergessen. Man solle auch an jene denken, die mehr weinen als lachen. Unrecht nie zu vergessen sei insbesondere heute wichtig, weil das Recht wieder vermehrt mit Füßen getreten werde. Gottesdienst und Gedenkfeier wurden vom Erzgebirgischen Heimatverein Nauheim-Weiterstadt mit Liedern und den Trachtenträgern der Egerländer Gmoi z`Kelsterbach mitgestaltet.

Michael Gahler bedauerte, dass dieser Gedenktag in der Öffentlichkeit nicht sehr bekannt sei: „Geschichte, die vergessen wird, birgt die Gefahr, sich zu wiederholen.“ Der Europaabgeordnete sinnierte darüber, wie der Streit begonnen habe, nachdem Deutsche und Tschechen Jahrhunderte lang friedlich miteinander gelebt hätten. Letztlich habe wohl die Politik Fehler gemacht, und das später von Francois Mitterand bekannte Zitat habe sich als wahr erwiesen: „Nationalismus ist Krieg“.

Nach dem Zweiten Weltkrieg seien in Westeuropa Strukturen geschaffen worden, in denen Sieger und Besiegte, starke und schwache Länder, alte und neue Mitglieder sich Vertrauen schenkten und so den Frieden bewahrten. Gahler rief dazu auf, sich auch durch Populisten nicht beirren zu lassen: „Wir wollen uns in der Europäischen Union weiterhin in Frieden und Freiheit entwickeln.“