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Talpost Lambrecht
Ausgabe 22/2026
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Heimatabend 2026 bei strahlendem Wetter

Vorsitzende des Verkehrsvereins Christine Klein

Barbara Nowotny

Markus Kern

Die Jubiläums-Brautpaare

Das Geißbockbrautpaar 2026

Tributbock Timm-Niklas I. auf dem Weg zur Bühne

Dieter Dörr Bürgermeister von Deidesheim

Büttel Markus Kern mit Bock Timm-Niklas I.

Lambrecht. (Werner Dietrich) Am Pfingstsonntag, dem 23.05.2026, trafen sich zahlreiche Besucherinnen und Besucher ab 15:30 Uhr im Schulhof der Grundschule Lambrecht, um den traditionellen Heimatabend zu erleben. Bei Kaiserwetter und ungewöhnlich hohen Temperaturen herrschte trotz der Hitze eine ausgelassen-gesellige Stimmung; das Zusammenkommen bot Raum für Begegnung, Brauchtumspflege und kulturelle Beiträge vor Ort.

Die Vorsitzende des Verkehrsvereins Lambrecht, Christine Klein, eröffnete die Veranstaltung und informierte das Publikum über eine Programmänderung: Die geplante Aufführung eines Theaterstücks entfalle aus verschiedenen Gründen. Als Ersatz trat Barbara Nowotny mit ihren „Geißbockgedanken“ auf und gewann mit einer pointierten, charmanten Perspektive auf das Leben aus Sicht eines Geißbocks schnell die Sympathien des Publikums. Ihr Vortrag zeichnete sich durch Humor aus und wurde mit großem Applaus bedacht. Eine wichtige Ergänzung zum Programm lieferte Markus Kern, der in die Rolle des Geißbockführers schlüpfte und das Publikum mit Anekdoten und persönlichen Erinnerungen unterhielt. Kern, der gemeinsam mit seiner Frau Stephanie im Jahr 2005 den 602. Tributbock Alfons I. geführt hatte, berichtete teilweise „aus dem Nähkästchen“ und ließ die Zuhörer an Geschichten rund um die Geißbockübergabe über die Jahre teilhaben.

Für die musikalische Umrahmung sorgte der Musikverein Königsbach, der – geschützt unter einem großen Pavillonzelt – bei den hohen Temperaturen ein abwechslungsreiches Repertoire präsentierte. Die Musikerinnen und Musiker überbrückten die Pausen und trugen mit konzertanter Begleitung maßgeblich zur Atmosphäre des Abends bei; ihre Darbietungen fanden regen Zuspruch und trugen zur gemütlichen, traditionellen Stimmung bei.

Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand die Pflege eines überlieferten Brauchtums: Zum 623. Mal wird in diesem Jahr der Geißbock als Tribut von Lambrecht an die Stadt Deidesheim übergeben. Stadtbürgermeister Andreas Ohler erinnerte in seiner Ansprache an die gemeinsame Geschichte der beiden Orte und an die Ursprünge dieses Rituals, das auf eine Vereinbarung aus dem Jahr 1404 zurückgeht. Damals wurde festgelegt, dass Lambrecht das Weiderecht erhält – verbunden mit der Verpflichtung, jährlich einen Geißbock an Deidesheim zu übergeben. Ohler erinnerte aber daran, dass in der Vergangenheits bereits mehrfach versucht wurde eine Auflösung dieser vertraglichen Verpflichtung zu erreichen, allerdings ohne Erfolg. Bis heute wird dieser Brauch gepflegt: Traditionell bringt das jüngste Lambrechter Brautpaar den sogenannten Tributbock zur Deidesheimer Stadtgrenze; die Übergabe erfolgt am Dienstag nach Pfingsten um 10:00 Uhr an der Stadtgrenze zu Deidesheim. Ein späteres Eintreffen des Bock könnte als Vertragsbruch angesehen werden und der Bock würde zurückgewiesen.. Als symbolische Entlohnung erhalten die Überbringer eine Flasche Wein und ein Käsebrot. Ohler bezeichnete das Brauchtum als verbindendes Element beider Gemeinden und würdigte die fortdauernde Bedeutung dieses Rituals. Die Aufnahme in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes erfolgte im März 2025.

Ein weiterer Höhepunkt des Heimatabends war die Ehrung der Geißbockjubilare, die Teil der Tradition sind, wurden auf der Bühne gewürdigt und mit einem Präsent bedacht:

Kathrin & Michael Mansmann (10 Jahre), Nicole & Mike Schwäppler (20 Jahre), Alexandra & Willy Fricke (25 Jahre), Regina & Matthias Blitt (30 Jahre), Rita & Michael Thürauf (40 Jahre) und Christina & Max Höck (50 Jahre). Die persönliche Verbundenheit und die Kontinuität der Beteiligten bildeten dabei den emotionalen Mittelpunkt der Zeremonie.

In diesem Jahr übernehmen Timm-Niklas Stahl und Anna Stahl die Rolle des Weißbockbrautpaars; sie erhielten auf der Bühne den Geleitbrief der Stadt Lambrecht und legten das Versprechen ab, den Tributbock Timm-Niklas I. rechtzeitig und ordnungsgemäß in Deidesheim zu übergeben.

Stadtbürgermeister Dieter Dörr aus Deidesheim äußerte sich erfreut über den neuen Bock: Nach der Begutachtung durch den Versteigerer – kommentiert mit den Worten „gut gehörnt und gut gebeutelt“ – wurde Timm-Niklas I. von der anwesenden Deidesheimer Delegation als Tributbock zugelassen. Für den Versteigerungsakt in Deidesheim ist der Dienstag nach Pfingsten vorgesehen.

Die konkreten Abläufe zur Übergabe sind präzise terminiert: Die Lambrechter Marschgruppe bricht am kommenden Dienstag um 05:30 Uhr auf (Treffpunkt: Friedrich-Ebert-Brücke in Lambrecht) und begleitet den Tributbock zur Deidesheimer Stadtgrenze, wo die formale Übergabe um 10:00 Uhr stattfindet. Damit setzt die Gemeinde Lambrecht eine jahrhundertealte Verpflichtung fort und verstärkt zugleich das Gemeinschaftsgefühl zwischen den beteiligten Orten (Fotos: Werner Dietrich/Talpost).