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Talpost Lambrecht
Ausgabe 9/2026
Stadt Lambrecht (Pfalz)
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Die Entstehung der Metallgewerkschaften in Lambrecht

Einzige Metallgewerkschaft in der Region

Nach Auslaufen des Sozialistengesetzes dauerte es bis zum März 1891, ehe sich Metaller zu einer festen, dauerhaften Organisation zusammenschlossen. Am 23. März 1891 hatte sich in Lambrecht ein,,Fachverein der Metallarbeiter aller Branchen für Lambrecht und Umgebung" gebildet. Bereits am 15. März fand eine öffentliche Versammlung statt, in der der Sozialdemokrat Körner aus Ludwigshafen über den Nutzen einer gewerkschaftlichen Organisation referierte. In dieser Versammlung wurde eine dreiköpfige Kommission gewählt, die Statuten ausarbeitete und zur Gründungsversammlung am 23. März einlud. Mit wenigen Änderungen wurde die Satzung angenommen und ein Vorstand gewahrt.

Zu diesem Zeitpunkt waren in Lambrecht fast 100 Metaller organisiert und man war guter Hoffnung auf einen noch größeren Zuwachs an Mitgliedern. Laut einer Statistik der „Deutschen Metallarbeiter Zeitung“ (DMZ) vom April 1891 war die Organisation in Lambrecht die einzige Vereinigung von Metallern in der Region vor Gründung des,,Deutschen Metallarbeiterverbandes" (DMV) im Juni 1891. Der DMV war die Vorläuferorganisation der heutigen IG Metall.

Die Statistik führte als Mitgliederstand 90 Metallarbeiter in Lambrecht auf. In einer am 11. Juli 1891 - also wenige Wochen nach Gründung des DMV - abgehaltenen Generalversammlung wurden wegen Wegzug des Vorsitzenden und des Kassierers Nachwahlen durchgeführt. Zum ersten Vorsitzenden wurde Georg Dietz, zum Schriftführer Gustav Irmscher, zum Kassierer Ludwig Hepp und als Beisitzer Andreas Mayer und Christian Weigel gewählt. Der wichtigste Beschluss in dieser Generalversammlung war jedoch, sich dem gerade gegründeten DMV anzuschließen.

Entgegen der Erwartungen der Vereinsmitglieder schrumpfte aber bis Jahresende die Mitgliederzahl um 43 Prozent. Laut einer Abrechnung des DMV gab es am 31. Dezember 1891 nur noch 48 organisierte Metaller in der Verwaltungsstelle Lambrecht, die über einen Kassenbestand von 15,17 Mark verfügte. Im Juni 1891 hatte die Mitgliederzahl noch 112 betragen.

Die Organisation in Lambrecht konnte ihre Mitglieder im wesentlichen aus zwei Betrieben rekrutieren, nämlich der „Pfälzer Metallwarenfabrik“ in Lambrecht und der „Maschinenfabrik Hemmer“ in Neidenfels. Von den 200 Arbeitern bei Hemmer waren 80 organisiert, bei der Pfälzer Metallwarenfabrik waren von 40 Arbeitern 24 organisiert; die restlichen 8 Mitglieder verteilten sich auf kleinere Geschäfte.

Die Fachvereinsmitglieder hatten einen wöchentlichen Beitrag von 10 Pfennigen zu zahlen, was angesichts eines Stundenverdienstes von 28-48 Pfennigen - je nach Beruf - in der Pfälzischen Metallwarenfabrik, bzw. 12-45 Pfennigen in der Maschinenfabrik Hemmer, damals eine Menge Geld war.

Die Verwaltungsstelle des DMV in Lambrecht war also vor der Verwaltungsstelle Neustadt gegründet worden. Für die weitere Entwicklung des DMV in der Region lässt sich festhalten, dass im Laufe des Jahres 1892 sowohl in Neustadt als auch in Landau ebenfalls Verwaltungsstellen gegründet wurden. Ende Dezember 1892 hatte Landau 14 und Neustadt 42 Mitglieder in den Verwaltungsstellen organisiert. Wie aus der Verlustliste der Hauptkasse aus dem Jahre 1892 hervorgeht, wurde die Verwaltungsstelle Lambrecht aus Gründen, die bis heute nicht mehr nachvollziehbar sind, 1892 aufgelöst. Als Grund wäre ein weiterer permanenter Mitgliederschwund während des Jahres 1892 zu vermuten.

Im Jahre 1895 wurde in Lambrecht eine DMV-Verwaltungsstelle wiedergegründet und eine in Musbach neu geschaffen. Die Musbacher Verwaltungsstelle existierte allerdings nur in den Jahren 1895 bis 1897. Im Jahre 1897 kam dann eine Verwaltungsstelle in Haßloch hinzu, die allerdings auch nur zwei Jahre existierte und nur 6 bzw. 11 Mitglieder zu betreuen hatte. Im Jahre 1899 gab es nur noch Verwaltungsstellen in Lambrecht, Landau und Neustadt, wobei Lambrecht die meisten Mitglieder zählte, wobei Lambrecht im Jahre 1900 das dreieinhalbfache an Mitgliedern aufzuweisen hatte. Erst im Jahr 1903 wurde dann die Verwaltungsstelle Lambrecht mitgliedermässig von Neustadt überholt. Seit 1920 wurden die Metallarbeiter und Metallarbeiterinnen der Region in 3 Verwaltungsstellen betreut, nämlich Neustadt, Landau und Lambrecht. Die meisten Mitglieder waren Ende des Jahres 1922 organisiert, 2539 in Neustadt, 1506 in Landau und 169 in Lambrecht.