Vertreter von Bund, Land, Telekom und Glasfaser Plus gemeinsam mit Landrätin Dr. Susanne Ganster (Bildmitte) beim symbolischen Spatenstich für den Ausbau des Glasfasernetzes zu entfernten Siedlungen und Einzelobjekten im Landkreis.
Der Landkreis Südwestpfalz investiert weiter erheblich in den Ausbau des schnellen Internets. Mit einem weiteren geförderten Glasfaserprojekt sollen bis Ende 2027 weitere weiße Flecken im Kreis verschwinden. Als weiße Flecken gelten Gebiete, in denen bislang weniger als 30 Megabit pro Sekunde im Download verfügbar sind. Gerade in der ländlich geprägten Südwestpfalz betrifft das viele abgelegene Wohnhäuser, landwirtschaftliche Betriebe oder touristische Einrichtungen außerhalb der Ortszentren.
Das neue Ausbauprojekt zählt zu den bislang größten Infrastrukturmaßnahmen im Landkreis. Das Gesamtvolumen beträgt rund 15,5 Millionen Euro. Finanziert wird das Vorhaben größtenteils durch Fördermittel: Der Bund übernimmt mit 9,3 Millionen Euro rund 60 Prozent der Kosten, das Land Rheinland-Pfalz beteiligt sich mit 4,6 Millionen Euro beziehungsweise 30 Prozent. Der Landkreis Südwestpfalz trägt die restlichen zehn Prozent selbst – das entspricht einem Eigenanteil von knapp 1,6 Millionen Euro. „Ein Kraftakt für den Landkreis“, sagt Landrätin Dr. Susanne Ganster, doch sei der Breitband-Ausbau von enormer Bedeutung für die Zukunft der Region. Er bedeute bessere Zukunftschancen für Wohnen, Arbeiten, Landwirtschaft, Tourismus und Wirtschaft im ländlichen Raum.
Auch Gastronomie, Hütten, Höfe und Sportheime profitieren
Von dem Ausbau profitieren insgesamt 604 bislang unterversorgte Haushalte und Adressen in mehr als 60 Orten innerhalb aller sieben Verbandsgemeinden des Landkreises. Dabei handelt es sich nicht nur um private Haushalte, sondern auch um zahlreiche Einrichtungen im ländlichen Raum, die bislang nur schlecht ans Internet angebunden sind. Dazu gehören unter anderem landwirtschaftliche Höfe, Gastronomiebetriebe, Sportheime, Naturfreundehäuser, Pfälzerwaldhütten sowie touristische Ziele. Als Beispiele seien das Forsthaus Beckenhof, die Pfälzerwaldhütte Hohe List, die Fischwoogmühle bei Dahn und die Kneispermühle genannt. Auch und gerade für abgelegene Standorte ist schnelles Internet heute unverzichtbar geworden – sei es für wirtschaftliche Abläufe, digitale Buchungssysteme oder moderne Kommunikation.
Die betroffenen Adressen wurden zuvor in einem sogenannten Markterkundungsverfahren ermittelt. Dabei zeigte sich, dass die Internetversorgung dort unter 30 Megabit pro Sekunde liegt und kein Netzbetreiber bereit war, innerhalb des Förderzeitraums eigenwirtschaftlich auszubauen. Ohne öffentliche Förderung würde dort auf absehbare Zeit kein Glasfaserausbau stattfinden, da die sogenannte Wirtschaftlichkeitslücke aufgrund hoher Baukosten und vergleichsweise weniger Anschlüsse zu groß wäre.
314 Kilometer Glasfaser und 238 Kilometer Leerrohre werden verlegt
Der technische Aufwand ist enorm: Im gesamten Landkreis sind in den kommenden Monaten auf rund 121 Kilometern Tiefbauarbeiten notwendig. Dabei werden etwa 314 Kilometer Glasfaserleitungen und zusätzlich rund 238 Kilometer Leerrohre verlegt. Die neue Infrastruktur soll den angeschlossenen Gebäuden Glasfaseranschlüsse direkt bis ins Haus ermöglichen – sogenanntes FTTB („Fiber to the Building“). Dadurch werden künftig Internetgeschwindigkeiten von mindestens einem Gigabit pro Sekunde möglich sein.
Die Topografie stellt die Planer vor große Herausforderungen. Der Landkreis umfasst fast 1000 Quadratkilometer mit vielen kleinen Dörfern, Waldgebieten und verstreut liegenden Einzelanwesen. Ein wirtschaftlicher Ausbau durch private Unternehmen allein wäre in vielen Bereichen nicht rentabel. Deshalb greift hier die staatliche Förderung ein. Ziel ist es, auch im ländlichen Raum gleichwertige Lebensverhältnisse zu schaffen und die Region nicht von der digitalen Entwicklung abzuhängen.
Konsequenter Breitbandausbau des Landkreises gelobt
Beim offiziellen Spatenstich nahe dem Hölzernen Kreuz bei Rodalben betonten Vertreter von Bund, Land, Telekom und Glasfaser Plus die besondere Bedeutung des Projekts für die Südwestpfalz. Staatssekretär Dr. Denis Alt erklärte, der Landkreis zeige mit mittlerweile fünf Breitbandprojekten, wie konsequent er die digitale Versorgung selbst in die Hand nehme. In den vergangenen Jahren wurden bereits Gewerbegebiete, Schulen und Krankenhäuser mit schnellem Internet versorgt.
Glasfaser in der Fläche ist auch Grundlage für eine bessere Mobilfunk-Abdeckung
„Glasfaser gehört heute zur Daseinsvorsorge – ähnlich wie Strom und Wasser“, unterstreicht Landrätin Dr. Susanne Ganster. Die umfangreichen Bauarbeiten seien notwendig: Leitungen unterirdisch zu verlegen sei eine langfristige und krisenfeste Lösung. Gerade bei Naturkatastrophen oder extremen Wetterereignissen sei eine stabile Infrastruktur besonders wichtig, während oberirdische Leitungen deutlich anfälliger seien. Hinzu kommt: Glasfaser in der Fläche ist auch die Grundlage für eine bessere Mobilfunk-Abdeckung. Werden auch entlegene Orte mit Glasfaser ausgestattet, ist dort ein schnellerer und ressourcenschonender Mobilfunk-Ausbau möglich.
Der Landkreis Südwestpfalz treibt bereits seit rund neun Jahren intensiv den Breitbandausbau voran und gehörte zu den ersten ländlichen Regionen in Rheinland-Pfalz, die gezielt Förderprogramme nutzten. Der nun gestartete Ausbau soll bis Ende 2027 dauern.