von Harald König
In alten Zeitungen blättern und herausfinden, was damals so los war – das klingt unglaublich spannend und weckt die Neugier auf vergangene Geschichten. Es geht dabei nicht um die Nachrichten von gestern, sondern um wirklich alte Artikel, die 100 Jahre und mehr zurückliegen. Was wurde damals über unsere Talgemeinden in der Zeitung berichtet?
Diesmal führt uns die Zeitreise ins Jahr 1922 nach Lambrecht. In den Münchner Neuesten Nachrichten vom 01.12.1922 wird über Ausschreitungen in Lambrecht berichtet.
Für diejenigen, die die Schrift nicht lesen können:
Ausschreitung in Lambrecht
Eigene Drahtmeldung
O.N.B Lambrecht (Pfalz), 30. Nov.
Zu schweren kommunistischen Ausschreitungen kam es gestern nachmittag in Lambrecht, wo sich große Tuchfabriken befinden. Wegen der Beteiligung an der Mißhandlung des Fabrikanten Helffrich in Neustadt schwebt gegen den Kommunisten Schicketanz ein Strafverfahren. Die Behandlung wegen Landfriedensbruch findet am 5. Dezember vor dem Schwurgericht in Zweibrücken statt. Schicketanz wurde daher gestern auf seiner Arbeitsstätte durch die Gendamerie verhaftet. Diese Verhaftung benutzten die Kommunisten von Lambrecht, das eine Hochburg der Pfälzer Kommunisten ist, zu großen Demonstrationen. Sie zwangen sämliche Betriebe zur Stillegung und zogen vor das Genarmeriegebäude, um den Verhafteten zu befreien. Da die geringe Anzahl der Gendarmen gegeüber dem Aufruhr der wilde Drohungen ausstoßenden Menge machtlos war, mußte sie den Verhafteten freilassen. Wie die kommunistische „Arbeiterzeitung“ meldet, sollen in Neustadt a.H. die kommunisten Kumpf und Weber, die sich ebenfalls wegen der Ausschreitungen gegen den Fabrikanten Hellfrich vor dem Schwurgericht zu verantworten haben, gestern verhaftet worden sein.
Was mit den Kommunisten Schicketanz, Kumpf und Weber geschehen ist, darüber habe ich in den alten Zeitungen nichts gefunden. Auch die Stadtchronik erwähnt den Vorfall nicht.