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Talpost Lambrecht
Ausgabe 3/2026
Neidenfels
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Ein Hof mit Geschichte: Das Schimpf'sche Haus

Altes Fachwerkhaus in Neidenfels um 1919 - Quelle Kunstdenkmäler in Rheinland-Pfalz Ausgabe 1926

Das Schimpf'sche Haus 2026 - Foto Harald König

Zeichnung von Ernst Traub 1980 - Gemeindearchiv Weidenthal

Neidenfels. (hk) Das reizvolle Fachwerkhaus am Südausgang des Ortes, bekannt als Schimpf’sches Haus, zählt zu den bedeutendsten historischen Bauwerken der Gemeinde und blickt auf eine lange Geschichte zurück. Ursprünglich war der Hof als kurfürstlich-pfälzischer Erbbestandshof bekannt und trug den Namen Zwerlenbacher Hof. Er entstand im Jahr 1737gegenüber der Mündung des Zwerlenbachtals. Bereits seine Lage verdeutlicht die besondere Bedeutung, die man dem Anwesen einst beimaß. Das Wohnhaus wurde hochparterre auf einem massiven Sandsteinsockel errichtet, um einen geräumigen Keller zu schaffen. Mit zwei Geschossen, Fachwerk im Obergeschoss und einem mächtigen Dach entspricht es dem Typ eines wohlhabenden bäuerlichen Hofes des 18. Jahrhunderts. Wohnhaus, Scheunen, Ställe und Nebengebäude waren nach fränkisch-alemannischer Art um einen geschlossenen Innenhof gruppiert, der durch eine hohe Mauer und ein großes Tor gesichert war. Diese Bauweise verlieh dem Anwesen ein nahezu festungsartiges Erscheinungsbild. Im Obergeschoss ist das barocke Fachwerk bis heute gut erhalten. An den tragenden Balken finden sich typische Holzfiguren, wie sie für diese Zeit charakteristisch sind. Einer der Eckpfosten trägt die Jahreszahl 1737. Hinter dem Wohnhaus schließt sich eine Scheune aus Bruchstein mit gewölbtem Keller und einem sogenannten Krüppelwalmdach an. Spätere Umbauten haben hier allerdings das ursprüngliche Erscheinungsbild teilweise verändert. Die ehemalige Stallung und der Gewölbekeller gingen in den Besitz des Männergesangvereins Neidenfels über, der diese Gebäudeteile 1987 nach eingehender Renovierung als neues Sängerheim einweihte. Auch das Gelände mit Vorplatz konnte dazu erworben werden. Das Schimpf’sche Haus selbst befindet sich hingegen im Eigentum der Gemeinde. Ein besonderer Blickfang ist das prachtvolle barocke Hoftor. Es stammt ursprünglich von einem herrschaftlichen Forsthaus, das 1744 errichtet und 1952 abgebrochen wurde. Das reich geschmückte Tor wird von steinernen Säulen gerahmt und von einem geschwungenen Giebel bekrönt. Darüber steht eine Statue des heiligen Johannes von Nepomuk, die heute leider kopflos erhalten ist. Wie in der Neidenfelser Ortschronik von Philipp Karch überliefert, schlugen Revolutionstruppen der Figur den Kopf ab. In der Hofmauer befindet sich zudem ein Wappenstein aus dem 16. Jahrhundert. In den Jahrzehnten nach der Errichtung wechselte der Hof mehrfach den Besitzer. Nach einer konfliktreichen Phase gelangte das Anwesen in ruhigere Hände. Besonders prägend war die Zeit unter dem mennonitischen Erbbeständer Christian Rocke, der ab der Mitte des 18. Jahrhunderts den Hof wirtschaftlich festigte und erheblich ausbaute. Trotz häufiger Kriegsdurchzüge, Einquartierungen von Truppen und allgemeiner Not gelang es ihm, Besitz und Vermögen stetig zu mehren. Der Hof entwickelte sich zu einem der wohlhabendsten Anwesen im Tal. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts veränderte der Bau der Staatsstraße das Umfeld des Hauses grundlegend. Ein großer Teil des Gartens ging verloren, dennoch blieb das Anwesen erhalten. 1828 erwarben Peter und Barbara Laubscher den Hof, später ging er in den Besitz von Valentin Schimpf über, nach dem das Gebäude bis heute benannt ist. Unter seiner Führung diente der Hof nicht nur als Wohnsitz, sondern zeitweise auch als Standort einer kleinen Wattefabrikation. Zudem befand sich im Anwesen ein Postzimmer, und die Postkutsche machte hier regelmäßig Station. Nach dem Verlust des ehemaligen Forsthauses gilt das Schimpf’sche Haus als der aufwendigste Bau des 18. Jahrhunderts im Ort. Bis heute prägt es das Ortsbild und erinnert eindrucksvoll an die geschichtliche, wirtschaftliche und kulturelle Bedeutung dieses besonderen Anwesens.