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Biebesheimer und Stockstädter Nachrichten
Ausgabe 32/2020
Vereine und Verbände - Biebesheim am Rhein
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Lehrgrabung der Philipps-Universität Marburg in Biebesheim am Rhein

In der Grabung: Lotte Teichner, HGV-Vorsitzender Norbert Hefermehk, Deniz Tabak und Prof. Dr. Felix Teichner

Fotografische Dokumentation des Grabungsergebnisses

Prof. Dr. Felix Teichner, Leiter des Fachbereiches Geschichtswissenschaften, Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie bei der Philipps-Universiät M arburg, fand in Biebesheim am Rhein ein spannendes Übungsfeld in der Röhrichtgewann für eine Lehrgrabung mit Studierenden der 1. und 2. Semester und auch bereits in Grabungen Erfahrenen. Wie Teichner sagte, erfuhren diese „Jungen“ hier ihre ersten Grabungsweihen. Er und Norbert Hefermehl, beide Mitglieder der Archäologischen Gesellschaft in Hessen, hatten sich bei der Jahresversammlung des Vereins 2019 kennengelernt. Durch die Nachfrage wegen eines Zuschußantrages an den Verein erfuhr Prof. Teichner von der 1250-Jahrfeier Biebesheims zur Wüstung Lochheim und dem Interesse des Heimat- und Geschichtsvereins Biebesheim e.V. die ehemalige Ortslage genauer zu erforschen. Bei einem gemeinsamen Termin entdeckte Prof. Teichner, dass die Gemarkung interessantes Gelände für praktische Übungen besitzt. Auch existierte eine ideale Infrastruktur, denn er und die Studenten nutzen den Biebesheimer Campingplatz am Rhein.

Die Vorauswahl für den Grabungsort traf Prof. Teichner aufgrund von Luftbildarchäologischen Aufnahmen und geophysikalischen Voruntersuchungen. Norbert Hefermehl sorgte dafür, dass die Grundstückseigentümer bzw. Pächter der Äcker mit der Maßnahme einverstanden waren. Das Landesamt für Denkmalpflege in Darmstadt erteilte auch seine Genehmigung dazu.

Prof. Dr. Teichner bezeichnet die Biebesheimer Gemarkung, ebenso wie das Grabungsgelände als „Multiperioden Fundplatz“. Norbert Hefermehl stellte dazu fest, dass nahezu alles in den letzten 5000 Jahren am Rhein entlang gezogen sei und zeitweise dier siedelte. Da man in der Gemarkung von Biebesheim am Rhein Funde aus nahezu allen Zeitepochen hat. Die Funde werden beschriftet und in der Uni Marburg bestimmt und weiter ausgewertet. Diese sind zunächst Landeseigentum und kommen, nach der Bearbeitung in Marburg i.d.R. in ein Zentraldepot nach Wiesbaden. Sicherlich kommen danach auch einige Stücke ins Biebesheimer Heimatmuseum.

Mit dieser Lehrgrabung wurde auch getestet mit welche Art geophysikalischer Untersuchung man in den Biebesheimer Böden die besten Ergebnisse erzielt, Da Norbert Hefermehl und Felix Teichner noch eine Verdachtsfläche sehen, auf der die ehemalige Kirche Lochheims gestanden haben könnte. Diese soll dann vielleicht in einer 2. Grabungskampagne gesucht werden.

Solche Lehrgrabungen sind ein Praktikum, das zum Studium gehört um die angehenden Archäologen auf ihre zukünftigen Arbeiten vorzubereiten. In diesem Fall hatte die Gemeinde Biebesheim am Rhein die Grabung mit einem Minibagger unterstützt, der die oberste Erdschicht, die hart wie Beton war, abzuschieben. Der Bauhof versorgte die Grabungsstelle auch mit einem Wassertank, damit die Studierenden die weitere Arbeit drchführen konnten. Auch die Fa, Schäfer III unterstützte die Uni Marburg und den HGV Biebesheim bei dieser Maßnahme.

Bürgermeister Thomas Schell besuchte auch als Stellvertrender Vorsitzender des HGV die Grabung mehrfach in der vergangenen Woche.