Lambrecht. (WD) Deutliche Worte, klare Appelle und ein realistischer Blick auf die kommenden Monate prägten den Neujahrsempfang der Stadt Lambrecht. Stadtbürgermeister Andreas Ohler begrüßte die zahlreichen Gäste aus Politik, Verwaltung, Kirchen, Vereinen und Ehrenamtlichen herzlich und übermittelte – auch im Namen der Beigeordneten Martina Wode-Buser und Tanja Bundenthal-Beck – die besten Wünsche für das Jahr 2026. Stadtbürgermeister Ohler machte gleich zu Beginn unmissverständlich klar: 2026 wird kein einfaches Jahr – aber eines, das Chancen bietet, wenn die Stadt zusammensteht. Ein Neujahrsempfang ist gleichermaßen Rückblick und Ausblick“, sagte er zu Beginn und schlug damit den Ton für eine Rede an, die bewusst nicht beschönigte. 50 Jahre Partnerschaft und ein Kulturerbe von landesweiter Bedeutung. Ein positives Signal setzte der Rückblick auf das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft zwischen Lambrecht und Blainville. Zwei Festakte in beiden Städten hätten gezeigt, wie lebendig diese Verbindung ist. „Wir haben Freundschaften gefestigt und neue geknüpft“, so der Bürgermeister. Für 2026 seien weitere gegenseitige Besuche bereits geplant. Mit sichtbarem Stolz verwies er zudem auf die Aufnahme des Lambrechter Geißbockbrauchtums in das Verzeichnis der immateriellen Kulturgüter. Eine Anerkennung, die laut Stadtspitze belege, „wie wertvoll unsere Traditionen für die Identität Lambrechts sind“. Brücke gesperrt, Zuständigkeit unklar: Geduld der Bürger gefragt Deutlich kritischer fiel der Blick auf die Infrastruktur aus. Die Brücke über den Speyerbach bei der Sattelmühle ist wegen Mängeln weiterhin auf 3,5 Tonnen begrenzt. Seit Monaten prüfe der Landesbetrieb Mobilität die Zuständigkeit. „Wir reden hier über eine wichtige Verbindung – zufriedenstellend ist die Situation für niemanden“, stellte der Bürgermeister klar. Um das Iptestal weiterhin erreichbar zu halten, wurde eine Rampe auf Neustadter Gemarkung errichtet – eine Übergangslösung, die zeigt, wie angespannt die Lage ist. Wildschweine in Wohngebieten: „Die Ursache liegt beim Menschen“ Einen der eindringlichsten Appelle richtete der Bürgermeister an die Bevölkerung mit Blick auf die zunehmende Wildschweineproblematik. Erfolgreiche Drückjagden im Dezember und Januar seien ein wichtiger Schritt gewesen – lösten das Problem aber nicht allein. „Dass Wildschweine in die Stadt kommen, ist die Folge menschlichen Handelns“, betonte er. Füttern, ungesicherte Mülltonnen und verwilderte Grundstücke verschärften die Situation. Seine klare Forderung an Grundstückseigentümer: Flächen räumen oder einzäunen. „Diese Aufgabe schaffen wir nur gemeinsam“, so der Appell, „mehr WIR statt Ich.“ Haushalt unter Druck: Nachtrag unausweichlich Auch finanziell stehe Lambrecht vor Herausforderungen. Zwar verfügt die Stadt über einen genehmigten Doppelhaushalt für 2025 und 2026, doch die veränderte Kreisumlage macht einen Nachtragshaushalt notwendig. „Schon jetzt ist klar, dass das Zahlenwerk so nicht mehr stimmt“, erklärte der Bürgermeister offen. Die Maßnahmen zur Erhaltung des Zunfthauses müssen noch in den letzten Jahresantrag aufgenommen werden. Stichtag wäre der 31. Januar. Die Stadt habe eine Fristverlängerung um 2 Monate erhalten. Der barrierefreie Ausbau des Busbahnhofs war für 2025 geplant, müsse aber nochmals in den Gremien behandelt werden. Zur Sperrung der Grabenstraße berichtete Ohler, dass dies ja bereits Thema beim Neujahrsempfang 2025 war, der Antrag beim Land auf Mittel aus dem I-Stock ist immer noch nicht entschieden. Betroffen zeigte sich der Bürgermeister über die Schließung des Unternehmens J.J. Marx zum Jahreswechsel. „Ein über 400 Jahre altes Unternehmen hat seine Tore für immer geschlossen“, sagte er. Ziel sei es nun, die frei werdenden Potenziale zu nutzen: „Ich arbeite daran, dass aus dieser Veränderung eine Chance für die Stadtentwicklung wird.“ Positiv hob er in diesem Zusammenhang die Bewilligung von 500.000 Euro aus dem Regionalen Zukunftsprogramm Rheinland-Pfalz hervor. Lambrecht im Fernsehen – und ein Appell an die Demokratie Für einen leichteren Moment sorgte der Rückblick auf die Teilnahme an der SWR-Sendung „Stadt-Land-Quiz“, die im Dezember ausgestrahlt wurde. „Viele haben dazu beigetragen, Lambrecht über die Region hinaus sichtbar zu machen“, bedankte sich der Bürgermeister, insbesondere bei Sylvia Zillich und Sarah Köngetter von Biosphärenreservat Pfälzerwald-Nordvogesen. Zum Abschluss richtete er den Blick auf die Landtagswahl am 22. März 2026 und verband diesen mit einem klaren Aufruf: Aktuell fehlen noch Wahlhelfer und bittet um Bereitschaft von Bürgerinnen und Bürger am Wahltag mitzuhelfen. Engagement sei keine Selbstverständlichkeit, aber unverzichtbar für das Funktionieren der Demokratie. Klare Botschaft zum Jahresbeginn Die Rede des Bürgermeisters Andreas Ohler zum Neujahrsempfang endete mit einer unmissverständlichen Botschaft: Lambrecht steht vor strukturellen, finanziellen und gesellschaftlichen Herausforderungen, doch mit Zusammenhalt, Verantwortungsbewusstsein und Engagement kann die Stadt sie bewältigen.
Nach einer weiteren musikalischen Einlage des Dudelsackspielers Marcus Gottwald gab ein Novum im Neujahrsempfang 2026. Bürgermeister Ohler bot den Vereinen und Initiativen in Lambrecht die Gelegenheit sich und ihre Projekte vorzustellen.
Christine Klein stellte für den Verkehrsverein das Immaterielle Kulturerbe vor. Der Versuch das Geißbockspiel in Immaterielle Kulturerbe aufzunehmen begann schon 2017 unter den damaligen Bürgermeistern Müller und Dörr. Erst in einem zweiten Anlauf wurde mithilfe des Heimatforschers Helmut Seebach eine erste Bewerbung erstellt und eingereicht. Es folgte eine Ablehnung mit der Begründung Kommunen können solche Anträge nicht federführend einreichen, aber Vereine, was letztendlich dann durch den Verkehrsverein Lambrecht und den Heimatfreunden Deidesheim und Umgebung erfolgte. Die NS-Zeit und deren Einfluss auf das Geißbockspiel sollte genau beleuchtet werden. Dabei halfen viele Unterstützer mit Recherchen. Allerdings wurde auch der 3. Antrag abgelehnt, da er zu ungenau wäre. Nach weiteren intensiven Recherchen wurde dann der 4. Antrag gestellt. Am 26.03.2025 erreichte dann die beiden beteiligten Vereine die Mitteilung der deutschen UNESCO Kommission über die Aufnahme der Geißbocktradition in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Am 19.11.2025 wurde schließlich im Schloss Saarbrücken in einem feierlichen Akt die entsprechende Urkunde an die beiden Städte Lambrecht und Deidesheim übergeben. Christine Klein übergab an diesem Abend der Stadt Lambrecht eine Kopie der Urkunde zum Aufhängen im Rathaus.
Die Feuerwehr Lambrecht betonte in ihrer Vorstellung die Wichtigkeit des Nachwuchses, um eine handlungsfähige Feuerwehr im Ort zu gewährleisten und warb auch für die Mitgliedschaft im Förderverein. Die Jugendfeuerwehr feiert 2025 ihr 25-Jähriges und der Förderverein 30-Jähriges Bestehen.
Die Initiative Streuobstwiesen stellte ihr Projekt in den Bohnenäckern vor und berichtete, dass mittlerweile 300 Bäume verschiedener Obstsorten dort gepflanzt wurden. Außerdem wurde auf die Wildschweinelage in den Streuobstwiesen und die nicht unerheblichen Schäden hingewiesen. Die Natur- und Umweltgruppe stellte ebenfalls ihre Projekte vor, u.a. am Eingangsbereich zum Friedhof in Lambrecht.
Die Senioren-AG wurde durch Gerhard Bialas vertreten. Die 10-köpfige Gruppe hat schon zahlreiche Wanderwege und Plätze im Lambrechter Wald freigelegt bzw. wieder begehbar gemacht. Genannt wurde u.a. der Bereich an der Grillhütte und die Wiederherstellung des „Metzmann-Brunnens“ in der Vodenseng. Auch hier wurde das Thema Schäden durch die Wildschweine angesprochen und mit Bildern belegt.
Der Gesangverein 1846 wurde durch die Vorsitzende Ingrid Thomas vorgestellt. Der am 01. September 1846 von 37 sangesfreudigen Männern gegründete Verein musste aufgrund sinkender Sängerzahl in den folgenden Jahren im Jahre 1994 den Chor auch für Frauen öffnen, um den Fortbestand des Vereins zu sichern. Momentan sind nur aktive Sängerinnen und Sänger im Chor. Ingrid Thomas appellierte an die Bürgerinnen und Bürger sich vielleicht in den Chor aktiv einzubringen und einfach mal in der Singstunde reinzuschnuppern.
Die Städtepartnerschaft mit Blainville wurde durch die Beigeordnete Martina Wode-Buser vorgestellt mit dem 50-jährigen Jubiläum im Jahre 2025 und gegenseitigen Besuchen. Sie betonte, dass neben den offiziellen Terminen sich mittlerweile ein Partnerschaftskreis auf privater Ebene gebildet habe und forderte Interessierte auf sich zu melden.
Silke Weißenmayer vom Pflegestützpunkt des Landkreises DÜW und die Gemeindeschwester plus Elke Weller beide mit Vertretung in Lambrecht beschrieben ihre Arbeit und das Angebot in beiden Institutionen.
Mit der Einladung zu Gesprächen, Getränken und Häppchen klang der Neujahrsempfang 2026 aus.