Lambrecht. (Werner Dietrich) Der Lambrechter Stadtrat befasste sich in seiner Sitzung am 30. Juni 2026 mit der Sanierung der Hermann-Schneid-Brücke. In der Beschlussvorlage zu diesem Tagesordnungspunkt steht „Die Stadt Lambrecht beabsichtigt die Erneuerung der Übergangskonstruktion an der Brücke. Hierzu gingen der zentralen Vergabestelle am 09.06.2026 die entsprechenden Ausschreibungsunterlagen zu. Die Ausschreibung wurde am 11.06.2026 entsprechend VOB/A veröffentlicht bzw. es wurden drei geeignete Unternehmen aufgefordert ein Angebot abzugeben. Die Kostenschätzung liegt bei ca. 71.000,00 € brutto. Der Submissionstermin findet am 26.06.2026 statt. Im Anschluss müssen die Angebote von der Vergabestelle und dem beauftragten Ingenieurbüro geprüft und ausgewertet werden. Da die notwendigen Arbeiten im August und September 2026 ausgeführt werden sollen, ist es erforderlich bereits im Vorfeld eine Generalvollmacht zur Auftragsvergabe des Stadtrates einzuholen, ansonsten müsste nach Abschluss der Prüfung und Wertung der Angebote eine weitere Stadtratssitzung einberufen werden, um den Auftrag zu vergeben.“
Die Stadtratssitzung wurde aufgrund der Dringlichkeit einer Auftragsvergabe einberufen. Die Beigeordnete Tanja Bundenthal-Beck (FWG) erläuterte zu diesem Tagesordnungspunkt, dass das in der Tischvorlage Beschriebene nicht mehr aktuell sei: Es solle heute keine Auftragsvergabe erfolgen, da die Submission gezeigt habe, dass die Sanierung nicht wie geschätzt 71.000 Euro, sondern 160.000 Euro koste. Die Verwaltung empfehle deshalb, das Vergabeverfahren aufzuheben. Da die Sanierung jedoch dringend durchgeführt werden müsse, empfiehlt die Verwaltung, schnellstmöglich eine erneute Ausschreibung zu veranlassen und einzelne Positionen herauszunehmen. Dies stehe jedoch unter dem Vorbehalt der Genehmigung durch die Kommunalaufsicht.
Robert Westerberger (CDU) fragte, ob die Sanierung der Stelle bereits 2017 vorgenommen worden sei. Die für Bau zuständige Beigeordnete, Bundenthal-Beck (FWG), erklärte, dass damals in kleinem Umfang versucht worden sei, die Brücke zu reparieren, dies aber nicht den gewünschten dauerhaften Effekt erzielt habe. Damals hätte man die umfassende Reparatur durchführen müssen, so Bundenthal-Beck.
Westerberger fragte, ob das Ingenieurbüro die anstehende Reparatur nicht im Bauausschuss vorstellen könne. Er begründete seinen Wunsch damit, dass es sich um eine hohe Summe handele und die Sanierung deshalb im Ausschuss detailliert vorgestellt werden solle. Bundenthal-Beck lehnte dies ab und verwies darauf, dass der Grundsatzbeschluss zur Sanierung bereits lange vorliege; jetzt sei allein die Kostensteigerung der Anlass für ein neues Ausschreibungsverfahren. Sie bot jedoch an, eine Zusammenfassung des Ingenieurbüros im Rat oder Ausschuss zu präsentieren, damit auch neue Gremienmitglieder informiert sind. Zur hohen Kostensteigerung merkte Bundenthal-Beck an, dass ursprünglich nur ein Angebot eingegangen sei; jetzt würden mehrere Firmen angeschrieben, um die tatsächlichen Sanierungskosten zu ermitteln.
Cinja Heraucourt (Grüne) erkundigte sich nach dem Unterschied zwischen der damaligen Reparatur und der jetzt geplanten Sanierung. Bundenthal-Beck erklärte, das Verfahren von 2017 sei mit dem jetzt geplanten nicht vergleichbar gewesen; man habe damals bereits gewusst, dass die Reparatur nicht von Dauer sein würde. Im weiteren Verlauf betonte sie mehrfach die Dringlichkeit: Gelange weiterhin Regenwasser in die betroffenen Stellen, würde die Korrosion voranschreiten und die Brücke im schlimmsten Fall wegen Einsturzgefahr komplett gesperrt werden. Zur Frage der hohen Kosten wies Bundenthal-Beck darauf hin, dass eine Sanierung im Haushalt 2026 besser sei als eine Verschiebung auf 2027.
Hanne Hartmann (SWG) schloss sich dem Vorschlag an, die Ausschreibung neu durchzuführen und die Sanierung anzugehen. Zudem warf sie der CDU-Fraktion Fehler bei der damaligen Sanierung vor und sagte, wäre diese ordentlich ausgeführt worden, läge das jetzige Problem nicht vor.
Nach etwa einer halben Stunde Problemskizzierung und Diskussion beschloss der Stadtrat die Neuausschreibung mit 8 Ja-Stimmen, 2 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen.