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Winnweiler Rundschau
Ausgabe 31/2020
Amtlicher Teil
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Nach Waldrundgang: Ortsgemeinderat beschließt BAT-Konzept und die Verlängerung des FE-Werkes

Ehemals mit Fichten bestandene Fläche am Ölberg.

Der Kaisermantel ist bevorzugt auf Waldlichtungen anzutreffen.

Auf seiner letzten Sitzung am 29.06.2020 hat der Gemeinderat Sippersfeld die Waldbewirtschaftung nach BAT-Konzept von Landesforsten und die Verlängerung des FE-Werkes beschlossen. Bereits im Januar hatte der Ausschuss für Wald, Natur und Umwelt die entsprechenden Beschlussvorlagen auf den Weg gebracht.

Vor der Ratssitzung fand am 27.06.2020 für interessierte Mitglieder des Gemeinderats und des Ausschusses ein sehr informativer Waldrundgang mit abschließendem „wilden Imbiss“ statt. Geplant und durchgeführt wurde er von Revierförster Dieter Gass. Dieser erklärte den Anwesenden die Begriffe „BAT-Konzept“ und „FE-Werk“ praxisbezogen. Außerdem konnten die Beteiligten sich ein Bild von den Auswirkungen des Klimawandels auf unseren Wald machen.

Klimawandel

In den vergangenen Trockensommern wurden mehrere Fichtenschläge vom Borkenkäfer befallen. Auf den Kahlflächen fanden mittlerweile verschiedene Pflanzaktionen statt. Es wurden unter anderem Esskastanien angepflanzt, weil man davon ausgeht, dass diese Art besser mit Trockenheit zurechtkommt. Momentan werden die Neuanpflanzungen von der Feuerwehr Sippersfeld in Form der Amtshilfe gewässert, damit die jungen Bäumchen anwachsen können. Außerdem wird darüber nachgedacht, einzelne Quadrate innerhalb der Neupflanzungen einzuzäunen. Hier muss noch eine Absprache mit den Jägern erfolgen. FWG-Gemeinderatsmitglied Dr. Markus Setzepfand erklärte am Standort „Ölberg“, dass die Käferflächen keinesfalls „tote“ Flächen seien. Schon nach kurzer Zeit breitet sich eine neue Flora aus, die auch eine eigene Fauna nach sich zieht. Natürlich verändert sich das wieder, je höher der Waldbewuchs wird. Aber dann gibt es bestimmt die nächste freie Fläche im Wald.

Forsteinrichtungswerk (FE-Werk)

Leider haben die große Anzahl von Käferbäumen und zuletzt auch die Corona-Pandemie den Holzmarkt sehr negativ beeinflusst. Und genau hier setzt das FE-Werk an: Mit diesem Instrument plant die Forstverwaltung den Holzeinschlag auf zehn Jahre. Bei der letzten Planung hatte unser damaliger und leider vor Kurzem verstorbener Revierförster Michael Ziegler nach allen Kräften für einen reduzierten Holzeinschlag gekämpft. Die vom Schreibtisch aus erstellten Zahlen konnte und wollte er nicht auf die Realität in unserem Wald übertragen. Wie sehr er Recht hatte, zeigt sich darin, dass der tatsächliche Holzeinschlag in den letzten zehn Jahren um ca. eineinhalb Jahresproduktionen hinter dem Möglichen liegt. Deshalb beschloss der Gemeinderat in seiner letzten Sitzung, für die nächsten fünf Jahre auf dieser Basis weiterzuarbeiten, das FE-Werk also zu verlängern. Die Ortsgemeinde hofft, dass alle Beteiligten somit auch Zeit gewinnen, weitere Erfahrungen mit dem Klimawandel zu sammeln. Außerdem besteht die begründete Hoffnung, dass bis dahin auch die offiziellen Stellen mit moderateren Holzeinschlägen kalkulieren werden und das dann ein zeitgemäßes Zahlenwerk erarbeitet werden kann, das auch dem Klimawandel Rechnung trägt.

BAT-Konzept

Die Abkürzung steht für "Biotopbäume, Altbäume und Totholz". Ziel ist es, besonders alte oder biologisch wertvolle Bäume zu erhalten. Sie sollen nicht als Einzelbäume, sondern in einer Gruppe von ca. 15 Bäumen gepflegt werden. Diese Bäume sollen auf natürliche Weise absterben und sich wieder zersetzen. Erst dann erfolgt eine neue Bewirtschaftung der Fläche. Auch bereits abgestorbene Bäume sollen stehen bleiben, damit z. B. Spechte ihre Bruthöhlen anlegen können. Hier finden sich aber die Grenzen in der Arbeits- und Verkehrssicherheit. In den letzten Jahren hat Revierförster Dieter Gass bereits nach dieser nachhaltigen Methode gearbeitet. Nun wurde sie offiziell vom Rat Ende Juni für den Gemeindewald Sippersfeld beschlossen. Nähere Informationen finden sich auf unserer Homepage

https://www.sippersfeld.de/infrastruktur/gemeindewald/.

Der Rundgang endete am Retzbergweiher mit einem „wilden Imbiss“, bei dem die Anwesenden mit leckeren Wildgerichten aus der Outdoor-Küche bewirtetet wurden. Die Ortsbürgermeisterin Martina Lummel-Deutschle bedankte sich am Ende bei allen Mitgliedern des Rats und des Ausschusses, dass sie sich an einem Samstagvormittag die Zeit genommen hatten, und bei Revierförster Dieter Gass für den sehr lehrreichen Waldrundgang. Da unser Sippersfelder Gemeindewald so vielfältige Waldbilder zu bieten hat und da das Thema „Waldwirtschaft“ sehr komplex ist, waren sich alle Anwesenden einig, den Rundgang im nächsten Jahr zu wiederholen. So kann sich jedes Rats- und Ausschussmitglied das nötige Hintergrundwissen zu den anstehenden Entscheidungen rund um den Gemeindewald praxisbezogen und im direkten Austausch mit unserem Experten verschaffen.

Markus Buhrmann, Beigeordneter