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Talpost Lambrecht
Ausgabe 25/2022
Lokalspitze
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Heckenrosen

Wenn sie auch hier und dort in besonders warmen Gegenden wie an der Weinstraße und in Tälern des Pfälzerwaldes früher aufbrechen, so fällt doch die Hauptblüte der Heckenrosen in die Wochen des hohen Sommers. Und wenn wir die wilden Rosen da an Mauern und Zäunen, am Waldrand und an den Feldrainen blühen sehen, dann sind sie für uns der Inbegriff von Sonnenschein und sommerlicher Wärme. Es ist nicht leicht, die Heckenrosen zu pflücken -gehören sie doch auch zu jenen Blumen, die man eigentlich lieber dort lassen sollte, wo sie wachsen, die, ganz im Gegensatz zu ihren vornehmen Schwestern, den Blumenköniginnen, in der Vase niemals ihre volle Schönheit entfalten können. Im Zimmer vergeht die Frische und Ursprünglichkeit der Heckenrosen - Hecken und Zäune sind ihre Heimat, und dort verschenken sie sich in nimmermüder Blütenpracht. Nur kurz ist das Blumenleben der einzelnen Blüte. Es beginnt im Morgentau; um die Mittagszeit sind die Kelche weit geöffnet, und schon am Abend fallen die feinen Kelchblätter sacht ins Gras. Man weiß nicht genau, ob Johann Wolfgang von Goethe mit seinem Gedicht vom Heideröslein, das als Volkslied unsterblich wurde, diese rosafarbenen Blüten gemeint hat. Die unberührte Zartheit der Heckenrose aber deutet darauf hin …