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Biebesheimer und Stockstädter Nachrichten
Ausgabe 41/2020
Vereine und Verbände - Stockstadt am Rhein
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Bund der Vertriebenen - Kreisverband Groß-Gerau

Landrat Thomas Will lobte die große Iintegrationsleistung der deutschen Heimatvertriebenen nach ihrer Ankunft im Kreis Groß-Gerau.

Heimatvertriebene begehen Gedenkfeier

Verzicht auf Rache und Vergeltung

"70 Jahre Charta der deutschen Heimatvertriebenen", das in diesem Jahr gefeiert wird, ist in jedem Fall ein Grund zur Freude. Zu diesem Jubiläum möchte ich dem Bund der Vertriebenen und seinen Mitgliedern meine herzlichen Glückwünsche aus dem Kreis Groß-Gerau übermitteln. Mit meiner Teilnahme möchte ich zugleich meine Verbundenheit mit all jenen Menschen zum Ausdruck bringen, die einst als Vertriebene und Flüchtlinge natürlich auch in den Kreis Groß-Gerau gekommen sind uns hier eine neue Heimat gefunden haben. Ihre Charta war Ihnen dabei Mahnung und Auftrag zugleich," so Thomas Will in seinen Grußworten.

Anstelle der jährlichen Veranstaltung zum Tag der Heimat beging der Bund der Vertriebenen (BdV), Kreisverband Groß-Gerau, gemeinsam mit der Kreisgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft eine Gedenkfeier im Gernsheimer Europapark am Denkmal der Heimatvertriebenen. Die geplante traditionelle Veranstaltung in der Biebesheimer Kulturhalle war der Corona-Pandemie zum Opfer gefallen.

Helmut Brandl vom BdV-Kreisverband Groß-Gerau, konnte zu Beginn dieser Feierstunde, neben einer nur begrenzt zugelassenen Besucherzahl auch zahlreiche Ehrengäste im weiten Rund des Europarks begrüßen: Außer Stadtbürgermeister Peter Burger und CDU-Landtagabgeordneten Ines Claus mit Grußworten, war unter anderem auch CDU-Bundestagsabgeordneter Stefan Sauer sowie eine Abordnung der Egerländer Gmoi z´Kelsterbach und Vertreter aus BdV-Nachbarverbänden zur Gedenkfeier gekommen. Dabei überbrachte Claus die Grüße der Landesbeauftragten für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, und des hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier.

Die beiden Gernsheimer Pfarrer Clemens Wunderle von der katholischen Pfarrei St. Maria Magdalena und Claus Munstein von der evangelischen Kirchengemeinde hatten zum Todengedenken Fürbitten und Gebete gesprochen. Dabei gedachte man auch der rund 15 Millionen Deutschen, die infolge des Krieges aus ihrer Heimat vertrieben wurden und der zwei Millionen Menschen, die wegen eines übersteigerten Nationalismus den Tod fanden. Darüber hinaus wurden auch all jene Menschen einbezogen, die heute als Opfer kriegerischer Auseinandersetzung und vorgeblich religiös motivierter Kriege ihre Heimat verloren oder zu Tode kamen.

Hans Josef Becker vom BdV-Kreisverband Groß-Gerau ging in seinen Ausführungen noch einmal auf den Völker verständigenden Wert dieser Charta ein und zitierte aus Grußworten von Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und dem hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier. Danach gelte die Charta als das "Grundgesetz" der deutschen Heimatvertriebenen. In ihrem Kern enthalte sie einen Aufruf zum Verzicht auf Rache und Gewalt trotz des eigenen gerade erlittenen Unrechts und ein klares Bekenntnis zur Schaffung eines einigen Europas, zur Verständigung zwischen den Staaten, den Völkern und Volksgruppen. Sie sei zum Zeitpunkt ihrer Verabschiedung ihrer Zeit weit voraus und eine große moralische Leistung der Vertriebenen gewesen. Dass wir in Europa heute in Frieden leben, sei auch das Verdienst der Charta der Heimatvertriebenen, und das Ergebnis eines langen Weges von Annäherung, Verständigung und Versöhnung. Sensibilisiert für die Fragen des friedlichen Zusammenlebens seien die Heimatvertriebenen zu Brückenbauern zwischen Deutschland und seinen östlichen Nachbarn geworden.

Für die musikalische Gestaltung trugen Richard Fiedler (Flügelhorn) und die BdV-Musik- und Gesangsgruppe Biebesheim/Dornheim unter der Leitung von Rudolf Mohr mit einem Heimatlieder-Potpourri bei.