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Winnweiler Rundschau
Ausgabe 32/2018
Touristinformationen
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Falkensteiner Sommertour führt zum „Eisernen Mann“ auf den Imsbacher Beutelfels zur Beobachtung der Jahrhundert-Mondfinsternis

Himmelsgucker am Beutelfelsen

Tiefster Blutmond um 22.23 Uhr

Station der Wanderung, den sog. „Siebenohren“

„Blutmond“ hätte ruhig etwas blutiger sein können

„Mondfinsternis Total“ lautete der vielversprechende Titel der Wandertour, die Stefan Weber am vergangenen Freitagabend anbot. Just an dem Abend, an dem die längste totale Mondfinsternis dieses Jahrhunderts stattfand - ein Spektakel für Astronomen und Schaulustige. Die 30-köpfige Teilnehmerschar kam voll auf ihre Kosten - wobei es für den ein oder anderen etwas „blutiger“ hätte sein können.

„Es liegt eine tropische Nacht vor uns - da können wir sitzen bleiben bis morgen früh“ - schmunzelte Stefan Weber bei seiner Begrüßung in Anlehnung an die anhaltende große Hitze. „Hoffentlich erscheint der Mond schön blutrot und auch der Mars ist gut zu sehen“ führt er an.

Bei einer Mondfinsternis steht die Erde auf einer geraden Linie zwischen Sonne und Mond - der Vollmond taucht also in den Schatten ein, den die von der Sonne angestrahlte Erde ins Weltall wirft.

Und wieso „Blutmond“? Der Mond leuchtet dann blutrot weil das Sonnenlicht in der Atmosphäre so gebrochen wird, dass nur noch der rote Lichtanteil im Schattenkegel der Erde ankommt und den Mond somit rot leuchten lässt, weiß ein Teilnehmer zu berichten.

Schließlich setzt sich der Tross in Bewegung. Stefan Weber nahm jedoch nicht den direkten Weg zum Zielpunkt. Stationen der kleinen Wanderung waren neben Stellen von Eisenerzabbau im Falkensteiner Wald und den so genannten „Siebenohren“, auch das „Grohe Rondell“ und die Burgruine Hohenfels. Überall konnten die Teilnehmer etwas Wissenswertes erfahren.

Kurz vor 22 Uhr tauchte der markante Imsbacher Beutelfels in der Dämmerung auf. Das von der Sonne aufgewärmte Gestein lud förmlich zum Verweilen ein und die Sternenkundler suchten sich ein schönes Plätzchen unterhalb vom „Eisernen Mann“. Die 1930 errichtete Trompeter-Statue erinnert daran, dass von dem Fels einst ein Signal abgegeben wurde wenn Kaufleute auf der Handelsstraße auftauchten. Dann wurden sie von den Hohenfelser Raubrittern überfallen, erzählt man sich.

Eine bedächtige Atmosphäre herrschte vor. Leise Gespräche, kein Handygeklingel, Ruhe und Natur pur. Die Leute sind in freudiger Erwartung auf das was kommen mag. Fotoapparate werden gerichtet, einige haben Stative und Ferngläser dabei. Andere haben auf ihrem Smartphone gar eine Mond-App die anzeigt, wann es endlich losgeht.

Welches Dorf ist das? Und wo gehören diese Lichter dort hin? - hört man die Leute untereinander fragen und mit ausgestreckten Armen in die Richtung zeigen. Die vielen blinkenden Windräder, die schnellen Lichter auf der Autobahn, alles schaut im Dunkeln interessant aus.

Kurz nach 22 Uhr ist es soweit. Der Hauptdarsteller, sprich der Mond ist langsam zu erkennen. „Schade, es ist zu dunstig, hoffentlich sehen wir noch einen ordentlichen Blutmond“ hört man jemanden schon fast etwas traurig sagen. Ein Raunen geht durch die Menge als ein heller Punkt schräg unterhalb des Mondes zu sehen ist: der Mars.

Hobby-Astronom Eberhard Laebe aus Winnweiler zeigt sich zuversichtlich. Er hat ein Papier dabei auf dem die wichtigsten Daten der Mondfinsternis stehen. So wäre um exakt 22.23 Uhr die maximale totale Mondfinsternis. Seinem Enkel erklärt er weitere Himmelssterne, beispielsweise das so genannte Sommerdreieck mit seinen Sternen.

Der Dunst löst sich tatsächlich nach und nach auf und ein beeindruckendes Schauspiel ist zu sehen. Die Himmelsgucker sind zufrieden und es wird ordentlich gefachsimpelt und noch mehr fotografiert und gestaunt. Ein tolles Naturschauspiel in einer lauen Sommernacht. Da könnte man wirklich bis morgen früh sitzen bleiben.

Gegen 23 Uhr entschließt man sich dennoch zum Heimgang. Dank der mitgebrachten Taschenlampen war der Weg über Ruine Hohenfels und Kronenbuche in Richtung Falkenstein gut zu bewältigen.

„Ein schönes Spektakel und eine informative Wandertour“ bringt es ein Paar aus Nieder-Olm auf den Punkt. Sie hatten sich kurzfristig für die 60 Kilometer lange Anreise entschlossen und es keineswegs bereut. „Aber der ‘Blutmond‘ hätte ruhig etwas blutiger sein können“, hörte man ein Kind lachend zu seinem Vater sagen.

Auch das ist ein unverblümtes Fazit einer schönen Sommertour.

(Text und Fotos: Andreas Fischer)