Auszug vom 24. Dezember 1918 aus dem Lohnbuch der Jahre 1916 bis 1920 von der Tuchfabrik Gebr. Haas mit erstmaliger Angabe von Betriebskosten für die Färberei
Lambrecht. (GL) In der Talpost-Ausgabe Nr. 50/2025 wurde über ein altes Lohnbuch der Jahre 1916 bis 1920 einer ehemaligen Lambrechter Tuchfabrik berichtet. Dabei stand speziell die darin erstellte Lohnabrechnung vom 24. Dezember 1918 im Fokus mit Auflistung der Tuchfabrikarbeiterinnen und Tuchfabrikarbeiter mit deren Namen. Leider waren erwünschte Rückmeldungen über diese nur spärlich, dennoch konnte noch Entscheidendes über das Lohnbuch herausgefunden werden. Insbesondere bzgl. seiner Herkunft, da dieses selbst keinen Hinweis darüber enthält.
So hat sich als ehemaliger Lambrechter dankenswerter Weise Erich Christmann aus Speyer zu Wort gemeldet und auf den im Lohnbuch angeführten Karl Balbian verwiesen als ehemaligen Betriebsleiter der Tuchfabrik Gebr. Haas, wo er selbst auch tätig war. Dieser wurde am 7.6.1877 geboren und entstammte einer Straßburger Familie. Ihr gehörte auch ein weiterer und wohl älterer Karl Balbian an, der Appreturmeister war und vor 1901 verstarb. Wegen der Namensgleichheit könnte es sich um den Vater unseres relevanten Karl Balbian gehandelt haben. Dieser verzog nach Abschluss seiner beruflichen Ausbildung 1906 mit Frau Helene (geb. Eberhardt) und Kind nach Aachen. Wegen Heimweh kehrte er jedoch bald wieder nach Lambrecht zurück, wo er später als Betriebsleiter bei Gebr. Haas tätig werden sollte.
Wann genau Karl Balbian von Aachen wieder nach Lambrecht zurück kam, wird leider nicht mitgeteilt wie ebenso wann genau er bei Gebr. Haas als Betriebsleiter anfing. Dass er nach seiner Rückkehr von Aachen erst später (siehe oben!) bei Gebr. Haas als Betriebsleiter anfing, klingt danach, als sei dies nicht unmittelbar nach der Rückkehr von Aachen erfolgt, sondern erst eine unbestimmte Zeit danach. Trotzdem lässt der Hinweis auf Karl Balbian auf eine Herkunft des Lohnbuches von der Tuchfabrik Gebr. Haas schließen.
Dies im Verbund mit einer anderen Nachricht betreffend die Färberei. Nach den Aufstellungen der Lohnkosten im Lohnbuch, erfolgten danach regelmäßig noch die weiteren Aufstellungen bzgl. der Betriebskosten für die einzelnen Betriebsteile. In der betreffenden Aufstellung vom 24. Dezember 1918 werden nach der Lohnabrechnung ebenfalls wie üblich die Betriebskosten angeführt, wobei diesmal erstmals auch diejenigen der Färberei aufgeführt werden. Letztere muss also in der Woche vor dem 24. Dezember 1918 erstmals in Betrieb gegangen sein, korrespondierend mit einer mehr allgemein gehaltenen Nachricht, dass Gebr. Haas 1918 eine Färberei eingerichtet hat.
Die Geschichte des Lohnbuches selbst ist über seine Herkunft und seinen Verwendungszweck hinaus recht spannend, ja sogar abenteuerlich. Dieses kam vor 25 Jahren in den Besitz von Gerald Lehmann, als diesem auf dem Parkplatz an der Färberstraße ein alt eingesessener Lambrechter mit dem Lohnbuch entgegen kam. Er habe dieses in einem großen Berg am Straßenrand entdeckt, zusammen mit vielen anderen Dingen, die zur Entsorgung bereitgestellt waren, gab er zur Kenntnis. Weil er beim Hineinschauen in das Lohnbuch den Namen seiner Mutter entdeckte, die (so wörtlich) in der Fabrik gearbeitet habe, entschloss er sich, das Buch an sich zu nehmen. Er führte weiter aus, dass er das Lohnbuch nun nach jahrzehntelangem Besitz jemandem überlassen wolle, der sich für die Geschichte interessiere. Damit übergab er das Lohnbuch an Gerald Lehmann, um gleich wieder zu gehen.
Und so nahm Gerald Lehmann das Buch in Verwahrung, um sich erst gründlicher damit zu befassen, als er sein Webermuseum in Lindenberg einzurichten begann und dabei feststellen musste, dass sich im Lohnbuch kein Hinweis auf dessen Herkunft befand. Für eine Nachfrage danach beim Vorbesitzer war es leider zu spät. Doch nun erscheint die Herkunftsfrage nach dem Lohnbuch hiermit geklärt.
Bild, Untertext: Auszug vom 24. Dezember 1918 aus dem Lohnbuch der Jahre 1916 bis 1920 von der Tuchfabrik Gebr. Haas mit erstmaliger Angabe von Betriebskosten für die Färberei (Foto Gerald Lehmann)