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Biebesheimer und Stockstädter Nachrichten
Ausgabe 18/2020
Vereine und Verbände
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Heimat- und Geschichtsverein Biebesheim e.V.

Kerweumzug 1978

Umzug 20111

Die Biebesheimer Kerb

Da die Kerb in diesem Jahr leider nicht gefeiert werden kann, veröffentlichen wir in den nächsten Ausgaben deren Geschichte:

Kerwe-Mondaog - Kirchweih-Montag

Bis in die 70iger Jahre des 20. Jh. wurden bei der Biebesheimer Kerb montags von den Kerweborsch Eier gesammelt, die später in der Gastwirtschaft gebraten und verzehrt wurden.

Man zog zusammen mit der Musikkapelle noch einmal durch das Dorf und machte an den Häusern in denen die „Kerwemädscher“, mit denen man auf der Kerb getanzt hatte und sich dabei vielleicht auch ein wenig näher gekommen war, ein Ständchen spielen ließ. Die Eier wurden von der Bevölkerung schon bereit gehalten wenn man die Musik hörte. Bei diesem „Eiersammele“ kam eine große Menge an Eiern zusammen, da in den meisten Hofraiten damals noch Hühner gehalten wurden.

Zurück geht dieses Eiersammeln vermutlich auf den „Gickelschmiß“- Hahnenschlag, der zwar in Biebesheim nicht mehr belegt ist, aber in anderen hessischen Gemeinden noch nachweisbar ist. Der Gickelsschmiß ist ein Geschicklichkeitsspiel, von dem man glaubt es von den Handwerkertänzen der Städte im 14. Jh. herleiten zu können. Wobei der Hahn Trophäe bei einem Geschicklichkeitstanz war. Im 16. Jh. haben die Maler um Dürer mehrere Holzschnitte und Aquarelle mit Darstellungen des Hahnenztanzes gefertigt, in denen der Hahn auf einer hohen Stange in einem Käfig sitzend zu sehen ist.

Die Mitspielern, die einen Dreschflegel erhielten, denen die Augen verbunden und die mehrmals im Kreis gedreht wurden sollten einen Hahn treffen. Der ursprünglich mit dem Körper in den Boden eingegraben wurde. Sie sollten den Kopf treffen um ihn abzuschlagen. Durch das Einschreiten der Geistlichkeit und der landesherrlichen Obrigkeit wurde dieses schreckliche Spiel in ein symbolhaftes umgewandelt, wo ein irdener und später metallener Topf anstelle des Hahns eingesetzt wurde. Der Hahn auf der vorher bereits erwähnten langen Stange war dann die Siegprämie für den Gewinner.

In manchen Orten wurde der Hahn vorher in seinem Käfig durch das Dorf getragen und die Kerweborsch fragten dann an den Häusern „No hodd de Gickel schun geleggd ?“ Darauf antworteten die Gefragten mit „Ja er hodd geleggt“ und händigten den Kerweborsch Eier aus.

Vielleicht kam daher der Brauch des Eiersammelns an „Kerwemondaog“. Eine neuere Interpretation besagt, da man die Eier heute bereits am „Kerwesunndaog“ während des Umzugs sammelt, dass diese eine Anerkennung für den gelungenen Umzugswagen und den guten Kerwespruch seien.