Der Ziegenzuchtverein Lambrecht, in dem jahrzehntelang die Ziegenbesitzer organisiert waren, hatte sich im Jahr 1962 aufgelöst. Die Haltung der „Kuh des kleinen Mannes“ wurde in den Familien nach und nach aufgegeben. Als Folge des „Wirtschaftswunders“ wurde mancher Stall zur Autogarage umgestaltet. Für die Tiere, die jahrzehntelang Fleisch und Milch lieferten, war kein Platz mehr. Angesichts der Tatsache, dass sich der Ziegenbestand in Lambrecht im Jahre 1962 auf sieben Ziegen reduziert hatte, löste sich der Ziegenzuchtverein auf. Das vorhandene Barvermögen übergab der Verein der Stadt Lambrecht mit der Bestimmung, dass im Falle der Wiedergründung eines Ziegenzuchtvereins die Stadt Lambrecht die Anschaffung bzw. die Kosten für den ersten Geißbock übernimmt. Der Stadtrat beschloss damals einstimmig, dem Wunsch des aufgelösten Ziegenzuchtvereins zu entsprechen. So könnte es einmal kommen, dass die Stadt Lambrecht nicht nur für den jährlichen Tributbock sorgen muss, der am Pfingst-Dienstag nach Deidesheim geliefert werden muss, sondern sie müsste einen zweiten Geißbock erwerben, sollte sich in Lambrecht wieder ein Ziegenzuchtverein gründen. Die Ziege war über Jahrhunderte wohl als genügsam, anpassungsfähig und als prima Futterverwerter im Tal heimisch. Das perfekte Haustier war auch eines der ersten: Seit 10.000 Jahren schon lauscht der Mensch dem Meckern. Gäbe es die Ziegen nicht, die Natur müsste sie erfinden. Denn kein anderes Haustier bringt dem Menschen mit so wenig Aufwand so viel Nutzen. Ziegen brauchen weder teures Kraftfutter noch komfortable Ställe. In den Haushalten der früheren Tuchmacher-Familien war die „Kuh des kleinen Mannes“ willkommen als Fleisch und Milchlieferant und verbesserte die Existenzgrundlage der oft kinderreichen Familien. Zusammen mit dem Schaf gehört die Ziege zu den ältesten Haustieren. Die große Anpassungsfähigkeit der Ziege, ihre Genügsamkeit und die gute Futterverwertung machen sie vielerorts auch heute in der Dritten Welt zum dominierenden Träger der Grundversorgung. Die Ziege ist durchaus wählerisch und,prüft mit Nase und Zunge, was sie frisst. Da sie aber im Gegensatz zu Rind und Schaf stark aromatische und salzhaltige Kräuter, an Zellulose reiche Pflanzen der Halbwüsten und felsigen Berglagen sowie das Laub von Bäumen und Büschen verdauen kann, überlebt sie auch an Orten, wo andere Haustiere verhungern müssten.