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Talpost Lambrecht
Ausgabe 18/2026
Stadt Lambrecht (Pfalz)
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Der Pfälzerwald Verein Lambrecht zu Besuch im „Webermuseum“

Die Tuchmachergeschichte des Lambrechter Tales hautnah erlebt

Lambrecht. (Walter Klein) Mit je einer Gruppe von jeweils 12 Personen besuchte der PWV Lambrecht, an den zwei zurückliegenden Donnerstagen, das „Webermuseum“ von Gerald Lehmann in Lindenberg.

Gerald Lehmann der seine „Wurzeln“ in Lambrecht hat, aber in Lindenberg sesshaft geworden ist, beschäftigt sich schon seit Jahrzehnten als „Heimatforscher“ mit der Lambrechter Geschichte und darüber hinaus. Dazu hat er auch schon etliche Abhandlungen - Heimathefte - veröffentlich. So zum Beispiel über das Lambrechter Sommertagsfest, die Lambrechter Brunnen und Quellen, die Aussichtstürme im Pfälzerwald und über den Speyerbach von der Quelle bis zum Rhein. Besonders hat ihn aber schon immer die Historie der „Tuchmacherei“ interessiert. Seit dem Jahr 1977, zur Tausendjahrfeier von Lambrecht, ging er mit dem Gedanken schwanger ein Webermuseum entstehen zu lassen. Im Jahr 2018 war es dann endlich soweit. In seinem Privathaus hat er sein Herzensprojekt in die Tat umgesetzt und sein eigenes Webermuseum eingerichtet und betreibt es seitdem mit sehr viel Engagement. Viele Exponate dazu haben sich in den Jahren angesammelt und werden dort der interessierten Öffentlichkeit präsentiert. Außerdem war Gerald Lehmann jahrelang erster Vorsitzender des Lambrechter Verkehrsverein.

Begrüßung und kurze geschichtliche Unterweisung in die alte Tradition der Tuchmacherei im Tal und im Besonderen von Lambrecht Gerald Lehmann begrüßte die beiden Gruppen jeweils ganz herzlich in seinem schmucken und liebevoll eingerichteten Webermuseum.

In einem Videovortrag informierte er vor dem eigentlichen Rundgang durch das Museum über die 400 jährige Wirtschaftsgeschichte der Tuchmacherei im Lambrechter Tal und in besonderem St. Lambrecht und Grevenhausen. Die heutige Stadt Lambrecht wurde zu einem der bedeutendsten Pfälzer Tuchindustrie-Zentren und die ansässigen Tuchfabriken brachten im 19. Jahrhundert die kleine Stadt im Pfälzerwald zu Wohlstand.

Die Technik des Tuchwebens brachten die Wallonen, reformierte Glaubensflüchtlinge aus dem damals zum Königreich Spanien gehörenden Niederlanden, im Jahre 1565/68 nach St. Lambrecht. Sie fanden im aufgelassenen Kloster eine neue Heimstätte. Das Ende der Lambrechter Tuchmacherei wurde mit Schließung der letzten noch verbliebenen Tuchfabrik F. & L. Haas im Jahr 1966 eingeläutet.

Lambrecht war ab dem Jahre 1876 auch Standort einer Webschule. Sie bildete beruflichen Nachwuchs für die Lambrechter Tuchindustrie und darüber hinaus aus. Später bekam die Webschule sogar den „Hochschulstatus“ als „Staatliche Ingenieurschule für Textilwesen“. Im Jahre 1974 schloss die „Webschule“ für immer ihre Pforten am Sommerberg, an dessen Standort sie seit 1900 beheimatet war. Heute hat in dem Gebäude die Verbandsgemeinde-Verwaltung ihren Sitz.

Führung durch die Räumlichkeiten und praktische Vorführung am Webstuhl

In einem Rundgang ging es dann anschließend durch die Räumlichkeiten. Hier erklärte und erläuterte Gerald Lehmann Wissenswertes über die Tuchmacherei, vom Spinnen, Weben, Walken und Färben. Typische Gerätschaften der Tuchmacher, sowie die Funktionsweise eines von ihm selbstgebauten Webstuhls - Pfalzweber 1 - wurden aktiv durch ihn präsentiert und vorgeführt. Ebenso wurden Walktechniken und die ehemalige Lambrechter „Blaufärberei“ an nachgebauten Exponaten im Detail anschaulich demonstriert und erläutert.

Der Abschluss fand dann im „Weberstübchen“ statt. Hier stellte sich Gerald Lehmann noch einmal den Fragen der Besucher und nahm sich auch da zur Beantwortung noch einmal hinreichend Zeit.

Fazit unter den Museumsbesuchern

Der Besuch hat sich gelohnt. Gerald Lehmann präsentierte sein kleines, aber schmuckes Webermuseum mit sehr viel Herzblut. Er hat uns „Pfälzerwäldler“ sehr interessant, abwechslungsreich und anschaulich Informationen über die alte Tradition der „Tuchmacherei“ im Allgemeinen und speziell im Lambrechter Tal näher gebracht.

Webermuseum würde Lambrecht gut zu Gesicht stehen

Darüber hinaus hat der Besuch auch wieder einmal gezeigt, wieviel Potenzial in der über 1000-jährigen Geschichte von Lambrecht steckt, die zur Eigenwerbung genutzt werden könnte bzw. müsste. Das Webermuseum würde der Stadt Lambrecht gut zu Gesicht stehen, war sie doch die Keimzelle der „Tuchmacherei“ im Tal.

Wanderweg „Aussichten der Tuchmacher“

Ein Hinweis auf die Lambrechter Tuchmachertradition ist der im Zuge des Besucherlenkungskonzeptes der Verbandsgemeinde Lambrecht angelegte bzw. ausgeschilderte Themenweg „Aussichten der Tuchmacher“, im südlichen Bereich von Lambrecht, über dem Friedhof. Auch wenn die hartarbeitenden Weber, Walker und Färber wahrscheinlich nicht die schönen Aussichten so genießen konnten wie wir heute, hätte der Wanderweg allerdings etwas großzügiger rund um Lambrecht führen müssen. Eine Ausweisung als Prädikatswanderweg wäre dann sicher möglich. Dies wäre bestimmt eine noch größere Aufwertung für Lambrecht und die Verbandsgemeinde - das Tor zum Pfälzerwald - als attraktives Wandergebiet gewesen. Denn auch das nördlich vom Speyerbach gelegene ehemalige Grevenhausen hatte eine traditionsreiche Vergangenheit mit der „Tuchmacherei“. Schließlich lagen auf Grevenhausener Territorium die Trockenwiesen (Sommerberg), die immer wieder der Zankapfel zwischen St. Lambrecht und Grevenhausen waren.

Für Interessierte

Das Webermuseum befindet sich in der Joppenholzstraße 6 in 67473 Lindenberg. Nach Absprache mit Gerald Lehmann kann das Museum besucht werden. Außerdem bietet er regelmäßig aktive Webkurse an und führt auch Wanderungen zu den ehemaligen alten Industriebrachen des Lambrechter Tales durch. Weitere Infos dazu findet man auf den beiden Internetseiten.

https://www.museumsportal-rlp.de/museen/webermuseum-lindenberg https://www.pfalz.de/de/sehenswuerdigkeit/webermuseum