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Biebesheimer und Stockstädter Nachrichten
Ausgabe 32/2018
Vereine und Verbände
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Heimat- und Geschichtsverein Biebesheim e.V.

1250 Jahre Lochheim

Kurzfassung – 2. Teil

Um 1160 tritt das Kloster Lorsch seine Besitzungen in Lochheim an das Kloster Eberbach ab.

1171 wird Lochheim bereits in einem Bericht des Abts Heinrich von Lorsch über den Stand der Besitzungen des Klosters Aldanmumfer (Lorsch) nicht mehr genannt.

Um 1196 bestätigt der Wormser Bischof Leopold II. von Schönfeld dem Kloster Schönau den Besitz eines Teils des praedium Llocheim (Landguts Lochheim) und überträgt ihm einen anderen Teil.

Um 1200 entsteht das Nibelungenlied und darin steht: Eh der reiche König wieder war gekommen, derweilen hatte Hagen den Schatz völlig genommen. Er senkt´ ihn all zusammen zu Loche in den Rhein, er wähnt´ ihn zu genießen; doch konnte er nimmer sein. Es wird vermutet, dass das verschwundene Lochheim bei Biebesheim der Ort sein könnte, wo einst Hagen von Tronje/Troneke den Nibelungenschatz versenkte.

Ein anonymer Dichter dichtet das berühmte mittelhochdeutsche Heldenepos nach mündlichen Überlieferungen. Es spielt zur Zeit der Völkerwanderung und erzählt vom Untergang der Burgunder. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts war der ostgermanische Stamm von der Weichsel an den Rhein gewandert. Um 410 siedelten die Burgunder in der Gegend um Worms. 436 werden sie von den Hunnen vernichtet.

1208 findet sich in den Regesten der Erzbischöfe von Mainz der Beweis, dass die Kirche von Lochheim noch gestanden hat, vielleicht als letztes Gebäude des ehemaligen "Locheim", am "Kirchböhl“. Darin wird der Zisterzienserabtei Schönau - eine Neugründung im Odenwald - des Klosters Eberbach im Jahr 1142, die Kirche zur freien Verfügung, insbesondere die Kirche abzureißen und an ihrer Stelle einen Hof zu errichten, erlaubt. Es ist davon auszugehen, dass die Kirche unmittelbar danach abgebrochen wurde. Inwieweit danach ein Hof errichtet wurde ließ sich bisher nicht feststellen.

1209 beurkunden die geistlichen Richter von Mainz, dass Schultheiß Wernher von Bubensheim, dessen Bruder Baldemar, sowie Eigelmar und Hermann von Bubensheim ihre Wiese in Lochheim und andere an die Wiese angrenzenden Güter an das Kloster Eberbach gegen dessen Äcker vertauschen. Aufgrund der Tatsache, dass bei dieser Gelegenheit alle Teilnehmer dieses Gütertauschs aus Biebesheim stammten, scheint Lochheim bereits vor 1209 untergegangen zu sein. Allerdings nicht durch Rheinhochwasser sondern vermutlich durch das für die Zisterzienser typische Bauernlegen zugunsten ihrer Eigenwirtschaft. Der Name blieb jedoch als Flurnamen erhalten als „Flochheim“. Ein Teil der Biebesheimer dürften Übersiedler aus Lochheim gewesen sein.

1648 gibt es noch die Gewannbezeichnung Lochheim in den Grundbüchern. Erst später entsteht die neue Bezeichnung Flochheim. Vermutlich aus dem herüberziehen des F aus dem umgangsprachlichen Off Lochheim.

1827 übersetzt Karl Joseph Simrock *28.08.1802 + 18.07.1876 das Nibelungenlied als erster aus dem Mittelhochdeutschen ins Hochdeutsche (Neudeutsche).

Seit dem 19. Jahrhundert wird Lochheim mit dem in dem Nibelungenlied erwähnten Ort Loche gleichgesetzt. Hier soll Hagen von Tronje den Nibelungenhort im Rhein versenkt haben: „er schvtten da ca Loche allen in den Rin (er schüttete [ihn] da zu Loche gänzlich in den Rhein).

2009 werden die Handschriften A, B und C des Nibelungenliedes in das UNESCO-Weltdokumentenerbe aufgenommen.

Norbert Hefermehl