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Talpost Lambrecht
Ausgabe 4/2026
Stadt Lambrecht (Pfalz)
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Tuchfabrik-Vorträge Teil 3

Stadt der Tuchmacher und Wiege einer Weltinnovation der Färbereitechnik

Lambrecht. Am Donnerstag, dem 29. Januar 2026 wird um 18 Uhr in den Räumen der Firma Jola Spezialschalter (Klostergartenstraße 11 in Lambrecht) der dritte „Tuchfabrik-Vortrag“ stattfinden. Otto Obermaiers Urenkel referiert über die Erfindung des legendären Färbeapparats und die Entwicklung der Firma Obermaier & Cie

Jolas Vorgänger-Unternehmen war die Tuchfabrik Gebrüder Haas, bei der vor vielen Jahrzehnten einmal ein Obermaier-Färbeapparat stand – eine Erfindung von Otto J. Obermaier. Dieser war um 1870 herum selbständiger Woll- und Garnhändler in Lambrecht. Seine wichtigsten Kunden waren die hier ansässigen Tuchfabriken. Während die Mechanisierung der Textilherstellung durch Spinnerei- und Webereimaschinen rasch voranschritt, steckte die Färberei in traditionellen, manuell geprägten Verfahren fest. Dies veranlasste Obermaier, gemeinsam mit einem Färbereifachmann nach Verbesserungsmöglichkeiten zu forschen. Erste Versuche und wichtige Entwicklungsschritte fanden in den Werken befreundeter Tuchmacher statt. Durch die am Ende erreichte und 1882 patentierte Innovation wurde der Färbeprozess revolutioniert bei deutlich gesteigerter Effizienz und Qualität. In Lambrecht gründete der Tüftler auf dieser Basis die Firma Obermaier & Cie, die später nach Neustadt an der Weinstraße umzog. Der Färbereimaschinenhersteller exportierte schon ab 1890 seine Anlagen in die ganze Welt. Das von Otto J. Obermaier entwickelte Färbeverfahren wird im Grundsatz noch heute weltweit angewandt.

Der Referent Dr. Otto W. Obermaier wurde 1950 in Neustadt an der Weinstraße geboren und absolvierte dort 18 Jahre später am Kurfürst-Ruprecht-Gymnasium sein Abitur. 1975 schloss er sein Studium an der Universität Karlsruhe (heute KIT) als Diplom-Wirtschaftsingenieur ab. Im Jahr 2018 promovierte er an der Universität Witten/Herdecke zum Dr. rer. pol.; sein Dissertationsthema lautete „Unternehmer als externe Beiräte“. Beruflich war er zunächst für 6 Jahre als Führungskraft bei der Obermaier & Cie. GmbH in Neustadt an der Weinstraße tätig, die im Färbeapparatebau mit 90 % Export weltweit in Neustadt, São Paulo und Indien (Lizenzproduktion) fertigte. Danach stieg er als Partner bei der Personalberatung Spencer Stuart in Frankfurt am Main ein, wo er 27 Jahre lang arbeitete und vorwiegend große Familienunternehmen in ganz Deutschland beriet. Seit 10 Jahren ist er als Senior Advisor für Familienunternehmen selbständig und konzentriert sich auf die Themen Beiräte und Nachfolge. Nachdem Familienunternehmen also seine gesamte professionelle Laufbahn begleitet haben, widmet er sich nun der Erforschung der Historie der von seinem Urgroßvater gegründeten Obermaier & Cie., über das ein Buch in Vorbereitung ist.

Im Anschluss an der Vortrag sind eine Diskussionsrunde sowie ein kleiner Sektempfang vorgesehen.

Der Beitrag ist Teil einer Vortragsreihe mit dem Titel „Textile Industriekultur – die Lambrechter Tuchmacherei als Augenzeuge der Industrialisierung, ihrer Voraussetzungen, Randerscheinungen und Folgen“ in der ehemaligen Tuchfabrik Gebrüder Haas, heute Sitz von Jola Spezialschalter. Die Reihe zeigt, wie sich aus dem handwerklichen Können wallonischer Glaubensflüchtlinge eine lebendige Arbeiterstadt entwickelte, in der im Zuge der Industrialisierung mechanische Spinnereien und moderne Volltuchfabriken entstanden. Die Beiträge greifen jeweils spezielle Themen auf, die sich nach und nach zu einem umfassenden Bild der Lambrechter Textilindustrie zusammenfügen. Getragen wird die Veranstaltungsreihe von Jola Spezialschalter, dem Weber-Museum Lindenberg und weiteren Partnern. Unter dem Leitmotiv „Zukunft braucht Historie, Fortschritt braucht Tradition“ soll sie dazu anregen, aus der Vergangenheit zu lernen, um Gegenwart und Zukunft bewusst und innovativ zu gestalten.

Einleitend wird Gastgeber Lars Mattil eine kurze Erläuterung zur Lambrechter Wirtschaftsentwicklung in den letzten Jahrhunderten bis heute geben. Im Anschluss an den Vortrag ist ein kleiner Sektempfang vorgesehen, der zu Gesprächen über das Gestern, Heute und Morgen einlädt.

„Motive aus der Lambrechter Tuchmacherei“

Bereits ab 17 Uhr findet auch dieses Mal eine begleitende Gemälde-Ausstellung mit dem Titel „Motive aus der Lambrechter Tuchmacherei“ satt. Die drei Künstlerinnen Marianne Mansmann aus Lambrecht (Pfalz), Martina Müller aus St. Martin und Petra Thullen aus Neustadt an der Weinstraße stellten schon mehrfach ihre Werke gemeinsam aus. Speziell für die Tuchfabrik-Vorträge haben sie „Motive aus der Lambrechter Tuchmacherei“ zusammengestellt. Gezeigt werden Bilder in Aquarell, Aquarell mit Tusche, Acryl sowie Cyanotypien. Die Motivation zu dieser Ausstellung kam durch die Verbundenheit zur Stadt Lambrecht und ihrer Tuchmachergeschichte. Die Alte Mühle in der Fabrikstraße und die Tür in der Mühlstraße begegneten Marianne Mansmann schon seit ihrer Kindheit, wurden ihr aber jetzt erst durch die Teilnahme an Gerald Lehmanns Führung „Auf Tuchmachers Wegen“ richtig bewusst. Der Besuch des Weber-Museums in Lindenberg brachten die Idee zum Malen der alten Webschule. Bei der Firma Jola Spezialschalter (ehemals Tuchfabrik Gebrüder Haas) schließlich führte der abschließende Weg einer Werksführung zum Ausgang durch ein überraschend grünes Fleckchen – Inspiration für das Motiv „Die grüne Lunge“. Ihre Kolleginnen zeigen weitere Motive, beispielsweise die ehemalige Trifels-Wäschefabrik und ein Stoff-Stillleben (Martina Müller) oder den Speyerbach und einen Lost Place (Petra Thullen).

Foto Nr. 2 Patent-Urkunde aus 1883

Fotos Nr. 3 und 4 Färbeapparate aus den 1930er Jahren

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