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Talpost
Ausgabe 50/2020
Lokalspitze
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Weihnachtssterne in Rot

Sie sind als Weihnachtssymbole eigentlich ebenso bekannt wie die flitternden, zackigen Gebilde, die ihnen den uns geläufigen Namen gaben. Aus den Schaufenstern der Blumengeschäfte glühen sie uns in tiefem Kaminrot entgegen, diese prachtvollen Gewächse, die in den letzten Jahren mehr und mehr in den Bestand unserer Zimmerpflanzen eingingen. Sie kommen aus weiter Ferne; ihre Heimat sind die heißen Gebiete der Neuen Welt, Südamerika und Mexiko. Die Gärtner nennen sie Pflanze Poinsette, mit dem Namen, den der Botaniker Graham zu Ehren ihres Entdeckers Poinsette im Jahre 1836 für sie prägte. Und die Wissenschaft der Botanik erwähnt den poetischen, volkstümlichen Namen Weihnachtsstern nur ganz am Rande und ordnet das seltsame Gewächs als Euphorbia pulcherrima in eine Unzahl versippter Pflanzen ein. Wir würden es dem Weihnachtsstern kaum ansehen, dass er zur Familie der Wolfsmilchgewächse zählt. Doch bei näherem Hinsehen verleugnet sich die Familienähnlichkeit nicht völlig. Was wir nämlich als eine riesengroße sternförmige Blüte halten möchten, sind wie bei den weniger vornehmen Mitgliedern der Wolfsmilchsippschaft nur Hochblätter, wenn auch schön gefärbte, die sich um die an und für sich recht unscheinbaren Blüten, die wir sonst kaum beachten würden, zu einer prächtigen Rosette gruppieren. Aber woher sie auch stammen mag und wie ihre Geschichte verlaufen ist – diese schöne Pflanze, die um Weihnachten blüht – zur Zeit, da in ihrer Heimat Hochsommer ist – kann uns selbst oder anderen, denen wir sie schenken, warme Farbe in die blassen winterlichen Tage bringen.