(WD) Lange Bearbeitungszeiten bei Bauanträgen sind vielerorts ein bekanntes Problem. Umfangreiche Unterlagen, steigende Anforderungen und fehlendes Fachpersonal stellen Bauämter zunehmend vor Herausforderungen. Ein Pilotprojekt in Thüringen zeigt nun, wie Künstliche Intelligenz (KI) künftig dazu beitragen könnte, Verwaltungsabläufe deutlich effizienter zu gestalten – ein Verfahren, das auch für andere Kommunen und Landkreise interessant werden könnte.
Seit Herbst 2025 testen die Landkreise Greiz und Saalfeld-Rudolstadt den Einsatz einer KI-gestützten Software zur Unterstützung von Baugenehmigungsverfahren. Ziel ist es, Sachbearbeiter von zeitaufwendigen Routinearbeiten zu entlasten und Genehmigungsprozesse zu beschleunigen. Entwickelt wurde das Pilotprojekt gemeinsam vom Thüringer Ministerium für Digitales und Infrastruktur sowie einem spezialisierten Softwareunternehmen.
Derzeit werden Bauanträge in vielen Behörden noch überwiegend in Papierform eingereicht. Je nach Bauvorhaben umfassen die Unterlagen zwischen zehn und weit über hundert Seiten mit Bauzeichnungen, Gutachten, Lageplänen und zahlreichen Formularen. Bevor ein Antrag überhaupt fachlich geprüft werden kann, müssen sämtliche Dokumente gesichtet, sortiert und auf Vollständigkeit kontrolliert werden.
Genau an diesem Punkt setzt die KI an. Nach dem Einscannen der Unterlagen erkennt die Software automatisch die verschiedenen Dokumententypen und ordnet sie den richtigen Kategorien zu. Was bislang manuell erledigt werden musste, kann so innerhalb kurzer Zeit digital vorbereitet werden.
In einem weiteren Schritt überprüft das System, ob alle erforderlichen Angaben vorhanden sind und die eingereichten Daten plausibel erscheinen. Fehlende Angaben oder Unstimmigkeiten können frühzeitig erkannt werden. Gleichzeitig unterstützt die Software die Einordnung des Antrags in das jeweils passende Genehmigungsverfahren. Die eigentliche Entscheidung über den Bauantrag bleibt jedoch weiterhin Aufgabe der zuständigen Mitarbeiter im Bauamt.
Langfristig soll die KI sogar beurteilen können, ob ein Bauvorhaben aus planungsrechtlicher Sicht grundsätzlich zulässig ist. Dafür benötigt das System allerdings umfangreiche digitale Geodaten und aktuelle Informationen zu Bebauungsplänen und Grundstücken. An dieser Stelle besteht derzeit noch Entwicklungsbedarf, da entsprechende Datengrundlagen vielerorts noch nicht vollständig verfügbar sind.
Fachleute sehen in der Technologie dennoch großes Potenzial. Gerade angesichts des zunehmenden Fachkräftemangels in den Verwaltungen könnten digitale Assistenzsysteme künftig dazu beitragen, Bearbeitungszeiten zu verkürzen und Mitarbeiter von wiederkehrenden Routineaufgaben zu entlasten. Die abschließende rechtliche Bewertung und Genehmigung würde jedoch auch künftig in den Händen der zuständigen Behörden bleiben.
Sollte sich das Pilotprojekt in Thüringen bewähren, könnte ein solches Verfahren perspektivisch auch für Bauämter in Rheinland-Pfalz und anderen Bundesländern interessant werden. Voraussetzung dafür wäre allerdings eine weitgehende Digitalisierung der Bauanträge sowie der Ausbau digitaler Geoinformations- und Verwaltungsdaten. Für Kommunen könnte dies ein wichtiger Schritt sein, um Bauverfahren künftig schneller, transparenter und effizienter abzuwickeln.