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Talpost
Ausgabe 18/2020
Stadt Lambrecht (Pfalz)
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Ehepaar von Sammlerleidenschaft gepackt

Die Leidenschaft für das Sammeln großer und kleiner Uhren hat Mario Martignoni erfasst. Insgesamt 1700 Uhren werden in Schubladen und Schränken aufbewahrt oder erfreuen auch an den Wänden die Besucher.

Besonders stolz ist der Uhrensammler auf diese Lernuhr „Tick-Tack“ mit einem Begleitschreiben der Baronin Marie von Ebner Eschenbach aus der Zeit um 1900.

Bei der Winterolympiade 1936 in Garmisch-Partenkirchen wurden die Zeiten der Ski-Rennfahrer noch mit Hand-Stoppuhren gemessen. Eine davon zeigt hier Mario Martignoni.

Zum Museum gehört auch eine große Sammlung Küchenmühlen aus längst vergangenen Zeiten.

Blick in eine Küche von „anno dazumal“, ebenfalls im Museum von Mario und Beatrix Martignoni zu bestaunen.

Mario und Beatrix Martignoni beherbergen in ihrem Haus in Lambrecht historische Schätze und lassen Interessenten gerne daran teilhaben

(se) Das Ergebnis einer lebenslangen Sammlerleidenschaft beherbergen Mario Martignoni und Frau Beatrix in ihrem Haus mit Nebengebäuden in der Lambrechter Wiesenstraße 34 A, das sie vor einigen Jahren erwarben. Der gebürtige Schweizer vom Vierwaldstätter See und seine Frau mit Lambrechter und Pfälzer Wurzeln hatten sich in ihrer Wahlheimat, dem Zugspitzdorf Grainau angesiedelt, doch das Heimweh seiner Frau in die Pfalz war so stark, dass beide ihren Alterssitz nach Lambrecht verlegten. Beatrix Martignoni hat Verwandte in Lambrecht, der Großvater war Karl Rauch, Verfasser des Sommertags-Festspiels und Namensgeber der Karl-Rauch-Siedlung im Dörrental.

Das Ehepaar fühlt sich in Lambrecht wohl und gut aufgenommen und öffnet gerne seine „Schatztruhe“, um Interessenten das Ergebnis einer großen Sammlerleidenschaft zu präsentieren. Gerne heißen beide auch Schulklassen in ihrem kleinen Museum willkommen, denn Frau Beatrix betreut eine ausgefallene Puppensammlung (worüber zu einem späteren Zeitpunkt berichtet wird) und bietet Einblick in einstige Küchen- und Wohnräume, als in den Haushalten noch Handarbeit notwendig war ohne Computer-Unterstützung. „Wir fühlen uns in Lambrecht sehr wohl und als kleinen Dank, dass wir hier leben können, präsentieren wir gerne unser kleines Museum“ sagte Mario Martignoni gegenüber der Talpost.

Das Ehepaar ergänzt sich in seiner Sammlerleidenschaft, das Hauptaugenmerk des 73jährigen Mario Martignoni liegt jedoch im Sammeln von Uhren von der kleinsten Armbanduhr bis zur großen Standuhr, in der Summe sind es 1700 Uhren, die in Schränken und Schubladen fein säuberlich verwahrt werden oder auch an den Wänden der zahlreichen Räume hängen. Dabei kommt es ihm nicht darauf an, besonders wertvolle Uhren als Kapitalanlage zu sammeln vielmehr erfreut er sich an der Vielfalt seiner Uhren. Über jede seiner Uhren kann er eine Geschichte erzählen, begonnen hat die Leidenschaft zu Uhren, als er als 14jähriger zur Konfirmation eine Junghans-Armbanduhr geschenkt bekam, die jedoch nach drei Stunden defekt war. Er öffnete das Uhrwerk, war von der Technik begeistert, erarbeitete sich Kenntnisse und reparierte die Uhr eigenhändig. Der Grundstein einer lebenslangen Uhren- und Sammler-Leidenschaft war gelegt.

Rat und Hilfe bei Uhrenreparaturen

Im Laufe der Jahre wuchs mit dem Umfang der Sammlung das Spezialwissen des Sammlers, was sich nicht nur auf die richtige Pflege der Uhren bezog, sondern er eignete sich im Laufe der Zeit umfangreiche Kenntnisse auf dem Gebiet der Restaurierung an und konnte beschädigte Uhren selbst wieder in Gang setzen. Der Ruf des „Uhrendoktors“ verbreitete sich im Raum Garmisch-Partenkirchen und Grainau schnell und sein Rat und seine Hilfe bei Uhrenreparaturen war gefragt, selbst bekannte Industriemäzene oder Sportler wie Christian Neureuther holten sich bei ihm Rat und Hilfe im Gangbarmachen historischer Sammleruhren. Viele Uhren bei Haushaltsauflösungen blieb der Weg in den Container verschont, man wusste um die Sammlerleidenschaft von Mario und manches Schätzchen wanderte als Spende in seine Sammlung.

Das Ziel seiner Sammlung ist es, die mechanischen Uhren in großer Zahl der Nachwelt zu erhalten, gleichzeitig stellt er sich gegen die momentane Wegwerfgesellschaft. Meist ist alles zu reparieren und so wagt er jede Reparatur nach seinem Motto „probieren und keine Angst vor neuen Aufgaben haben“. Im Zweifelsfall kann man fragen und sich mit anderen Uhrenenthusiasten austauschen. Fundquellen der Uhren sind oft Auktionen, ebenso natürlich auch Flohmärkte und zunehmend auch Online-Angebote. Das Internet hat auch für Mario Martignoni besondere Bedeutung, denn so kann er sich schnell weltweit mit anderen Sammlern austauschen und auch nach Ersatzteilen umschauen.

Seine Hilfe ist auch bei Kirchturmuhren gefragt. So konnte er den Pfarrer der katholischen Kirche in Grainau davon überzeugen, dass die wegen „Altersschwäche“ durch eine elektrische Uhr ersetzte alte mechanische Kirchturmuhr nicht verschrottet wird. Er nahm sich dem „Schätzchen“ an, setzte es wieder in Gang und heute steht die mechanische Kirchturmuhr in einem Kirchenraum und viele Besucher bestaunen das technische Meisterwerk. Besonders die Jugend zeigt sich von der Funktion der ineinander greifenden Zahnräder beeindruckt. Durch diese Aktion wird das Wissen um eine dominierende Technik erhalten und weitergegeben.

Die Uhrensammlung von Mario Martignoni wird ergänzt durch antike Küchen- und Wohnräume, samt dem passenden Inventar aus vergangenen Zeiten in einem gemütlich gestalteten und von Blumen bestimmten Umfeld, das die Handschrift seiner Frau Beatrix erkennen lässt.