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Ausgabe 20/2021
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Pfingsten

Pfingsten ist die Geburtsstunde des christlichen Daseins. Christus war gekommen; seine Gestalt, sein Leben und seine Lehren, sein Sterben und sein Auferstehen waren die Fülle selbst. Aber diese Fülle hatte „vor“ den Menschen gestanden; getrennt, unerfasst, unverstanden. Erst musste „der Verheißene“ vom Vater kommen, der „Geist“. So deutet Romano Guardini das unauslöschliche Feuerzeichen der Pfingsten.

Es ist ein fröhliches Fest, in dem sich Bräuche, mit denen man einst den Mai begrüßte, mit dem christlichen Glauben von der Ausgießung des Heiligen Geistes einen. Aus dem Griechischen kommt das Wort. Dort bedeutet „Pentekoste“ den fünfzigsten Tag. Und das Pfingstfest wird ja auch fünfzig Tage nach dem Osterfest begangen. Viele Jahrhunderte alt ist die Sitte, eine Pfingstbraut durchs Dorf zu führen, ein blumengeschmücktes Mädchen, das von seinen Altersgenossinnen geleitet wird. Pfingstspiele wurden schon von den Fürsten im Mittelalter auf ihren Maifeldern abgehalten. Wir haben Kunde aus dem Jahr 1168 aus Würzburg, wo Kaiser Barbarossa dabei war, oder aus Mainz, wo seine Söhne im Jahre 1184 im Beisein von 77.000 Edelleuten die Schwertleite (die ursprüngliche Form der Ritterpromotion, die später vom Ritterschlag verdrängt wurde) empfingen. Heute wie einst erblühen zum Fest der Ausgießung des Heiligen Geistets die Päonien, die unter dem Namen Pfingstrosen in vielen unserer Gärten leuchten.