Bürgermeister Ohler und Beigeordnete Bundenthal-Beck auf dem Weg zum Ausgraben der Kerwe
Öffizielle Eröffnung mit Ausgraben der Kerwe in der Mühlstraße. /v.l.) Kerwebub Niklas Brombacher, Kerweredner Markus Kern, Bürgermeister Andreas Ohler, Beigeordnete TTanja Bundenthal-Beck
Die Kerwejugend 2026
Kerweredner Markus Kern auf dem Balkon Haus der Vereine.
Lambrecht. (Werner Dietrich) Vier Tage lang stand die Tuchmacherstadt ganz im Zeichen ihrer traditionellen Gäßbock-Kerwe. Von Freitag, 31. Juli, bis Montag, 3. August, wurde auf dem Kerweplatz auf der Friedrich-Ebert-Brücke – oder, wie die Lambrechter sagen, „uff de Brigg“ – ausgelassen gefeiert. Mit einem abwechslungsreichen Programm aus Musik, Unterhaltung und bewährten Traditionen zog die Kerwe zahlreiche Besucherinnen und Besucher aus Lambrecht und dem Umland an. Zu den Gästen zählte auch eine Delegation aus der französischen Partnerstadt Blainville, die wohl die weiteste Anreise hatte. Auch in der Klostergartenstraße und im Schulhof wurde das Kerwegeschehen mit verschiedenen Angeboten bereichert.
Ausgraben der Kerwe, Kerwebaumstellen und Freibier
Den traditionellen Auftakt bildete am Freitagabend das Ausgraben der Kerwe in der Mühlstraße. Angeführt wurde der Festzug von Stadtbürgermeister Andreas Ohler und der Beigeordneten Tanja Bundenthal-Beck, die gemeinsam den Kerwekorb trugen. Begleitet wurde die Zeremonie vom neuen – und zugleich alten – Kerweredner Markus Kern, der bereits vor elf Jahren in dieser Rolle zu erleben war. Mit viel Humor und Lokalkolorit führte er durch die Eröffnung und sorgte für beste Stimmung.
Spannend wurde es schließlich beim eigentlichen Ausgraben der Kerwe. Ziel war es, die zum Abschluss der letztjährigen Kerwe vergrabene Weinflasche wiederzufinden. Der Kerwebub Niklas Brombacher meisterte diese Aufgabe mit Bravour: Die Flasche wurde unversehrt geborgen, selbst die schützende Zeitung war nahezu vollständig erhalten. Gemeinsam wurde der Wein anschließend geöffnet und auf den Beginn der Kerwe angestoßen.
Nach der Zeremonie zog der Festzug weiter zum Herzog-Otto-Platz, wo bereits die Mitarbeiter des städtischen Bauhofs warteten. Ihnen galt an diesem Abend ein besonderer Dank. Neben dem Aufbau zahlreicher Buden hatten sie den Kerwebaum im Wald geschlagen, zum Festplatz transportiert und zudem erstmals die neue Veranstaltungsbühne aufgebaut – ein erheblicher zusätzlicher Arbeitsaufwand.
Unter dem Applaus der zahlreichen Zuschauer stellte die Kerwejugend den Kerwebaum in gemeinsamer Kraftanstrengung auf und befestigte ihn fachgerecht. Damit war eines der wichtigsten Symbole der Lambrechter Kerwe wieder an seinem Platz.
Zurück auf dem Festgelände folgte die offizielle Eröffnung mit dem traditionellen Fassbieranstich. Stadtbürgermeister Andreas Ohler setzte den Zapfhahn zunächst erfolgreich ins Fass. Doch unmittelbar danach sorgte ein kleines Malheur für Aufsehen: Der Zapfhahn brach ab, sodass zunächst nur ein dünner Bierstrahl floss. Dank eines kurzfristig beschafften Ersatzzapfhahns konnte die Situation jedoch schnell behoben werden, und dem Freibiergenuss stand nichts mehr im Wege.
Ökumenischer Gottesdienst am Kerwesonntag
Der Kerwesonntag begann mit einem ökumenischen Gottesdienst im Festzelt. Für eine besondere Note sorgte Pfarrerin Sarah Schulze, die ihre Predigt vollständig in Pfälzer Mundart hielt. Die ungewöhnliche Form kam bei den Gottesdienstbesuchern ausgesprochen gut an und wurde vielfach gelobt. Musikalisch wurde der Gottesdienst durch den protestantischen Posaunenchor Hambch-Winzingen unter der Leitung von Traugott Bauer.
Im Anschluss lud die Freiwillige Feuerwehr zum traditionellen Weißwurstfrühstück ein. Am Nachmittag öffnete zudem die Kaffeestube des Gesangvereins in der Turnhalle der Grundschule ihre Türen und bot den Gästen Gelegenheit zum gemütlichen Beisammensein.
Kerweumzug und Kerweredd
Höhepunkt des Sonntags war der Kerweumzug, der sich ab 14.30 Uhr von der Lambertusstraße aus durch die Stadt bewegte. Mit dabei waren die Kerwejugend, Vertreter der Stadtspitze mit einigen Ratsmitgliedern, die Gäste aus Blainville, das Fastnachtskomitee „Lambrechter Gäsböck“, die Jugend der SG Tal, ein originelles Gäßbock-Rettungsteam der Feuerwehr, der Pfälzerwaldverein Lambrecht sowie die Line-Dancer des TSV Lambrecht. Zahlreiche Zuschauer säumten die Straßen und spendeten den Teilnehmern viel Applaus.
Im Anschluss versammelten sich die Besucher vor dem Haus der Vereine zur traditionellen „Kerweredd“. Erstmals übernahm Markus Kern wieder diese Aufgabe. Zu Beginn wurde bekanntgegeben, dass sein Vorgänger Markus Bialas das Amt aus „persönlichen Gründen“ nicht mehr ausüben wollte. Kern, der zuletzt vor elf Jahren als Kerweredner aufgetreten war, knüpfte nahtlos an frühere Auftritte an und verstand es mit Witz, Charme und einem Augenzwinkern, die Geschehnisse des vergangenen Jahres aufzugreifen. In seiner in breitestem Pälzisch gehaltenen Rede streifte Kern diverse Themen und ging auch auf die politische Situation in Lambrecht ein. „Dass dieser Ort was Besonderes hat,
spürt mer potenziell in unserer Stadt. Mer henn vieles was es lebenswert macht, darunter Discounter en S-Bahn, es Brauchtum e Pracht.“ Das neueste Kapitel wäre in Lambrecht furios gewesen und zwar die städtischen Filmstudios, wie er es nannte. Im „Gäsbock-Movie-Park“ gäbe es viele Attraktionen und ein Besuch von diesem Park würde sich immer lohnen, denn ein Highlight würde das nächste jagen, wenn der Stadtrat in Lambrecht wieder tagen würde. Im ersten Saal mit geringem Eintrittspreis sorge die „Stadtrats-Muppets-Show“ für Feuer, wenn Bundenthal-Beck und Bürgermeister Ohler zanken würden. Im zweiten Saal wäre es krass. Denn dort zeige die FWG den Film „Wünsch dir was“, und als Vorfilm läuft die Doku, „wie man Friedhofswasser finden kann, worauf die CDU es knallen lässt“. Kern meint dazu es wäre ein Blockbuster „Einer gegen alle“. Die Opposition lehne sich zurück, präsentiert ihr Zuhause im Glück, doch das Beste käme noch - und meinte den „Big Brother Kita Containerbau auf dem Tuchmacherplatz“ für das Kita-Provisorium. Weiter führte Kern aus: „Drumherum ich find's ein Traum, baut der Bauhof noch einen hohen Zaun „mit em Schild ich find’s zum kichern, „Big-Brother-Kita….bitte nicht füttern“. Das alles ist Lambrecht, das alles sind wir, un ohne so G’schichte, ständ ich heut nicht hier“. Kern erzählte im weiteren Verlauf seiner Rede noch die Geschichte mit dem störrischen Geißbock bei dessen Auftritt am Heimatabend 2026, als er sich zunächst wehrhaft weigerte die Bühne zu betreten. Kerns pointierten Anmerkungen sorgten immer wieder für herzhaftes Lachen und großen Beifall.
Am Montagabend wurde schließlich die Kerwe zu Grabe getragen. Für die musikalische Unterhaltung der Kerwegäste sorgten am Freitag die Band AMPRA am Samstag die Band Timeless Tunes und am Montag die Band Memito.
So zeigte sich auch die Lambrechter Kerwe 2026 einmal mehr als Fest der Gemeinschaft, bei dem Brauchtum und Geselligkeit Hand in Hand gehen. Die gelungene Mischung aus traditionellen Höhepunkten, musikalischem Programm und ehrenamtlichem Engagement machte deutlich, warum die Kerwe für viele Lambrechterinnen und Lambrechter zu den wichtigsten Veranstaltungen des Jahres zählt. (Fotos: W.Dietrich)