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Talpost
Ausgabe 12/2021
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Kriminalität im Tal bereitet Sorgen

Straftaten 2020 in der Verbandsgemeinde Lambrecht um mehr als ein Viertel gestiegen

Größere polizeiliche Maßnahmen mit Durchsuchungen und vermehrte Meldungen zu Betäubungsmittel-Verstößen in letzter Zeit ließen erahnen, dass die „Welt im Tal nicht mehr in Ordnung“ ist. Die polizeiliche Kriminalstatistik belegte nun eindrucksvoll die Vermutung: Die Straftaten im Jahr 2020 erhöhten sich in der Verbandsgemeinde Lambrecht um genau 184 Fälle von 664 Straftaten im Jahr 2019 auf 848 Straftaten im Jahre 2020. Immerhin erhöhte sich die Aufklärungsquote von 77 auf 81,7 Prozent und konnte somit auf hohem Niveau gesteigert werden.

Allein die Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit wie gefährliche Körperverletzung, Bedrohung oder Nötigung sind um 35 Fälle auf 164 Fälle angewachsen, fast beruhigend ist dagegen festgestellt worden, dass mit einer Aufklärungsquote von 97 Prozent fast jedes Delikt aufgeklärt wurde. Die höchste Steigerung um mehr als das Doppelte von 106 auf 235 Fälle stellen die Straftaten der „Strafrechtlichen Nebengesetze“, wie Betäubungsmittel-Verstöße von Jugendlichen und Heranwachsenden sowie Straftaten gegen das Waffengesetz dar. Aber auch die „sonstigen Straftatbestände“ wie Sachbeschädigung, Beleidigungen oder Hausfriedensbruch erhöhten sich im Tal von 161 auf 197 Fälle. Fast gleich mit 73 gegenüber 74 Fällen blieben die „normalen“ Diebstähle. Die Diebstähle unter erschwerenden Umständen nach Einbrüchen reduzierten sich von 43 auf 29 Fälle.

„Die hohe Zahl der Straftaten im Tal bereitet der Polizei Sorge“ sagte EPHK Helmut Landwich gegenüber der Talpost. Er gab aber zu bedenken, dass die Drogendelikte und die Verstöße gegen das Waffengesetz zu 91,1 Prozent aufgeklärt werden konnten. Mehrfache Intensivtäter im Bereich der Rauschgiftkriminalität konnten nach Durchsuchungen auch festgenommen werden. Die entsprechenden Strafverfahren werden momentan vor dem Landgericht verhandelt.

Während in der Verbandsgemeinde Lambrecht die Zahlen der Straftaten drastisch angestiegen sind, waren diese in Neustadt rückläufig, wo die Gesamtstraftaten sich um 127 Fälle reduzierten bei einer hohen Aufklärungsquote. Der Wohnungseinbruchsdiebstahl ging um 13 Fälle auf 50 Einbrüche einschließlich der Einbruchsversuche zurück. Sowohl die Polizeiinspektion als auch die Kriminalinspektion Neustadt wiesen auf die bedenklich angestiegene Gewalt gegen Polizeibeamte hin, denn diese Gewalttaten stiegen um 41 Prozent auf 85 Delikte, die Zahl der verletzten Polizeibeamte/-innen stieg von 10 auf 15.

Über 2000 Tatverdächtige

Die gemeinsame Kriminalstatistik für die Stadt Neustadt und die Verbandsgemeinde Lambrecht zeigt auf, dass im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Neustadt 2.066 Tatverdächtige identifiziert wurden, davon waren 530 (25,6 Prozent) Nichtdeutsche. Im vergangenen Jahr wurden 714 Straftaten durch nichtdeutsche Tatverdächtige verübt (Vorjahr 627). In 227 dieser 714 Fälle wurden die Taten durch Zuwanderer begangen, was einem Anstieg von 17,6 Prozent entspricht.

In 85 Fällen wurde Gewalt gegen Polizeibeamte ausgeübt, der absolut höchste Stand in der Fünf-Jahres-Betrachtung. 15 Beamte verletzten sich durch den Widerstand der Beschuldigten, indem sie Biss-, Schürf- und Kratzwunden erlitten. Ein Beamter war infolge einer Verletzung zwei Wochen dienstunfähig erkrankt. In 53 Fällen wurden die Beamten beleidigt. In 24 Fällen musste Widerstand durch körperliche Gewalt gebrochen werden, viermal wurde Pfefferspray eingesetzt, einmal musste der Diensthund eingesetzt werden, in jedem dritten Fall standen Täter unter Alkohol- und in sieben Fällen unter Drogeneinfluss.

Im Jahr 2020 ereigneten sich 215 Fälle von Gewalt in engen sozialen Beziehungen im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion und Kriminalinspektion Neustadt, die höchste Fallzahl in den letzten fünf Jahren. Der Anteil der männlichen Tatverdächtigen betrug 77 Prozent, wobei der 23prozentige Anteil weiblicher Tatverdächtiger oft aus wechselseitig begangenen Körperverletzungsdelikten resultiert.

Insgesamt gesehen ist Neustadt zusammen mit der Verbandsgemeinde Lambrecht im Vergleich zu den vorderpfälzischen Mittel- und Oberzentren erneut die „sicherste Stadt“ in der Vorderpfalz. Auf 100.000 Einwohner hochgerechnet lebt man in Neustadt und dem Tal sicherer als in Landau, Speyer oder Ludwigshafen.