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Talpost
Ausgabe 18/2021
Stadt Lambrecht (Pfalz)
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Steinerne Dokumente des Lambrechter Stadtwaldes

Ihre Dokumentation „Lambrechter Grenzsteine“ übergaben die Autoren an die Stadt Lambrecht. Von links Stadtbürgermeister Karl-Günter Müller, Wolfgang Mildner und Walter Klein.

Zahlreiche historisch wertvolle Lambrechter Grenzsteine wurden in ehrenamtlicher Arbeit erfasst, fotografiert und katalogisiert.

Grenzsteine entlang der Gemarkungsgrenze gesichtet und der Nachwelt erhalten

(ve) Dieser Tage stellten Wolfgang Mildner (Naturfreunde Lambrecht) und Walter Klein (Pfälzerwald-Verein Lambrecht) Stadtbürgermeister Karl-Günter Müller einen Ausdruck ihrer digital erarbeiteten Dokumentation „Grenzsteine von Lambrecht“ – die Gemarkungsgrenzsteine des Lambrechter Stadtwaldes“ vor. Es handelt sich dabei um ein 74 Seiten starkes DIN A 4 großes Werk, das sämtliche noch vorhandenen Grenzzeichen – Bodenplatten und aufgestellte Steine – umfasst. Die Grenzsteine folgen nicht nur der heutigen äußeren Gemarkungsgrenze des rund 600 Hektar großen Lambrechter Stadtwaldes zum Stadtwald Neustadt, zum Deidesheimer Wald, zum früheren Lachen-Speyerdorfer Wald und zum Staatswald, es sind auch die früheren und teils noch erhaltenen Grenzzeichen des Klosterwaldes, des einstigen Grevenhausener Waldes und des einst Deidesheimer Hinterwaldes erfasst.

Um diese Mammutaufgabe zu bewältigen, nutzten die beiden sich im Rentenalter befindlichen Naturkundler die Vorarbeit von Ernst Kimmel, einem ehemaligen Lambrechter, der sich mit Freunden intensiv mit der Gemarkungsgrenze des ehemaligen Klosterwaldes und jetzigen Stadtwaldes beschäftigt hatte. Er durchwanderte jahrelang den Pfälzerwald auf der Suche nach Grenzsteinen und Bodenplatten, seine Frau Erika half bei der Dokumentation. Als er krankheitsbedingt seine Arbeit beenden musste, übergab er dick gefüllte Ordner mit Aufzeichnungen der Stadt Lambrecht.

Wolfgang Mildner und Walter Klein folgten nun den gemachten Aufzeichnungen von Ernst Kimmel und seinen Unterstützern, fügten den Bodenplatten und Grenzsteinen UTM-Koordinaten zu und erweiterten die Suche nach weiteren Steinen auf den betreffenden Grenzlinien. Dabei waren sie oft kreuz und quer im Wald unterwegs und mussten sich über steile Passagen hocharbeiten und scheuten weder Gestrüpp noch Felsabstürze.

Die entstandene Broschüre gliedert die Grenzverläufe im Osten zum Schauerberg bis Kaisergarten und weiter bis Iptestal, dann zum Eichelberg und Kreuzberg. Abgegangen und nach Grenzsteinen gesucht wurde entlang des Klosterwaldes von 977 und des Waldbesitzes ab 1805. Die Auflistung erläutert Wegeempfehlungen zu den Grenzsteinen mit entsprechender Markierung und beinhaltet auch die neu ausgeschilderten Themenwege. In die Aufarbeitung der steinernen Grenzen einbezogen sind auch die Steinmarkierungen der Feldfluren von Häuselgarten, Fodenseng, Bohnenäckern, Sommerberg, Luhrbach, Bergstraße und Fuchsenäcker.

Reiche Geschichte der Nachwelt erhalten

Stadtbürgermeister Karl-Günter Müller zeigte sich hoch erfreut über das Engagement der beiden Lambrechter, die in ihrer Freizeit Großes geleistet hatten und durch ihre Dokumentation die reiche Geschichte der Stadt der Nachwelt erhalten haben. Er regte dazu an, nach Ende der Pandemie, zusammen mit der Volkshochschule mit interessierten Bürgern den Wegen der früheren Grenzsteine zu folgen. Er könne sich auch vorstellen, die Ausarbeitung in gedruckter Form aufzulegen, digital kann über die Ortsgruppen von Pfälzerwald-Verein und Naturfreunde das Werk eingesehen werden.

Die beiden engagierten Naturkundler baten den Forst, beim Einschlagen von Bäumen Rücksicht auf die Grenzsteine zu nehmen, gleichfalls sollten Wanderer einen Blick auf die „steinernen Zeugen“ werfen und sich ihrer einstigen Bedeutung erinnern. Es wurden auch einige umgestürzte oder schief liegende Grenzsteine vorgefunden, die es verdient hätten, wieder aufgerichtet zu werden.