Lambrecht. (Werner Dietrich) Geboren am 22. Mai 1941 in Ludwigslust (Mecklenburg), inmitten des Zweiten Weltkriegs, wuchs Jochen Hinrichs ab seinem 10. Lebensjahr zusammen mit seiner Mutter - der Vater war im Krieg gefallen - in der Pfalz auf. Ab 1951 war ihr Wohnsitz Kaiserslautern; seine Mutter stammte aus der Pfalz. Zwischen 1968 und 1975 lebte Hinrichs in Deidesheim, bevor er 1975 seinen Lebensmittelpunkt nach Lambrecht verlegte. Seit dem 03. Oktober 1975 ist er mit seiner Frau Ute verheiratet.
Jochen Hinrichs war bis zu seinem Ausscheiden bei der Firma T&N, einem Telekommunikationsunternehmen, beschäftigt; dieses Unternehmen wurde damals von Bosch übernommen. Hinrichs arbeitete anschließend bei Bosch Telekom und später bei Bosch Sicherheitssysteme. Infolge branchenüblicher Umstrukturierungen und Personalabbaus nutzte er das Angebot einer Abfindung und schied 1995 im Alter von 55 Jahren aus dem Unternehmen aus. Sein letzter Dienstsitz war Kaiserslautern.
Auf die Frage, was er nach dem Ausscheiden bei Bosch gemacht habe, antwortet er: „Dann habe ich erstmal Lambrecht erkundet.“ Es dauerte jedoch nicht lange, bis er für ein Subunternehmen im Saarland tätig wurde, das vorwiegend Arbeiten an Sicherheitssystemen, insbesondere Brandmeldeanlagen, ausführte. „Ich war dann in Sembach und auf der Airbase Ramstein und wir haben dort Sicherheitsüberprüfungen gemacht.“ Nach Beendigung dieser Tätigkeit änderte sich sein Leben erneut: Nicht weit von seinem Haus entfernt am Brunnen wurde er von einem Mitbürger angesprochen, ob er am folgenden Tag für einen verletzten Kollegen einspringen könne. „Ohne lange zu zögern habe ich zugesagt, da ich ja Zeit hatte.“ Der Mann fuhr täglich für das „Rote Kreuz“ behinderte Kinder ins Ludwigshafener Heim und holte sie nachmittags wieder ab; Hinrichs bot an, die Fahrten für die restliche Woche zu übernehmen. „Daraus sind dann fünf Jahre geworden“, erzählt Hinrichs mit einem Lächeln, bis ein privater Anbieter die Fahrten übernahm.
„Ich habe immer versucht, dann doch etwas Nützliches in Lambrecht zu tun.“ 2004 trat Jochen Hinrichs dem Lambrechter Verkehrsverein bei. Zwei Jahre später, am 28. April 2006, wurde er als Nachfolger von Gerald Lehmann zum 1. Vorsitzenden gewählt. Dieses Amt übte er von 2006 bis 2024 aus. In seine Anfangszeit fiel die Neufassung der Satzung des Verkehrsvereins Lambrecht; damals konnte jedoch der Status der Gemeinnützigkeit nicht erreicht werden, weil eine enge Verzahnung zwischen Stadt und Verein bestand. Die neue und Satzung legte genau die Zwecke und Aufgaben des Vereins fest, zum Beispiel das traditionelle Geißbock-Festspiel, das alle fünf Jahre stattfindet. Diese Tradition sollte in der bisherigen Form bewahrt werden.
Zum Heimatabend am Pfingstsonntag berichtet Hinrichs, dass dieser früher im Gemeinschaftshaus stattfand und stets sehr gut besucht war, obwohl Eintritt verlangt wurde. Der Verein hatte jedoch zunehmend mit hohen Energiekosten für die Heimatabende zu kämpfen. Der letzte Heimatabend im Gemeinschaftshaus Lambrecht fand dann 2005 statt. Im darauffolgenden Jahr wurde nach umfangreichen Sanierungsarbeiten das historische Rathaus in der Wallonenstraße eingeweiht; am 4. Juni 2006 wurde dort der Heimatabend veranstaltet. Auf dem Platz gegenüber dem Zunfthaus stand ein großes Zelt für die Zuschauer, und das von Karl-Heinz Himmler geschriebene Theaterstück wurde auf der Sandsteintreppe und in den Fenstern des Zunfthauses aufgeführt. Im Folgejahr (2007) fand der Heimatabend auf der Friedrich-Ebert-Brücke statt; die Bühne wurde vor der Klosterapotheke in Richtung Postagentur (Mühlstraße) aufgebaut, der Platz komplett für den Verkehr gesperrt, und die Veranstaltung war sehr gut besucht.
Hinrichs wirkte insgesamt dreimal beim Geißbockfestspiel mit, was ihm großen Spaß bereitete. Er betont außerdem den Beitrag seiner Frau Ute Hinrichs, die über viele Jahre zum Gelingen des Festspiels beigetragen habe. Sie hatte den Nähkreis für die historischen Kostüme gegründet und jahrelang geleitet. Ihre Verdienste für den Verkehrsverein sollten nicht unterschätzt werden, denn es war viel Zeit erforderlich, Materialien zu organisieren und gemeinsam mit anderen Näherinnen die Kostüme anzufertigen oder anzupassen, „denn es kam schon vor, dass der Kostümträger seit dem letzten Auftritt etwas schmäler geworden war; dann musste das Kostüm angepasst werden.“ Der komplette Kostümfundus wurde für mehr als 120 Mitwirkende angefertigt. Seit der Neuwahl 2024 liegt der Nähkreis in jüngeren Händen.
Hinrichs nennt noch ein weiteres Ergebnis seiner Amtszeit: ab dem 1. Januar 2011 veranstalteten der Verkehrsverein und die Stadt Lambrecht von 0:15 bis 1:15 Uhr den ersten Neujahrsempfang. Insgesamt fand dieser Empfang von 2011 bis 2018 achtmal statt; stets im Ratssaal der Stadt Lambrecht.
Die Erinnerungen und Erzählungen von Jochen Hinrichs über den Verkehrsverein sind von hoher Bedeutung für das lokale Gedächtnis. Die Redaktion der Talpost spricht ihm große Anerkennung für sein langjähriges Engagement aus und wünscht ihm weiterhin alles Gute und vor allem Gesundheit.