Fotos: Thomas Mann
Weidenthal. (Thomas Mann) Bei bestem Wanderwetter starteten die Teilnehmer am Sonntagmorgen um 10:00 Uhr am Kerweplatz in Weidenthal zur Fahrt nach Ramsen. Ziel war der malerisch im Stumpfwald gelegene Eiswoog, eine Landschaft, in der Natur, Eisenbahngeschichte und Industriekultur auf eindrucksvolle Weise zusammentreffen.
Bereits zu Beginn der Wanderung wusste Wanderführer Thomas Mann mit viel Hintergrundwissen zu begeistern. Ausgangspunkt war der Bereich des Stumpfwaldbahnhofs am Eiswoog. Von dort führte der Weg zunächst über die Straße und hinauf zum ehemaligen Haltepunkt Eiswoog am westlichen Ende des Eistalviadukts.
Besonderer Höhepunkt war die Geschichte des gewaltigen Eistalviadukts, das mit 271 Metern Länge und rund 36 Metern Höhe bis heute die längste Eisenbahnbrücke der Pfalz ist. Der Bau begann im September 1931, nach einer Bauzeit von nur 13 Monaten konnte die Brücke Ende Oktober 1932 fertiggestellt und im November 1932 für den Verkehr freigegeben werden. Erst mit diesem Bauwerk wurde die bereits seit den 1870er Jahren geplante und abschnittsweise errichtete Eistalbahn vollständig geschlossen – zuvor bestand über mehr als ein halbes Jahrhundert eine Lücke in der Strecke.
Beim Abstieg ins Tal eröffnete sich der Blick auf den Eiswoog. Viele Teilnehmer erfuhren hier erstmals, dass der Name nicht vom Eis des Winters stammt, sondern vermutlich von den reichen Eisenerzvorkommen der Region abgeleitet wurde. Bereits im Mittelalter wurde der ursprünglich natürliche See aufgestaut. Die Nonnen des Klosters Ramsen nutzten ihn als Fischweiher. Später erwarb der Eisenhüttenbesitzer Ludwig von Gienanth den damals noch „Eisenwoog“ genannten See und ließ ihn weiter ausbauen, um die Wasserkraft seiner Eisenwerke in Eisenberg zu sichern.
Heute erstreckt sich der Eiswoog als etwa sechs Hektar großer Stausee mitten im Stumpfwald. Die bewaldeten Ufer und die Ruhe des Gewässers lassen kaum erahnen, welche wirtschaftliche Bedeutung die Gegend einst besaß. Rund um den See wurde jahrhundertelang Eisenerz gewonnen und verarbeitet, bevor die Eisenbahn die Erschließung des Gebietes weiter vorantrieb.
Der weitere Weg führte über eine kleine Anhöhe zu den Fischweihern am Bockbach. Entlang des plätschernden Gewässers wanderte die Gruppe weiter und unterquerte die nächste Bahnbrücke. Dort standen historische Gruben- und Transportwagen, die an die Zeit erinnern, als Rohstoffe und Holz auf schmalen Gleisen durch den Stumpfwald transportiert wurden.
Nicht lange ließ die nächste Attraktion auf sich warten: Schon von weitem war das Pfeifen der Stumpfwaldbahn zu hören. Die beliebte Museumsfeldbahn verkehrt seit 1996 auf einer 600-Millimeter-Schmalspurstrecke durch den Stumpfwald. Ursprünglich verband die Strecke den Eiswoog mit dem Bockbachtal; seit ihrer Erweiterung im Jahr 2007 reicht sie bis an den Ortsrand von Ramsen.
Entlang der Trasse des „Stumpfwaldbähnchens“ führte der Weg zurück in Richtung Eistalviadukt. Wer mochte, konnte gemeinsam mit Wanderführer Thomas Mann den Anstieg zum östlichen Brückenkopf unternehmen. Von dort bot sich ein beeindruckender Ausblick über das gesamte Eistal. Unter den Wanderern lag der Eiswoog mit seiner Staumauer, den Fischweihern und dem traditionsreichen Seehaus Forelle. Gleichzeitig wurde die Dimension des gewaltigen Viadukts besonders deutlich. Thomas Mann verstand es dabei hervorragend, die Wanderung mit Geschichten aus der Eisenbahngeschichte, dem Erzabbau und der Entwicklung des Stumpfwaldes lebendig werden zu lassen. So wurde die Tour weit mehr als nur eine Wanderung durch eine schöne Landschaft – sie wurde zu einer Reise durch mehrere Jahrhunderte regionaler Geschichte.
Den gelungenen Abschluss fand der Wandertag bei einem gemeinsamen Mittagessen im Seehaus Forelle am Eiswoog. In geselliger Runde ließ man die vielen Eindrücke Revue passieren und war sich einig: Diese Wanderung verband Naturerlebnis, Heimatgeschichte und Gemeinschaft auf besonders schöne Weise.
Die nächste Wanderung unserer Ortsgruppe findet am Sonntag, den 23. August 2026, in Weidenthal statt. Treffpunkt: 10:00 Uhr - Kerweplatz. Im Anschluss an die Wanderung lassen wir den Tag bei unserem traditionellen Sommer-Grillfest der Ortsgruppe gemütlich ausklingen.
Zur Wanderung sind wie immer alle herzlich willkommen. Für die Teilnahme an der Wanderung ist keine Mitgliedschaft erforderlich.
Das anschließende Grillfest ist eine vereinsinterne Veranstaltung. Gäste und Nichtmitglieder, die gerne noch etwas mit uns zusammensitzen möchten, sind selbstverständlich willkommen und können sich gerne mit einer kleinen Spende oder einem Beitrag zum Buffet beteiligen. Wir freuen uns auf zahlreiche Wanderfreunde, schöne gemeinsame Stunden und einen erlebnisreichen Sommertag.