Fünf Jahre nach dem ersten Arbeitskampf der Lambrechter Textilarbeiter im Jahre 1859 gründeten am 15. Oktober 1864 zwölf Tuchweber und Textilarbeiter der Fabrik Kölsch und Hellmann einen Verein „zum Zwecke billiger Anschaffung von Konsumationsgegenständen". Im Spätherbst 1871 wurde auch in Lambrecht ein Arbeiterbildungsverein gegründet. Leider konnten die Satzungen dieses Vereins nicht über die Zeit gerettet werden. Allerdings ist bekannt, dass er sich Zeitungen hielt, die unter den Mitgliedern von Hand zu Hand gingen und eifrig gelesen wurden. Eine kleine Bücherei wurde ebenfalls eingerichtet. Dieser Arbeiterbildungsverein umfasste zunächst alle Schichten der Bevölkerung. Als aber politische Themen angeschnitten wurden, kam es zu Austritten. Im Spätjahr 1871 wurde dann der Genossenschaftsgedanke in Lambrecht erneut aufgegriffen – der 1864 gegründete Konsumverein war nur von kurzer Dauer gewesen – und man änderte den Namen in „Konsum- und Arbeiterbildungsverein". In der nachfolgenden Zeit stand allerdings nur der Konsumverein im Mittelpunkt. Dort lag auch die Zeitung der Sozialdemokratie, der „Vorwärts“ aus.
Auszug Broschüre „Anfänge gewerkschaftlicher Organisierung im Lambrechter Tal“ (WD)