Oliver Brückom erklärt der Ministerin die ETCS-Technik im Führerstand des Labortriebwagens
Die Ministerin zeigt großes Interesse an den Messergebnissen
Die Ministerin mit Thomas Kayser (Hitachi, am Fenster) und Oliver Brückom (UEF, in der Tür) in Elmstein
Der Hitachi Forschungszug im Bahnhof Elmstein
Neustadt/Elmstein. (PM) Die rheinland-pfälzische Ministerin für Digitalisierung, Dörte Schall informierte sich über aktuelle Bahnforschungsprojekte, die von Hitachi Rail GST Deutschland GmbH auf der Kuckucksbähnel-Strecke im Elmsteiner Tal durchgeführt werden.
Der Besuch von Landesministerin Schall begann mit einem Besuch und einer kurzen Führung durch das Eisenbahnmuseum der Pfalz, bevor sie am Neustadter Hbf den zum Forschungslabor umgebauten Triebwagen von Hitachi bestieg. Hitachi Rail GST Deutschland GmbH ist die deutsche Tochter der japanischen Hitachi Rail Ltd, ein in weltweit 50 Ländern aktiven Unternehmens für Bahn- und Signaltechnologie. Hitachi nutzt die an Werktagen selten befahrene Kuckucksbähnel-Strecke zwischen Frankeneck und Elmstein zur Forschung und Erprobung neuer Eisenbahntechnologien, bezogen auf die Infrastruktur, aber auch auf Fahrzeugtechnik – u.a. für die Forschung am neuen digitalen Zugsicherungssystem ETCS (European Train Control System).
Während ein LKW mit dem gleichen Fahrer problemlos von den Niederlanden quer durch Europa bis nach Griechenland fahren kann, ist dies bei der Bahn heute nur mit größerem Aufwand möglich. Die technischen Anforderungen für LKWs, die Straßenverkehrsregeln und Verkehrszeichen sind in ganz Europa gleich, so daß der gleiche LKW mit einem Fahrer überall in Europa fahren kann. Dies ist bei der Bahn anders: Heute noch hat jedes Land seine eigene Signal- und Sicherungstechnik. Das bedeutet, dass an den Grenzen entweder Loks und Lokführer ausgetauscht werden müssen, oder Loks müssen mit allen unterschiedlichen Sicherungstechniken der Länder ausgerüstet werden, in denen sie fahren sollen. Das gleiche gilt für die Lokführer, die für jedes Land eine spezifische Ausbildung benötigen.
Mit einem europaweit einheitlichen ETCS lassen sich erhebliche Kosten sparen (eine Lok und ein Lokführer zugelassen für alle Länder), und Zugläufe müssen an den Grenzen nicht mehr unterbrochen werden. Das digitale ETCS bietet noch weitere Vorteile, da damit die Sicherheit erheblich erhöht wird und die Streckenkapazität erhöht werden kann. Durch das digitale Zugleitsystem entfällt auch das Aufstellen von Signalen – eine weitere Kostenersparnis.
Hitachi forscht im Elmsteiner Tal an ETSC Level 1 und 2 (mit und ohne Funkkontakt) und den dazugehörenden Loksteuerungssystemen. Dafür sind auf den Schwellen der Kuckucksbähnel-Strecke gelbe Balisen – Transponder, die beim Überfahren Daten an das Triebfahrzeug übermitteln – verlegt.
Weitere Forschungsschwerpunkte im Elmsteiner Tal sind:
Satellitengestützte Zugortung und -steuerung
Eine hochgenaue Ortung von Fahrzeugen ist essenziell für zukünftige Automatisierungsprojekte, beispielsweise für den fahrerlosen Betrieb (ATO). Eine reine Ortung mittels GPS ist hierfür bei weitem nicht ausreichend präzise und stößt insbesondere in Tunnelbereichen an ihre Grenzen. Daher wird an kombinierten Systemen gearbeitet, die Satellitendaten mit weiteren Sensor- und Referenzsystemen verbinden, um eine durchgehend hochgenaue Fahrzeugposition bestimmen zu können.
Hinderniserkennung
Ebenfalls notwendig für weitere Automatisierungsprojekte – aber auch zur allgemeinen Erhöhung der Sicherheit – sind Systeme, die Hindernisse im Gleis zuverlässig und teilweise sogar besser als ein Mensch erkennen können. Hierzu werden verschiedene Sensoriken wie Kamerasysteme, Radar, Lidar und weitere Technologien kombiniert. Ziel ist eine sichere Detektion sowie Klassifizierung von Objekten, unabhängig von Witterung, Lichtverhältnissen oder Umgebungsbedingungen.
Fernsteuerung von Zügen
Ein weiterer Forschungsbereich ist die Fernsteuerung von Zügen. Dabei wird untersucht, wie Züge über moderne Mobilfunknetze, beispielsweise 5G, aus einer Leitstelle oder Zentrale heraus sicher ferngesteuert werden können. Hierbei spielen neben der Übertragungstechnik insbesondere Aspekte wie Sicherheit, Redundanz und Latenz eine entscheidende Rolle.
Die Forschungsaktivitäten bzw. Fahrten werden hierbei in Kooperation mit dem pfälzischen Eisenbahnverkehrsunternehmen UEF (UEF Eisenbahn- Verkehrsgeselschafft mbH) mit Sitz in Germersheim durchgeführt.
Ministerin Schall war sehr interessiert und begeistert von der zukunftsweisenden Forschung, die sie im Elmsteiner Tal nicht erwartet hatte.
Weitere Infos unter www.eisenbahnmuseum-der pfalz.de