Titel Logo
Talpost Lambrecht
Ausgabe 18/2026
Titelseite
Zurück zur vorigen Seite
Zurück zur ersten Seite der aktuellen Ausgabe
-

Bürgerpreis 2025 an Wolfgang Mildner verliehen

 

Lambrecht. (Werner Dietrich) Am Sonntag, 19. April 2026, wurde Wolfgang Mildner mit dem dritten Preis beim Bürgerpreis 2025 ausgezeichnet. Die jährlich von der Stiftung für Kultur, Soziales, Umwelt, Bildung, Unterricht und Erziehung des Kreises Bad Dürkheim vergebene Auszeichnung würdigt das freiwillige Engagement von Privatpersonen, Vereinen, Schulen, Institutionen und Projekten und zielt darauf ab, ehrenamtliches Engagement zu unterstützen und zu fördern. Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld betonte bei der Feierstunde im Foyer des Kreishauses in Bad Dürkheim: „Wir wollen heute Menschen ehren, die oft im Stillen Großes leisten. Menschen, die ihre Zeit, ihre Kraft und ihr Herz einsetzen – nicht für Anerkennung oder Applaus, sondern aus Überzeugung.“ Die Ehrung von Aktion Limburg unterstreicht die Bedeutung des Vereins für das gesellschaftliche Miteinander in der Region.

Wolfgang Mildner ist eine prägende Persönlichkeit für Natur- und Kulturlandschaft im Lambrechter Tal. Sein jahrzehntelanges Engagement für die Pflege und Erhaltung örtlicher Streuobstwiesen hat nicht nur zur Bewahrung biologischer Vielfalt beigetragen, sondern auch das kulturelle Gedächtnis der Region gestärkt. Seit mehr als zwanzig Jahren betreut er die Streuobstwiese Beutelstein, seit über fünfzehn Jahren die Streuobstwiese Bohnenäcker; diese Kontinuität gewährleistet, dass alte Obstbäume gepflegt, Jungbäume kultiviert und die traditionellen Bewirtschaftungsmethoden weitergegeben werden. Mildners Arbeit umfasst mehr als reine Gartenpflege: Durch gezielte Schnittmaßnahmen, jährliche Pflegezyklen und die koordinierte Zusammenarbeit mit lokalen Ehrenamtlichen verhindert er den Verbuschungsprozess und sichert Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten.

Besonders hervorzuheben ist Mildners Engagement für historische Obstsorten. Indem er alte, in Vergessenheit geratene Sorten im Lambrechter Tal entdeckt, dokumentiert und erhält, leistet er einen wichtigen Beitrag zur genetischen Vielfalt regionaler Obstbestände. Solche Sorten sind nicht nur botanisch interessant, sie tragen auch traditionelle Kenntnisse über Anbau, Geschmack und Nutzung in sich, die andernfalls verloren gehen würden. Mildner verbindet dabei wissenschaftliches Interesse mit praktischer Erfahrung: Er katalogisiert Funde, pflegt Bäume über Jahre und vermittelt sein Wissen an interessierte Mitbürgerinnen und Mitbürger, wodurch eine nachhaltige Weitergabe von Kenntnissen über Sorteneigenschaften und Bewirtschaftungsformen entsteht.

Seine Liebe zur Natur findet eine zweite, ebenso bedeutsame Ausprägung im Klettersport. Als Gründer der Klettergruppe in Lambrecht hat Mildner eine lokale Szene aufgebaut, die sportliche Begeisterung, Gemeinschaft und naturschonendes Verhalten miteinander verbindet. Er war maßgeblich an der Etablierung von Klettertouren in regionalen Steinbrüchen beteiligt — in Lambrecht, Lindenberg, Weidenthal und Gimmeldingen — und hat damit nicht nur Freizeitmöglichkeiten geschaffen, sondern auch Zugänge für naturverträgliche Nutzung offengelegt. Besonders in sensiblen Bereichen wie Steinbrüchen ist die Balance zwischen Sport und Naturschutz entscheidend; Mildners Ansatz, Routen mit Blick auf Sicherheit und ökologische Verträglichkeit zu planen, hat zur Akzeptanz des Kletterns in der lokalen Bevölkerung beigetragen.

Der Übergang vom beruflichen Leben zur intensiven ehrenamtlichen Tätigkeit ist bei Mildner bemerkenswert. Als ehemaliger Chemielaborant hat er nach seiner Pensionierung seine zeitlichen Kapazitäten genutzt, um Gipfelbücher aufzulegen und organisatorische wie technische Aufgaben innerhalb der Kletterszene zu übernehmen. Mit dem Verein „Pfälzer Kletterer“ hat er Routen an Felsen im Wasgau saniert und so zur Infrastruktur und Sicherheit für folgende Generationen beigetragen. Diese Arbeiten erforderten technisches Verständnis, handwerkliches Geschick und die Fähigkeit, Projekte zu planen und mit anderen Akteurinnen und Akteuren zu koordinieren — Fähigkeiten, die Mildner aus seiner beruflichen Laufbahn ebenso wie aus langjähriger Praxis einbringt.

Neben praktischen Naturschutz- und Sportaktivitäten ist Mildner auch publizistisch aktiv. In diversen Beiträgen auf der Webseite der Naturfreunde Lambrecht widmet er sich u. a. Brunnen, Grenz-, Gedenk- und Orientierungssteinen. Diese Schriften dokumentieren lokale Kulturdenkmäler, geben historischen Kontext und leisten damit einen Beitrag zur regionalen Identität. Indem er Aufmerksamkeit auf oft übersehene Objekte lenkt, fördert er die bewusste Wahrnehmung von Landschaft als Träger von Geschichte und Erinnerung. Solche Veröffentlichungen sind zugleich Hilfsmittel für lokale Bildungsarbeit und Grundlage für weiterführende Forschungen oder Schutzmaßnahmen.

Mildners Wirken zeichnet sich durch eine integrative Perspektive aus: Naturschutz, Sport, Kulturgeschichte und Gemeinschaftsbildung bilden bei ihm keine getrennten Bereiche, sondern ein ineinandergreifendes Ganzes. Er verbindet praktisches Handeln — Pflege, Sanierung, organisatorische Arbeit — mit Dokumentation und Wissensvermittlung. Gerade in ländlichen Regionen sind es oftmals Einzelpersonen wie Mildner, die Strukturen erhalten, Initiativen anstoßen und Kooperationsnetzwerke knüpfen, ohne die langfristige Pflege von Kulturlandschaften und kulturellem Erbe kaum denkbar wäre.

Sein Beitrag für das Lambrechter Tal hat bleibende Spuren hinterlassen. Die gepflegten Streuobstwiesen, erhaltenen Obstsorten, sanierten Kletterrouten und dokumentierten Kulturdenkmäler sind greifbare Ergebnisse, die ökologische, soziale und kulturelle Werte zugleich sichern. Darüber hinaus ist Mildners Wirken ein Beispiel dafür, wie persönliche Leidenschaft, Fachkenntnis und ehrenamtlicher Einsatz in der Summe zur nachhaltigen Entwicklung einer Region beitragen können. Seine Aktivitäten motivieren Nachfolgerinnen und Nachfolger, selbst Verantwortung zu übernehmen, und legen damit die Basis für eine langfristig tragfähige Pflege der Landschaft und des kulturellen Gedächtnisses im Lambrechter Tal.

Wolfgang Mildner war an diesem Sonntag nicht zur Preisverleihung anwesend, denn er hatte bereits vor Bekanntwerden dieses Datums seine Zusage für einen Stand auf dem Pflanzenmarkt beim AWO-Gartenhaus (Bericht Talpost 17/2026). am gleichen Tag gegeben Die offizielle Ehrung wird am 12. Mai 2026 in Bad Dürkheim nachgeholt.