Seniorenhaus "Lambrechter Tal". Foto: Talpost
Abbruch Möbel Henz in der Klostergartenstrasse. Foto: Archiv Talpost
Foto: Archiv Talpost
Rauchsäule über dem Rohbau des Seniorenhauses. Foto: Archiv Talpost
Löscharbeiten der Feuerwehren. Foto: Archiv Talpost
Lambrecht. (Werner Dietrich) Mit einem Festakt am Mittwoch, 17. Juni 2026, beging das AWO-Seniorenhaus „Lambrechter Tal“ in der Klostergartenstraße sein 20-jähriges Bestehen (ein Bericht wird in der nächsten Ausgabe der Talpost erscheinen). Die offizielle Übergabe des Neubaus erfolgte am 03. März 2006. Das Altenheim in der Gartenstraße wurde aufgegeben, und die Bewohner zogen in den Neubau im Stadtzentrum von Lambrecht. Anlässlich des Jubiläums hat die Redaktion der Talpost die Entstehung des neuen Gebäudes recherchiert.
Generalsanierung oder Neubau in der Stadtmitte?
Bereits 2003 plante die AWO als Träger des Altenheims in der Gartenstraße einen Neubau, da das 1972 errichtete Gebäude dringend saniert und modernisiert werden müsse. Der Vorstand des AWO-Bezirksverbands Pfalz schloss eine umfassende Sanierung des alten Standortes noch im Jahr 2003 kategorisch aus und konzentrierte sich zunächst auf einen Neubau. Später zeigte sich jedoch, dass der Neubau mit rund 12 Millionen Euro veranschlagt war; daraufhin wurde dieser Plan offenbar aufgegeben und stattdessen eine Sanierung des Bestandsgebäudes erwogen. Die Gesellschaft für Sozialimmobilien „Projekta“ sollte die Sanierung zu einem garantierten Festpreis durchführen. Die Sanierung war mit etwa 8 Millionen Euro veranschlagt, zuzüglich der Kosten für die Unterbringung der Bewohner während der Umbauphase, die mit 16 bis 18 Monaten angesetzt war. Geplant war eine vollständige Entkernung, sodass nur die Außenmauern erhalten bleiben sollten.
Unterstützung für einen Neubau durch Stadt und Verbandsgemeinde
Die Stadt Lambrecht reagierte enttäuscht auf den zunächst zurückgezogenen Neubau, weil für die Klostergartenstraße bereits der Bebauungsplan geändert worden war – eine Maßnahme, die mit 25 000 Euro zu Buche schlug. Der damalige Stadtbürgermeister Michael Stöhr und der Verbandsbürgermeister Herbert Bertram äußerten sich jedoch zuversichtlich, dass unter den neuen Vorzeichen einer Sanierung der Erhalt des Altenheims in Lambrecht gesichert werde. Es hieß aber auch, dass die Finanzierung bis März 2004 geregelt sein müsse; andernfalls würde die AWO den Standort Lambrecht aufgeben. Für die Stadt wäre damit auch die Option auf die beiden Grundstücke in der Klostergartenstraße hinfällig gewesen, sodass über eine alternative Nutzung der Fläche nachgedacht werden müsste. Anfang 2004 beschäftigte das Altenheim 115 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Im Mai 2004 lagen weiterhin keine konkreten Planungen der AWO vor. Bei einem Besuch des Ministerpräsidenten Kurt Beck bei einer SPD-Veranstaltung in Lambrecht nutzte Bürgermeister Stöhr die Gelegenheit, Beck um Unterstützung beim lange geplanten Bau eines neuen Seniorenheims im Stadtzentrum zu bitten. Trotz intensiver Unterstützung durch Stadt und Verbandsgemeinde kamen die Planungen zunächst nicht voran. Kurz darauf wurde in einer Stadtratssitzung ein erster Planungsentwurf vorgestellt: vier Stockwerke mit der Möglichkeit, bei Bedarf später auf ein fünftes Stockwerk aufzustocken.
Startschuss für Neubau
Am 30. Juni 2004 gab der AWO-Bezirksverband Pfalz den offiziellen Startschuss für den Neubau des Seniorenhauses „Lambrechter Tal“. Das viergeschossige Gebäude war mit 138 Pflegeplätzen geplant und sollte bis Spätherbst 2005 fertiggestellt werden. Damit war der Fortbestand eines Seniorenhauses in Lambrecht für die Stadt und die Verbandsgemeinde endgültig beschlossen. In der ersten Juliwoche 2004 wurde das Projekt offiziell vorgestellt; der damalige AWO-Bezirksvorsitzende Klaus Stalter erläuterte die geplanten Details. In drei Wohnbereichen in den drei Obergeschossen waren jeweils 46 Pflegeplätze vorgesehen. Im Erdgeschoss sollten Speisesaal, Cafeteria und eine große Gartenterrasse sowohl den Bewohnern als auch den Lambrechter Bürgern zur Verfügung stehen. „Mit dieser Öffnung der Einrichtung soll eine noch stärkere Einbindung in das gemeindliche Leben der Stadt erreicht werden“, hieß es. Die Kosten des Neubaus wurden damals mit 9,5 Millionen Euro angegeben. Landrätin Sabine Röhl erinnerte an die Errichtung des ersten Altenheims in der Gartenstraße, das vom Landkreis Neustadt erbaut und 1972 im Zuge der Kreisreform und der Einführung der Verbandsgemeinden an den Kreis Bad Dürkheim und die AWO übertragen worden war. Die Verbandsgemeinde Lambrecht sicherte eine Bankbürgschaft von 900 000 Euro zu, die Stadt Lambrecht eine Bürgschaft von 100 000 Euro. Zudem wurde bekannt, dass bereits zehn Jahre zuvor über eine Generalsanierung des alten Hauses gesprochen worden war.
Zwischenzeitlich hatte sich das Land Rheinland-Pfalz aus der Förderung beim Bau von Pflegeeinrichtungen zurückgezogen; die AWO musste die Finanzierung schließlich selbst tragen. Nach Ablehnung durch die Sparkasse Rhein-Haardt übernahm die Evangelische Darlehensgenossenschaft in Kiel die Finanzierung.
Am 29. November 2004 begannen die Abrissarbeiten der Altbauten in der Klostergartenstraße. Die beiden Grundstücke der Familien Henz und Collofong waren zuvor in das Eigentum des Bauträgers übergegangen. Den Auftrag für die schlüsselfertige Erstellung erhielt die Firma Bilfinger-Berger AG aus Mannheim. Im Januar 2005 wurden die Erdarbeiten durchgeführt; in der zweiten Januarhälfte war die Fundamentlegung vorgesehen. Der Bauzeitplan sah die Bezugsfertigkeit und Besitzübergabe zum 31. Dezember 2005 vor.
Großbrand auf dem Dach des Rohbaus
Am 1. Juli 2005 ereignete sich ein Großbrand auf der Baustelle: Ein dichter schwarzer Rauchpilz verdunkelte den Himmel über der Stadtmitte. Gegen 16.15 Uhr stieg aus dem Lambrechter Zentrum dichter, bräunlicher Rauch auf, der sich rasch verstärkte und wegen starken Westwinds Richtung Osten zog. Auslöser war ein Brand auf der Dachfläche des Rohbaus: Bei Verlegungsarbeiten mit Bitumenbahnen platzte offenbar die Schlauchleitung zu einer Propangasflasche; in der Folge explodierte eine 33-Kilo-Gasflasche und entzündete die Bitumenbahnen. Löschversuche der Bauarbeiter scheiterten zunächst. Betroffen waren etwa 220 Quadratmeter Dachfläche; unklar war zunächst, ob die darunterliegende Stahlbetondecke beschädigt war. Insgesamt waren rund 80 Feuerwehrleute sowie das DRK im Einsatz; die Wehren aus Frankeneck, Neidenfels und Lindenberg unterstützten mit einer Wasserversorgung aus dem Speyerbach. Aus Neustadt wurden ein weiteres Tanklöschfahrzeug und eine Drehleiter angefordert, die jedoch nicht mehr zum Einsatz kamen. Das Feuer konnte relativ schnell gelöscht werden.
Trotz des Brandes konnte bereits am 28. Juli 2005 nach Fertigstellung des Rohbaus das Richtfest gefeiert werden. AWO-Geschäftsführer Hans-Werner Kienitz erklärte, dass noch kurz vor Weihnachten 2005 Musterzimmer eingerichtet würden und Interessenten an besonderen Schautagen informiert werden könnten. Umfangreiche Untersuchungen hatten am Brandort keine baulichen Schäden am Gebäude ergeben, sodass der Zeitplan eingehalten werden konnte.
Am Montag, den 20. Februar 2006, begann mit Unterstützung des DRK der Umzug der 104 Bewohner des AWO-Altenheims in der Gartenstraße in das neue Seniorenhaus „Lambrechter Tal“ in der Klostergartenstraße. Der Umzug war gut vorbereitet; Fahrzeuge aus anderen pfälzischen AWO-Häusern standen zur Verfügung, und Angehörige unterstützten tatkräftig. „Es hat alles wunderbar geklappt“, betonte der damalige Direktor des Seniorenhauses, Ronald Wohlfahrt. Bereits am 18. Februar war der Mobile Dienst der AWO unter der Leitung von Petra Rapp umgezogen. Das komplette Mobiliar sowie die Einrichtungsgegenstände aus Küche, Speisesaal und Bewohnerzimmern des alten Hauses wurden an drei bedürftige Krankenhäuser in Rumänien gespendet. Über die weitere Nutzung oder den möglichen Abriss des alten Gebäudes wurde zu diesem Zeitpunkt noch beraten.
Die offizielle Übergabe des Neubaus erfolgte am 3. März 2006 durch die damalige Sozialministerin Malu Dreyer im Rahmen einer Eröffnungsfeier mit zahlreichen geladenen Gästen.