In dieser Woche jährt sich der Einmarsch der Amerikaner in Göllheim und umliegender Gemeinden zum 80. mal.
Es ist wichtig diese Erinnerung aktuell zu halten und die nachfolgende Generation über diese schwierige Zeit zu informieren. Dieser Bericht ist nachlesbar in der Ausgabe "Gellemer G'schichte" Band 5. Herausgeber sind Dieter Chormann, Manfred Nachbauer und Johann Schaffer. Erhältlich ist die Broschüre in der Verbandsgemeindeverwaltung und bei Schreibwaren Euler.
Göllheim nach Ende des 2. Weltkrieges
Der Einmarsch der Amerikaner und das Kriegsende in Göllheim am 20. März 1945
von Jürgen Cronauer und Karl Scherer
Am 14. März 1945 begann mit der Operation „Undertone“ der Einmarsch der Amerikaner in die linksrheinischen Gebiete südlich der Mosel. Schnell waren wichtige pfälzische Städte von amerikanischen Truppen eingenommen worden. Am 20. März 1945 waren unter anderem Zweibrücken und Kaiserslautern besetzt. Bis zum 25.März 1945 hatten die alliierten Truppen das gesamte linksrheinische Gebiet zwischen Koblenz und Ludwigshafen in ihrer Gewalt. Hier flogen vom 14. bis 24.März 1945 die alliierten Jagdbomber 12.392 Einsätze – ein Inferno für die „Saarpfalz“.
Wie kann man sich das Leben in Göllheim in diesen Märztagen 1945 vorstellen? Die Gemeinde hatte 1.629 Einwohner. Zahlreiche Männer waren im Krieg, in Kriegsgefangenschaft oder gefallen. Ehefrauen, Kinder und Großeltern versuchten, mit der Landwirtschaft und dem noch vorhandenen Vieh die Familien „durchzubringen“. Durch Bombenangriffe waren im Ort mehrere Häuser, Straßen, öffentliche Einrichtungen, Strom- und Wasserleitungen zerstört, der Schulunterricht eingestellt worden. Einige Familien hatten in den Vormonaten Verwandte aus der West- oder Vorderpfalz aufgenommen, die evakuiert oder deren Häuser stark beschädigt worden waren. Auch in Göllheim lebte man unter ständiger Angst vor Bombenangriffen und in dauernder Ungewissheit über die Zukunft auf engstem Raum in heute unvorstellbar einfachsten Verhältnissen und hatte kaum das Nötigste zum Leben.
Der 20. März 1945 (ein Dienstag) war in jeder Beziehung ein heißer Tag. Die Bevölkerung durchlebte ein Wechselbad der Gefühle. Man wusste nicht, wie man mit der Situation umgehen sollte, wenn die Amerikaner plötzlich in den Ort einmarschierten, die entlang der Kaiserstraße bereits Standenbühl und Dreisen eingenommen hatten. Auf ihrem auf breiter Front angelegten Vormarsch von Kaiserslautern zur Rheinebene würde Göllheim eine der nächsten Stationen sein.
Friedel Fuchs, damals 16 Jahre alt, war am Morgen mit seinem Vater auf den Wingertsberg gegangen, um von dort aus zu beobachten, wie die US-Panzer von Standenbühl nach Dreisen rollten. Ein Nachbar von Ludwig Stabel, war mit dem Motorrad Richtung Dreisen gefahren, um zu sehen, ob und wann die Amerikaner nach Göllheim anrücken würden. Da die US-Streitkräfte von Kaiserslautern möglichst schnell an den Rhein vordringen sollten, war klar, dass sie von Dreisen aus unmittelbar Göllheim einnehmen würden.
Vor dem Einmarsch der Amerikaner, sprengten deutsche Einheiten die Eisenbahnbrücke bei Marnheim, um das weitere Vordringen des Gegners zu verhindern, denn tags zuvor hatte Adolf Hitler noch den Befehl erteilt, alle Gebiete, die vom deutschen Heer aufgegeben werden mussten, insbesondere alle Industrie- und Versorgungsanlagen, die den Feinden nützlich sein konnten, zu zerstören. Außerdem sollten die Einwohner umgehend evakuiert werden. Doch diese Befehle wurden nicht mehr ausgeführt.
Eisenbahnbrücke bei Marnheim vor der Sprengung
In Göllheim stand man vor der Frage, ob man die Panzersperren schließen sollte. Es war bekannt, dass die Amerikaner örtlichen Widerstand mit brutaler Gewalt brachen.
An drei Einfahrtsstraßen waren Panzersperren vorbereitet worden: In der Hauptstraße, am evangelischen Pfarrhaus, in der Steigstraße, beim Anwesen Trump und in der Hauptstraße, an der Einmündung Brübelgasse, zwischen den Anwesen Böhmer und Fritz Dilg.
Hier hatte man auf beiden Seiten der Straße dicke Baumstämme dicht nebeneinander fest im Boden verankert. Für den Ernstfall waren massive Eisenstangen bereitgelegt, mit denen die vorhandene Öffnung im Bollwerk geschlossen werden konnte.
Einige Göllheimer wollten den Amerikanern Widerstand leisten und ihnen an der Hauptstraße/Brübelgasse die Zufahrt in den Ort mit der Panzersperre erschweren. Zu ihnen zählten auch Bürger, die den Auftrag hatten, die Panzersperre zu schließen. Mutige stemmten sich dagegen, um eine Eskalation zu verhindern. Ludwig Stabel beobachtete damals, wie sein Nachbar, der Feuerwehrkommandant Johannes Bertram, auf einer Trage nach Hause gebracht wurde. Er hatte sich dafür eingesetzt, die Panzersperren nicht zu schließen, und war von NS-Fanatikern zusammengeschlagen worden. Schließlich setzte sich die Vernunft durch, und die Panzersperren wurden nicht geschlossen.
Um 10.55 Uhr erreichten die ersten US-Kampfgruppen Göllheim. Aus westlicher Richtung, von Dreisen herkommend, fuhren Panzer und Militär-Konvois in den Ort. An vielen Häusern hingen weiße Fahnen. Dennoch blieben die amerikanischen Soldaten vorsichtig, weil sie noch immer mit Angriffen deutscher Soldaten oder linientreuen kampfbereiten Einwohnern rechneten.
Die meisten Bürger saßen in ihren Kellern - aus Angst vor Geschossen und Schießereien. Die achtjährige Rosel Saas hatte sich mit zahlreichen Kindern, ihren Großeltern und anderen Erwachsenen ebenfalls in einem Keller versteckt. Unter ihnen waren auch zwei deutsche Soldaten. Als die Amerikaner das Versteck entdeckten, wurde es „brenzlig“. Doch die beiden deutschen Soldaten ergaben sich sofort und wurden abgeführt. Die amerikanischen Soldaten griffen sich Rosel und nahmen sie mit. Beim Durchsuchen des Hauses schoben sie das Mädchen als Schutzschild vor sich her. Jedes Zimmer musste sie als Erste betreten.
Göllheim füllte sich rasch mit Panzern, Jeeps und ihren Besatzungen. In der Hauptstraße sammelten sich die Fahrzeuge. Manche Bürger trauten sich auf die Straße und näherten sich neugierig dem Konvoi, um zu sehen, was „weiter passierte“.
Armin Saas, (Jahrgang 1937) wusste noch, wie die Amerikaner den ganzen Acker neben seinem Elternhaus mit Panzern belegten, deren Ketten den Boden verwüsteten und auch einen Baum umknickten. Seine Mutter hatte gerade für die Familie eine große Menge Spinat, Kartoffeln und Spiegeleier gekocht. Angelockt vom Duft drangen amerikanische Soldaten in die Küche ein, nahmen einfach alle Töpfe vom Herd und aßen draußen alles auf. Einer von ihnen brachte dann die leeren Töpfe wieder herein und meinte: „Madam, gut Koch!“.
Otto Stüber (Jahrgang 1941) sah an diesem Tag, wie viele Kinder in Göllheim, zum ersten Mal einen „schwarzen Mann“. Als Gegenleistung für einen Apfel schenkte dieser der Familie ein Stück Schokolade.
Besonders hart traf es Luise Krauß in der Hauptstraße 28; Sie musste ihr Haus räumen. Soldaten zogen in ihre Wohnung ein, entwendeten sämtliche Ersparnisse von 700 Reichsmark, den Ehering ihres Mannes, eine Armbanduhr und eine goldene Brosche. Am gleichen Tag, kurz vor dem Eindringen der Amerikaner, hatte sie die Nachricht erhalten, dass ihr Mann Johann im Krieg gefallen war. So stand die Frau mit ihrem kleinen Kind plötzlich ohne Mann und völlig mittellos da.
Nachdem Göllheim eingenommen worden war, stand eine große Fahrzeugkolonne einige Stunden lang im Ort. Ein Teil zog dann in Richtung Biedesheim weiter, ein anderer blieb jedoch in Göllheim. In der Gegend des heutigen Netto- und Wasgau-Marktes begannen die Truppen, Rot-Kreuz-Zelte aufzubauen und einen Stützpunkt und ein Lazarett einzurichten. Daher wurde die Hauptstraße ständig mit Panzern und Militärfahrzeugen befahren.
Als der Abend nahte, bemühten sich die Bürger, möglichst früh ihre Häuser „dicht zu machen“. Man hoffte und bangte, dass die Nacht schnell vorübergehen und keine unangenehmen Besucher in die Wohnungen eindringen würden.
In Göllheim war der Krieg nun zu Ende. Fliegerangriffe waren nicht mehr zu befürchten. Dennoch blieb die Sorge um die Angehörigen, die sich dort befanden, wo der Krieg noch weiterging.
Es blieb die Ungewissheit, was der nächste Morgen bringen würde; keinesfalls herrschte ein Gefühl vollständiger Befreiung, im Gegenteil; auch die Mehrheit der Göllheimer fühlte sich zunächst als Besiegte und empfand das Geschehen als „traumatisches Ereignis“ (Dr. Gerhard Schreiber, Jahrgang 1932)
Einige Familien mussten ihre Häuser räumen bzw. amerikanische Soldaten aufnehmen.
Am 25. Juni 1945 wurde die gesamte Einwohnerschaft, wie zahlreiche ältere Bürger sich noch heute erinnern, auf die „Schindwiese“ neben dem ehemaligen Forsthaus befohlen. Nur Bettlägerige durften zu Hause bleiben. Anschließend wurde Haus um Haus durchsucht. Es ist ein Verzeichnis der Personen vorhanden, denen dabei Dinge entwendet wurden.