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Talpost Lambrecht
Ausgabe 3/2026
Neidenfels
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Neidenfelser Neujahrsempfang 2026: Großprojekt Schimpf’sches Haus

Neidenfels. (af) Zum traditionellen Neujahrsempfang der Gemeinde am 9. Januar 2026 lud die Ortsbürgermeisterin Sybille Höchel in eine gut gefüllte Sporthalle ein. Sie nutzte den Abend für einen umfassenden Rück- und Ausblick auf das Dorf, das mit der millionenschweren Sanierung des Schimpf’schen Hauses ein historisches Großprojekt vor sich hat, aber gleichzeitig um den Erhalt der Kerwe kämpfen muss. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung vom Männerchor Neidenfels unter der Leitung von Peter Batzler. Als das zentrale Projekt und zugleich die größte Herausforderung für das Jahr 2026 stufte Höchel die Sanierung des Schimpf’schen Hauses ein. Sie charakterisierte das historische Gebäude als eine ‚Wunderkiste‘ vollerUnwägbarkeiten. So schlug die Freude über den Fund historischer Wandmalereien rasch in Ernüchterung um, als die daraus resultierenden Denkmalschutzauflagen die Kosten auf rund 2,9 Millionen Euro trieben. Die Finanzierung dieses Mammutprojekts steht dank massiver Unterstützung von Land und Bund nun auf einem soliden Fundament. Die Gesamtkosten werden durch hohe Förderungen des Bundes (650.000 €) und des Landes aus dem Investitionsstock (1.667.000 €) unterstützt. Höchel verschwieg dabei nicht den politischen Preis dieses Erfolgs: Durch die hohe Fördersumme für Neidenfels gingen die Nachbargemeinden Lindenberg, Weidenthal und Elmstein bei der Vergabe aus diesem Topf „leer aus“. Den Eigenanteil der Gemeinde von 500.000 € plant der Rat auch durch den Verkauf des jetzigen Bürgerhauses zu finanzieren. Höchel begründete diesen Schritt damit, dass das Gebäude „nicht barrierefrei“ sei und ebenfalls einen erheblichen „Sanierungsstau“ aufweise, dessen Behebung ebenfalls hohe Kosten verursachen würden. Nach Abschluss der Arbeiten soll das Schimpf’sche Haus als neues, multifunktionales Zentrum des Dorfes dienen und das Bürgermeisterbüro, ein Jugendzentrum, einen kombinierten Rats- und Trausaal, das historische Archiv sowie einen Teil des Papiermachermuseums beherbergen. Um dem Eindruck entgegenzuwirken, alles Geld fließe nur in ein einziges Projekt, verwies die Bürgermeisterin auf ein weiteres Förderprogramm. Mit diesen Mitteln sollen eine neue, auch im Freien nutzbare Bühne für die Halle angeschafft, ein barrierefreier Zugang zur Sporthalle geschaffen und der Bürgerplatz aufgewertet werden.Die besondere Wertschätzung für das Vorhaben wurde dadurch unterstrichen, dass Innenminister Michael Ebling erst zwei Tage zuvor den Förderbescheid persönlich übergeben hatte – eine große Auszeichnung für die kleine Gemeinde. Zu den positiven Nachrichten zählte auch der lang ersehnte Umzug der Kindertagesstätte „Abenteuerland“ in ihre neuen Räumlichkeiten, der vor wenigen Tagen vollzogen wurde. Der Waldspielplatz soll voraussichtlich im Frühjahr 2026 fertiggestellt werden, sobald die Abnahme durch den Spielplatz-TÜV erfolgt ist. Gleichzeitig äußerte die Bürgermeisterin eine große Sorge bezüglich der Neidenfelser Kerwe, die 2025 erstmals keinen Gewinn erwirtschaftete. Grund war, neben schlechtem Wetter, auch ein akuter Mangel an freiwilligen Helfern. Höchel appellierte eindringlich an die Bürger: „Zwei, drei Stunden helfen, das muss doch drin sein.“ Sie betonte, dass der Gewinn der Kerwe direkt den Vereinen zugutekomme und das Fest ein unverzichtbarer Bestandteil des dörflichen Lebens sei. Dank und Anerkennung für herausragendes Engagement Ein Höhepunkt des Abends waren die Ehrungen für Bürger, die sich in herausragender Weise für die Gemeinschaft eingesetzt haben. Besonderer Dank galt Wolfgang Borner für seine unermüdliche Vorarbeit am Schimpf’schen Haus, wo er unzählige Stunden mit dem Freilegen des Gebälks und dem Entfernen alter Böden verbrachte. Gerhard Kessler wurde für seine akribische und geduldige „Sisyphusarbeit“ bei der Freilegung der Wandmalereien geehrt. Für sein 25-jähriges Dienstjubiläum wurde zudem Gemeindearbeiter Thomas Dennerle geehrt.

Fotos von André Faßbender