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Kreis Bitburg-Prüm
Ausgabe 6/2026
Allgemeine Mitteilungen
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Überkonsum als neue Normalität

Überkonsum ist kein Randphänomen mehr – er ist zur kulturellen Normalität geworden. Ein kurzer Blick in soziale Netzwerke genügt: Kleidung, Kosmetik, Deko, selbst Wasserflaschen und Handyhüllen werden nicht mehr nach Bedarf, sondern nach Trendzyklen ausgewählt. Was als harmloser Lifestyle inszeniert wird, erzeugt Druck: Wer dazugehören will, braucht Vielfalt – nicht an Erfahrungen, sondern an Besitz.

Dieses Konsumverhalten hat zwei Ebenen. Zum einen die schiere Menge: Produkte werden in immer kürzeren Abständen ersetzt, obwohl sie funktionstüchtig sind. Zum anderen die Unsichtbarkeit der Folgen. Rücksendungen gelten als bequem und kostenlos, lohnen sich wirtschaftlich jedoch oft nicht. Ein relevanter Teil retournierter Ware wird daher nicht wieder verkauft, sondern vernichtet – ungetragen, neuwertig, entsorgt aus reiner Kostenlogik.

Verstärkt wird dieser Trend durch Geschäftsmodelle der Ultra-Fast-Fashion. Anbieter, die wöchentlich tausende neue Designs auf den Markt bringen, setzen auf systematische Überproduktion, extrem niedrige Preise und maximale Austauschbarkeit. Hinzu kommen bekannte Probleme wie prekäre Arbeitsbedingungen, Design-Diebstahl sowie das Umgehen von Umwelt- und Zollauflagen. Der ökologische und soziale Schaden ist dabei kein Kollateraleffekt, sondern Teil des Systems.

Die ökologische Bilanz ist entsprechend fatal: hoher Ressourcenverbrauch, Emissionen durch globale Lieferketten, zusätzliche Abfälle durch Verpackung, Retouren und Vernichtung. Gleichzeitig verschiebt sich unsere Wahrnehmung von „normal“. Wasserflaschen, die zum Outfit passen, saisonale Dekoration für die gesamte Wohnung oder ständig wechselnde Accessoires erscheinen selbstverständlich, während Reparatur, Wiederverwendung oder bewusster Verzicht erklärungsbedürftig werden.

Überkonsum ist damit kein individuelles Moralproblem, sondern ein gesellschaftlich und digital verstärkter Trend. Algorithmen belohnen das Neue, das Viele, das Perfekte. Influencer-Ökonomien leben von Sichtbarkeit durch ständigen Austausch. Nachhaltigkeit hingegen ist leise, unspektakulär und kaum klicktauglich.

Klimaschutz beginnt nicht erst bei großen politischen Entscheidungen, sondern im Alltäglichen – bei der Frage, ob wir Trends folgen oder Bedürfnisse reflektieren, ob wir ersetzen oder erhalten. Nicht alles, was wir uns leisten können, können wir uns auch langfristig erlauben.

Verfasst durch das Klimaschutzmanagement der VG Bitburger Land