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Talpost Lambrecht
Ausgabe 13/2026
Stadt Lambrecht (Pfalz)
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PWV Planwanderung zum Lambrechter Naturfreundehaus im Kohlbachtal

Auf schmalem Pfad zum großen Kanzelfelsen

Lambrecht. (WK) Die erste Planwanderung im Frühling führte den PWV Lambrecht am vergangenen Sonntag zum Lambrechter Naturfreundehaus im Kohlbachtal. Der Wanderführer hatte sich eine neue Route, auf stillen und selten begangenen Wegen ausgedacht. So machten sich 12 Lambrechter Pfälzerwäldler und erfreulicherweise drei mitwandernte Gäste vom Parkplatz beim Helmbachweiher auf den „Mantel-Weg“. Ca. 500 Meter folgte man der PWV-Markierung weiß-blau zum Ritterstein „ZUM GROSSEN KANZELFELSEN 330 Schr.“.

Hier bog man links ab auf einen schmalen Pfad. Der steile Anstieg brachte die Wandergruppe tatsächlich aber erst nach etwa 390 Schritten - „Wanderführer-Schritte“ mit Schuhgröße 47 - zum „Großen Kanzelfelsen“. Der Kanzelfelsen besteht aus einem mächtigen Buntsandstein-Felsblock. Laut Beschreibung im Büchlein „Rittersteine im Pfälzerwald“ von Walter Eitelmann, wo der Ritterstein als Nummer 103 aufgeführt ist, misst die halboffene Höhle bei „Mannshöhe“ etwa 10 Meter in der Länge und 4 Meter in der Tiefe. Gegenüber der „Halbhöhle“ befindet sich ein weiterer mächtiger „Felsklotz“ von ca. 15 Meter Länge und zwei Meter Höhe. Der Bevölkerung der Gegend diente der Kanzelfelsen zu Kriegszeiten als Unterschlupf.

Entlang der Waldgrenze von Venningen, Rhodt, Edenkoben und Hainfeld zum Ritterstein „Boll“

Nach weiteren 100 Schritten bergauf ist die Wanderschar auf dem Wanderweg über dem Kanzelfelsen angelangt. Hier ging es nun erst einmal „pfälzerwaldeben“ (also leicht ansteigend) dahin, bevor nach einer etwas größeren Steigung der Bergrücken „Kurzes Eck“ erklommen wurde. Ab hier folgte man auf der Anhöhe dem Grenzverlauf der Waldungen von Venningen, Rhodt unter Rietburg, Edenkoben und Hainfeld zum Ritterstein „Boll“. Die „Boll“ im Rittersteinbuch als Nummer 83 aufgelistet, ist ein großer Felsen mit Grenzzeichen und einer runden kugelförmigen Vertiefung. Laut dem Pfälzer Heimatforscher Prof. Daniel Häberle (1864-1934) sollen diese Gebilde Verwitterungserscheinungen im Buntsandstein sein. Als „Boll“ wurden im Volksmund runde Bergköpfe oder muldenartige Tiefschüsseln bezeichnet. In der Pfalz werden auch große Schöpflöffel als „Boll“ beschrieben (Eitelmann, Rittersteine im Pfälzerwald).

Zur Einkehr im Lambrechter Naturfreundehaus

Nach einer Rast an der Sitzgruppe bei der „Boll“ führte der Weiterweg die Pfälzerwäldler leicht bergab und immer geradewegs entlang auf dem Fahrweg – linksseitig, oberhalb des Bollerbach. Nach einer 180 Grad rechts Kehrschleife bei der Waldbezeichnung „Im Loch“, ging es schnurstracks hinunter zum Lambrechter Naturfreundehaus.Auch hier beim Naturfreundehaus, wo sich Schlotterbach und Bollerbach treffen steht ein Ritterstein der den Namen „Venninger Turm“ trägt (Nr.87 im Rittersteinbuch). Nach dessen Begutachtung ging es dann hinein in die „gute Stube“ der Naturfreunde. Wie immer wurden in dem von Martina und Thomas Bundenthal, samt ihrem Team, bewirtschafteten Naturfreundehaus, alle hungrigen „Münder“ rundum satt.

Rückweg iwwer de Buckel und noch ein Ritterstein

Nach einem schönen und kurzweiligen Aufenthalt machte man sich dann iwwer de Buckel hinaus zum Parkplatz beim Helmbachweiher. Unterwegs stattete man noch einem weiteren, in diesem Gebiet stehenden, Ritterstein einen Besuch ab. Direkt am Fahrweg zum Naturfreundehaus, am dem kleinen Waldweiher, steht der Ritterstein „Kohlbrunnen“, die Nummer 99 im Rittersteinbuch. Am Helmbachweiher angekommen hatten ein paar Damen immer noch nicht genug, sodass man sich am Ufer auf den Sitzbänken nieder lies und noch den restlichen Rucksackinhalt vertilgte. Danach am Parkplatz nun aber angekommen, trat man nach einem sehr schönen Frühlingswandertag dann doch noch die Heimfahrt an.

Wie kamen, die über das gesamte Gebiet des Pfälzerwaldes verteilten „Rittersteine“ überhaupt zu ihrem Namen? Die durch den Pfälzerwald Verein installierten „Rittersteine“ verdanken ihre Existenz im Wesentlichen zwei verdienten Pfälzerwäldler der ersten Stunde. Zu einem Heimatforscher Prof. Daniel Häberle und zum anderen Reg.-Dir. Karl Albrecht von Ritter (1836-1917). Karl Albrecht von Ritter war Gründungsmitglied des Pfälzerwald Vereins im Jahre 1902 und dessen Vorsitzender bis zum Jahr 1912. Am 22. Januar 1912 wurde bei der Hauptversammlung in Kirchheimbolanden beschlossen, in Anbetracht der Verdienste, die sich Herr von Ritter um den Pfälzerwald Verein erworben hatte, diese nach ihm zu benennen, also „Rittersteine“. Diese markanten Sandstein-Markierungen weisen auf bemerkenswerte Stellen, historische Orte, Aussichtspunkte oder forstwirtschaftliche Besonderheiten hin. Bisher gibt es davon etwas mehr als 300 Stück im Pfälzerwald. Einer der bisher letzten aufgestellten „Rittersteine“, die Nummer 305 im „Rittersteinebuch“, ist der durch die Ortsgruppe Lambrecht aufgestellte, mit dem außergewöhnlichen Namen „Lellebebbel-Pädel“. Er steht am Wanderweg - PWV-Markierung gelbes Kreuz - von Lambrecht zum Lambertskreuz, am Beginn vom „Lellebebbelpädel“.

Wer mehr über die Rittersteine im Pfälzerwald erfahren möchte, dem sei das Buch „Rittersteine im Pfälzerwald“ von Walter Eitelmann ans Herz gelegt. Im dem Buch findet man zu jedem Ritterstein nähere Erläuterungen über die Bedeutung der Inschriften, denn genauen Standort mit Beschreibung der Umgebung. Außerdem findet man im Anhang des Buches 59 Wandervorschläge zu den Rittersteinen, die von Ernst Kimmel, einem ehemaligen „Lambrechter“, ausgearbeitet wurden. Das Buch kann man über den Pfälzerwald Verein Ortsgruppe Neustadt erwerben, https://www.pwv-neustadt.de/.