Der Verein Hilfe im Tal e.V. wurde durch die Mitgliederversammlung am 11.02.2026 aufgelöst. Diese Nachricht kam überraschend. Der Lindenberger Bürgermeister Carsten Kus (FWG) hat hierzu den nachfolgenden Text geschrieben.
„Wenn Engagement leise verschwindet
Mit großer Traurigkeit habe ich die Auflösung des Vereins „Hilfe im Tal e.V.“ https://www.hilfe-im-tal.eu zur Kenntnis genommen. Über mehrere Jahre hinweg haben engagierte Bürgerinnen und Bürger dort Menschen unterstützt, die unverschuldet in schwere Not geraten sind. Sie haben geholfen, wo Hilfe dringend gebraucht wurde, leise, zuverlässig und mit großem persönlichem Einsatz. Gerade die Unterstützung in Bezug auf den Wünschewagen, hat mich nachhaltig beeindruckt.
Umso schwerer wiegt die Tatsache, dass dieser Verein nicht aus Mangel an Aufgaben, sondern aus Mangel an Mitwirkenden und Bürokratie seine Arbeit beenden muss. Die Not ist nicht weniger geworden. Was fehlt, sind Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Zeit zu investieren.
Ich gestehe offen: Es fällt mir schwer, das nachzuvollziehen, aber natürlich muss Jeder für sich selbst entscheiden was er bereit ist zu geben.
Aber auch die immer weiter wachsenden Bürokratie bremst die Vereine ein und baut Frustration auf. Datenschutz, Dokumentationspflichten, komplizierte Förderanträge, steuerliche Vorgaben, die Liste ist lang. Für große Organisationen mag das zu bewältigen sein. Für kleine, rein ehrenamtlich geführte Vereine ist es oft schlicht überfordernd.
Es ist ehrlich gesagt eine Frechheit, wenn von politischer Seite immer wieder vom „Bürokratieabbau“ gesprochen wird, während Ehrenamtliche in der Praxis immer mehr Formulare ausfüllen und Auflagen erfüllen müssen. Hier erleben wir ein klares Versagen unserer Politik.
Wer tagsüber arbeitet und sich abends freiwillig engagiert, sollte seine Zeit nicht mit Aktenordnern und in Online-Portalen verbringen müssen. Jede Stunde am Schreibtisch fehlt dort, wo eigentlich geholfen werden soll, nämlich bei den Menschen.
Wir sprechen viel über gesellschaftlichen Zusammenhalt, über Solidarität und über Werte. Doch diese Werte leben nicht von Worten, sie leben von Menschen, die bereit sind, ein Stück ihrer eigenen Zeit für andere einzusetzen. Ehrenamt bedeutet Verzicht auf Freizeit, ja! Aber es bedeutet vor allem Mitmenschlichkeit.
Dass es zunehmend schwieriger wird, Mitstreiterinnen und Mitstreiter für solches Engagement zu gewinnen, erfüllt mich mit Sorge. Wenn wir als Gesellschaft die Bereitschaft verlieren, füreinander einzustehen, was bedeutet das für die kommende Generation? Wie wird das Leben unserer Kinder und Enkel aussehen, wenn Solidarität nicht mehr selbstverständlich ist? Kommende Feste werden wegfallen, Spielplätze geschlossen, Dörfer ihren Charme & Schönheit verlieren und Immobilienpreise werden sinken, wenn wir das nicht verhindern und selbst in die Hand nehmen.
Den bisherigen Ehrenamtlichen, herzensgute Menschen, gilt mein aufrichtiger Dank. Ihr Einsatz war ein starkes Zeichen für Menschlichkeit und Nächstenliebe.
Umso mehr freut es mich, dass einige bisherigen Mitglieder doch angekündigt haben, sich auch weiterhin im Rahmen ihrer Möglichkeiten einzubringen. Dieses persönliche Verantwortungsgefühl verdient großen Respekt. Es zeigt, dass Engagement nicht allein von Satzungen und Strukturen lebt, sondern von Haltung, Herz und der Bereitschaft, sich einzubringen.
Vielleicht ist dieser Abschied auch ein Weckruf. Denn eine Gemeinschaft funktioniert nur dann, wenn Menschen bereit sind, mehr zu geben als das Nötigste oder Themen zu proklamieren anstatt einfach zu helfen.“