Frankeneck / Le Thuit de l’Oison. Es sind diese seltenen Momente, in denen man spürt, dass Verständigung weit mehr ist als Sprache. Ein Lächeln, eine Geste, ein gemeinsames Lachen – und plötzlich verschwinden die Unsicherheiten. Genau so begann für Familie Sommer ein Wochenende, das nicht nur eine Reise nach Frankreich war, sondern der Anfang einer besonderen Verbindung.
Wie kam es dazu?
Wie jedes zweite Jahr reisten auch in diesem Jahr an Christi Himmelfahrt rund 20 Familien aus Frankeneck sowie aus der nahen und weiteren Umgebung in die Partnergemeinde Le Thuit de l’Oison in der Normandie.
Nach der Ankunft am Donnerstag wurden die deutschen Gäste herzlich im „Salle de Fête“ in Le Thuit de l’Oison empfangen, bevor es am Abend direkt in die Gastfamilien ging – für viele der wohl spannendste Moment.
Der Freitag führte die Gruppe nach Fécamp, eine kleine Stadt mit 17.313 Einwohnern im Département Seine-Maritime an der Küste der Normandie. Bekannt ist sie durch ihre geschichtliche Entwicklung in Fischerei und Handel sowie durch den weltberühmten Likör Bénédictine.
Nach der knapp 100 km langen Anfahrt hieß es zunächst, sich bei einem gemeinsamen Mittagessen mit typischen französischen Spezialitäten zu stärken, bevor ein hochinteressanter, geführter Besuch im Fischereimuseum auf dem Programm stand.
Am selben sowie auch am darauffolgenden Abend trafen sich alle Familien erneut im Festsaal in Le Thuit de l’Oison, um bei gutem Essen, Musik und Karaoke gemeinsam zu feiern.
Dazwischen blieb viel Zeit für individuelle Begegnungen und persönliche Eindrücke innerhalb der Gastfamilien.
Am Sonntag traten die deutschen Familien schließlich die Rückreise an – im Gepäck eine große Portion Begeisterung, viele Erlebnisse und neue Freundschaften.
Genau solche Freundschaften haben inzwischen Hunderte von Menschen in der deutsch-französischen Partnerschaft „Frankeneck – Le Thuit de l’Oison“ erfahren dürfen und erleben sie noch immer.
Im diesjährigen Treffen standen die neuen Partnerfamilien Sommer und Duchemin im Mittelpunkt und schreiben eine ganz besondere Geschichte.
Zehn Jahre des Wartens haben für die französische Familie mit zwei Kindern nun ein Ende gefunden. Genauso lange hat es gedauert, bis sich mit Familie Sommer endlich eine Partnerfamilie aus Deutschland gefunden hat, die den Schritt in eine Auslandspartnerschaft gewagt hat.
Eine Begegnung, die von Anfang an vor besonderen Herausforderungen stand – die größte davon sicherlich die Sprachbarriere: Beide Familien sprechen nicht die Sprache des jeweils anderen.
Skepsis und Bedenken begleiteten die ersten Schritte. Doch genau diese vermeintlichen Hürden wurden zum verbindenden Element.
„Natürlich hatten wir Bedenken …….. gerade auch wegen unseres Sohnes – wir hatten Angst, dass er sich fehl am Platz fühlt.“ erzählt Kathrin Sommer offen.
Auch ihr Mann Christian erinnert sich an die Skepsis: „Eine fremde Sprache ist für jeden extrem schwierig, wenn man sie nie gelernt hat“.
Schon beim ersten Aufeinandertreffen war zu erkennen, dass sich Mut und Kreativität auszahlen. Um sich zu verständigen, wurde improvisiert – mit Englisch, einzelnen Worten, Händen und Füßen und vor allem mit Hilfe moderner Technik.
Besonders eindrucksvoll erlebte die Familie, wie schnell auch ihr Sohn Louis Anschluss fand.
Auch ohne gemeinsame Sprachkenntnisse entwickelte sich eine ganz selbstverständliche Verbindung. „Manchmal hat er einfach gesprochen, manchmal die App benutzt – und es hat funktioniert“, so Christian.
Für besonderes Gelächter sorgten im Nachhinein kleine Missverständnisse. So erinnert sich Kathrin beispielsweise an eine Szene, in der sie vom französischen Jumelage-Präsidenten Jean-Christophe Franchet gefragt wurde: „Comment tu trouves la France?“ (Wie findest du Frankreich?). Kathrin verstand die Frage jedoch nicht und antwortete „Un peu“ („ein bisschen“). Dies sorgte zunächst für Verwunderung, entwickelte sich nach der Aufklärung jedoch zu einem sehr humorvollen Moment.
Ähnlich ging es Christian, der ein starkes Getränk in einem Zug leerte, weil er eine Geste falsch interpretierte. „Als wir das aufgeklärt haben, haben alle Tränen gelacht“, sagt er.
Trotz – oder gerade wegen – der fehlenden gemeinsamen Sprache entwickelte sich eine Nähe, die alle überrascht hat.
Auch bestehende Klischees über Franzosen, die man gelegentlich hört, „haben sich für uns überhaupt nicht bestätigt“, sagt Kathrin. Im Gegenteil: Die Familie war beeindruckt von der Offenheit und Gastfreundschaft. „Wir sind mit offenen Armen empfangen worden, als ob man sich schon seit Jahren kennen würde“, beschreibt Christian die Atmosphäre.
Kleine alltägliche Unterschiede und kulturelle Eigenheiten – etwa beim Frühstück, das in Frankreich eher süß und in Deutschland eher deftig ist – weckten Neugier und gegenseitiges Interesse.
„Sie haben uns alles angeboten, damit wir uns wohlfühlen – das war für sie selbstverständlich“, berichtet Kathrin.
Für die Familie Sommer ist die Teilnahme weit mehr als ein einmaliges Erlebnis. „Es ist eine echte Bereicherung“, sind sich beide einig. „Man bekommt einen persönlichen Bezug zu einem Land und zu Menschen, die man vorher nicht kannte.“
Gleichzeitig entstand ein neuer Anreiz, sich auch sprachlich weiterzuentwickeln. „Wir sind jetzt motivierter, Französisch zu lernen – vor allem auch für unseren Sohn.“
Am Ende bleibt eine klare Botschaft: Diese Partnerschaft lebt nicht von perfekten Sprachkenntnissen, sondern von Offenheit, Mut und dem Wunsch, einander wirklich kennenzulernen.
Oder, wie Kathrin es treffend formuliert: „Einfach trauen und mitmachen – vielleicht wird man überrascht.“ Und Christian ergänzt: „Machen, erleben und sich selbst ein Bild machen. Wir haben es nicht bereut.“
Das ganze Interview mit den beiden Familien finden Sie im Innenteil.
Das Wochenende in der Normandie hat eindrucksvoll gezeigt:
Verständigung braucht nicht immer Worte. Manchmal reicht ein Lächeln – und der erste Schritt aufeinander zu zu gehen.
Die Erfahrungen der Familie Sommer stehen beispielhaft für das, was in unserer Partnerschaft Jahr für Jahr gelebt wird: Begegnung, Freundschaft und ein lebendiger Austausch.
Ein schöner Anlass, im kommenden Jahr den 60. Besuch unserer französischen Familien in Frankeneck gemeinsam zu feiern.
Fühlen Sie sich von der Geschichte der Familie Sommer angesprochen und möchten gern selbst Teil der deutsch-französischen Partnerschaft werden? Dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme. Gerne informieren wir Sie unverbindlich über unsere Gemeinschaft, unsere Aktivitäten und die Geschichte der Jumelage: 0175-1891351 (Mirko Leib, Frankeneck).