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Talpost Lambrecht
Ausgabe 24/2026
Stadt Lambrecht (Pfalz)
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PWV Lambrecht auf Rundtour zu den Lambrechter Ortsbrunnen

Den Brunnen der Freien Turner stellte Gunther Weber, 1. Vorsitzender der Ortsgruppe, den Mitwanderern vor.

Kulturwanderung vor der Mitgliederversammlung

Lambrecht. (wk) Im vergangenen Jahr war man vor der PWV-Mitgliederversammlung auf den Spuren des Wohltäters des „Tales“, Saladin Klein, durch Lambrecht unterwegs. Dieses Jahr hat sich Walter Klein,der Kulturwart des PWV, eine „Brunnenwanderung“ ausgedacht. Aufgesucht wurden die Standorte der noch vorhandenen bzw. der leider nicht mehr vorhandenen Brunnen in St. Lambrecht und Grevenhausen, der heutigen Stadt Lambrecht.

Auf „Schusters Rappen“ unterwegs durch Lambrecht

Der Start der ca. 6,5 Kilometer langen Rundtour erfolgte am Tuchmacherplatz bei der „Untermühle“ am Speyerbach. Von hier ging es die Fabrikstraße hoch, über die Hauptstraße zum Treppenaufgang zur Bahnhofstraße. Hier war einst der Standort eines Brunnens bei der ehemaligen Brauerei Neu (Schwartz-Storchen). Direkt bei der Ampelanlage zwischen den beiden Verteilerkästen erkennt man noch eine schüsselartige Vertiefung in der Wand mit Mundloch. Mancher Bierkutscher hat hier wohl seine durstigen Gäule getränkt. An der Hauswand sind auch noch zwei derer Anbinderinge zu sehen, die still vor sich hinrosten. (Auszug aus der Ortschronik)

Luhrbachbrunnen und zwei ehemalige Standorte von Grevenhausener Brunnen

Am Bahnhof vorbei und über die Herman-Schneid-Brücke erreichte man beim Eingang zum Luhrbachtal, den „Luhrbachbrunnen“ zwischen der „Östlichen und Westlichen Luhrbachstraße“. Der Brunnen dürfte mit dem Bau der ersten Häuser im Luhrbachtal um 1870 entstanden sein. Im Jahr 1980 wurde der Brunnen renoviert und mit einem neuen Namensschild versehen. Hier entsprang auch einst eine der Quellen für die beiden ehemaligen Brunnen von Grevenhausen, die als Nächstes angesteuert wurden. Dafür ging es auf der „Westlichen Luhrbachstraße“ und der Bergstraße bergab bis zur Hauptstraße. Vorbei an der katholischen Kirche und über die Kirch- und Grevenhausenstraße kam man zum ehemaligen Standort eines Laufbrunnens von Grevenhausen an der Hauptstraße. Laut der Ortschronik „1000 Jahre Lambrecht“ (Seite 259) hat hier beim ehemaligen Schul- und Gemeindehaus, später Bäckerei Fritz, heute Haus Nr. 75, einer von zwei Brunnen von Grevenhausen gestanden. Ein zweiter war ein paar Meter weiter in östlicher Richtung entlang der Hauptstraße beim ehemaligen Wirtshaus „Sterf“, heute in etwa der Standort der „Volksbank“. Direkt vor der „Volksbank“ auf dem Herzog-Otto-Platz steht heute der „Geißbockbrunnen“, der von der Wandergruppe als Nächstes erreicht wurde. Der „Geißbockbrunnen“ wurde von Theo und Klaus Rörig aus Hettenleidelheim geschaffen und am 5. August 2000 in Dienst gestellt. Er erinnert an die Lambrechter „Geißbocktradition“, die bis zum Jahr 1404 zurückgeht.

Die Brunnen auf dem Friedrich-Ebert-Platz

Durch den Schulhof ging es dann hinunter auf den Friedrich-Ebert-Platz zum „Grevenhausener“ Brunnen. Der Brunnen befindet sich zwischen dem Treppenaufgang ins „Haus der Vereine“, ehemals Volksschule, und der Treppe, die in den Schulhof führt. Der Brunnen erhielt erst im Jahre 1983 vom Lambrechter Verkehrsverein diesen Namen. Er soll an den ehemaligen Ortsteil Grevenhausen erinnern. Der Speyerbach war ja einmal die ursprüngliche Grenze zwischen St. Lambrecht, südlich, und Grevenhausen, nördlich des Speyerbachs, gelegen. Dem „Grevenhausener“ Brunnen gegenüber, direkt am Speyerbach, am Standort der ehemaligen Walkmühle, befand sich der „Walkmühl-Brunnen“. Er wurde bei der Sanierung (2000–2001) der in die Jahre gekommenen Speyerbachbrücke entfernt. Ein Gedenkstein in unmittelbarer Nähe des ehemaligen Brunnens erinnert an die ehemalige Walkmühle (erbaut 1570, im Jahre 1929 abgerissen). Nicht weit vom ehemaligen „Walkmühlbrunnen“, etwa 20 Schritte über die „Bach“, stand auf Lambrechter Seite einst auch ein Laufbrunnen. Auf alten Zeichnungen und Fotos, vor Abriss und Bau der alten neuen Friedrich-Ebert-Brücke im Jahre 1929, ist er noch zu sehen.

Der Brunnen in der „Boweree“ und die im Umfeld der Klosterkirche

Am Speyerbach in östlicher Richtung entlang, vorbei am „Ärztehaus“ und nach Überqueren des Speyerbaches, des Parkplatzes und der Färberstraße erreichten die „Pfälzerwäldler“ den „Boweree-Brunnen“ beim ehemaligen Gasthaus „Zur Linde“ in der Karl-Marx-Straße. Der Name Boweree stammt aus dem Französischen – bouverie – und bedeutet so viel wie „Ochsenställe“. Erfreulicherweise fiel der Gruppe gleich ins Auge, dass um den Lindenbaum eine kleine schmucke „Grünanlage“ entstanden ist, die die Umgebung des „Boweree-Brunnens“ weiter aufwertet.

Durch das Kellergässchen und die Wallonenstraße hoch zum Zunfthaus (Rathaus), wo rechts in die Gerberstraße abgebogen wurde, landete man schließlich beim „Kunigundenbrunnen“ südöstlich der Klosterkirche. Der Laufbrunnen stammt aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und ist benannt nach der Priorin Kunegund von Fleckenstein, einer Dominikanerin, die maßgeblich am Bau der Klosterkirche beteiligt war. Der Heinrich-Heine-Straße weiter in westlicher Richtung folgend, ging es zum „Klosterbrunnen“ (Marktbrunnen) an der Ecke Marktstraße / Grabenstraße.

Zu seinem Namen ist der „Klosterbrunnen“ beim Brunnenfest im Jahre 1981 gekommen. Der Weiterweg führte die „Brunnenwanderer“ durch die Unterführung in die Pilgergasse, hoch zur Walkstraße und schließlich über die Bienengasse schnurstracks auf den „Gradschank-Brunnen“ zu. Der Brunnen wurde 1889 in der Einmündung der Gartenstraße in die Karl-Marx-Straße errichtet. Zum Brunnenfest, das der Lambrechter Verkehrsverein im Jahre 1979 dort veranstaltete, wurde er auf den Namen „Gradschank-Brunnen“ getauft. Der Name stammt von den französisch sprechenden Wallonen „Grands champs“, das auf Deutsch so viel wie „Große Felder“ bedeutet.

Die Brunnen der oberen Marktstraße

Auf der Karl-Marx-Straße weiter, am ehemaligen „Spital“ vorbei, erreichte man wieder die Marktstraße. Ein paar Meter die Marktstraße bergauf, vor dem Haus Nr. 57, stand auch einmal ein sehr schöner Laufbrunnen. Leider wurde er im Zuge der Sanierung und des Ausbaus der oberen Marktstraße in den Sechzigerjahren entfernt. Von dem Brunnen existiert noch ein sehr schönes Foto. Das in Privatbesitz befindliche Foto ist in der Dokumentation auf der Homepage der Naturfreunde zu sehen.

Auf ihrem weiteren Weg hoch auf der Markstraße ging es für die Gruppe zum „Lindenbrunnen“. Die heutige Brunnenanlage, unter dem Lambrechter Friedhof, geht auf die Planung des Lambrechter Architekten Hanns Lambrecht und die künstlerische Gestaltung von Bildhauer Otto Rumpf aus Lachen-Speyerdorf im Jahre 1967 zurück. Diese neue Brunnenanlage ersetzte den alten, aus dem Jahre 1761 stammenden Brunnen. Am 22. Juli 1967 wurde die neue Anlage mit einem zünftigen Fest, das die „Werschener“ organisiert hatten, ihrer Bestimmung übergeben. Auch hier wurde durch freiwillige Helfer das Brunnenmfeld neu gestaltet und lädt jetzt förmlich zum Verweilen ein, um, wie in alten Zeiten, ein „Schwätzchen“ abzuhalten.

Durch den Wald zu den Brunnen im Beerental

Jetzt tauchten die „Pfälzerwäldler“ vorbei am Friedhof in den Wald an den Tannen ein. Der Pfad über dem „Friedensweg“ führte sie zum Wendeplatz an der „Am Dicken Stein“-Straße. Der Pfad war sehr gut zu begehen. Anscheinend ist er vor kurzer Zeit von der „Senioren AG“ rechts- und linksseitig freigeschnitten worden. Der „Am Dicken Stein“ Straße folgend, erreichte man schließlich die Beerentalstraße und den Brunnen der „Freien Turner“ direkt über der Tennisanlage. Dabei handelt es sich um einen Brunnen mit „Ehrenhain“, zum Gedenken an die gefallenen Mitglieder der ehemaligen „Freien Turnerschaft“ im Ersten Weltkrieg. Diese Sportgemeinschaft wurde 1906 gegründet und im Jahre 1933 in Folge der Machtübernahme der Nazis verboten. Nach dem Zweiten Weltkrieg schlossen sich die „Freien Turner“ dem im Jahre 1946 neu gegründeten „Turn- und Sportverein“ an. Das Gelände der „Freien Turner“ wurde oft zur Aufführung des historischen Geißbockspiels und nach dem Zweiten Weltkrieg hauptsächlich als Campingplatz genutzt. Im Jahre 1981 ging das Gelände in Erbbaurecht an den neugegründeten Tennisclub über.

Der älteste Brunnen von Lambrecht

Nach weiterem talwärts Lauf auf der Beerentalstraße stand man am ältesten Brunnen von Lambrecht, dem „Sauerbrunnen“. Errichtet im Jahre 1600 als Heilquelle zählt er mit zu den ältesten Bauwerken von Lambrecht. Renoviert wurde er in den Jahren 1837 und 1921 und leider im Jahre 1957 verfüllt. Ab dem Jahre 1993 wurde er durch Eigenleistung sehr eifriger Anwohner mit Unterstützung von öffentlichen Institutionen sowie dem Verkehrsverein Lambrecht und sonstigen Gönnern restauriert. Am 7. April 1994 wurde die gesamte Brunnenanlage unter Denkmalschutz gestellt. Zu dieser Zeit hatte sich auch schon ein Förderverein, der „Sauerbrunnen-Denkmalpflege e.V.“, gegründet. Im Jahre 2000 war der rundum erneuerte Brunnen endgültig fertig und auch bezahlt. Aus dem „Sauerbrunnenverein“ ging im Jahre 2023 der „Förderverein Ehemalige Klosterkirche e.V.“ hervor und hat sich wie einst dieser der Förderung des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege verpflichtet.

Durch Lambrechter Straßen zur Einkehr zum Mittagessen

Nach der interessanten Zeitreise durch die Lambrechter „Brunnengeschichte“ und einem kurzen Schlusswort des Kulturwartes marschierte man durch die Lambrechter Straßen zur Einkehr in die Pizzeria Labella in der Hauptstraße. Anschließend ging es gestärkt und mit vollem Elan zur Mitgliederversammlung.

Quellenangabe: Der Schreiber dieser Zeilen hat sich auszugsweise an den ausführlichen Berichten und Informationen aus der Dokumentation auf der Homepage der Naturfreunde, aus dem Heimatheft von Gerald Lehmann und aus der Ortschronik „1000 Jahre Lambrecht“ bedient.