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Kreis-Nachrichten - Mitteilungen des Landkreises Südwestpfalz
Ausgabe 5/2026
Kreisnachrichten
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Der rollende Supermarkt

Das CAP-Mobil - hier in Münchweiler - versorgt seit 15 Jahren die Bürger in zahlreichen Dörfern der Südwestpfalz mit Lebensmitteln.

Das Team des CAP-Mobils, Wolfgang Göller (im Hintergrund) und Peter Grünnagel (vorne), pflegt einen herzlichen Umgang mit den Kundinnen und Kunden.

Das bundesweit einmalige CAP-Mobil ist seit 15 Jahren in der Südwestpfalz unterwegs

850 Artikel für den täglichen Bedarf stehen an sechs Tagen pro Woche in 51 Gemeinden oder Teilgemeinden des Landkreises Südwestpfalz zum Verkauf: Das CAP-Mobil der Heinrich-Kimmle-Stiftung (HKS) leistet einen wesentlichen Beitrag zur Sicherung des Nahversorgungsangebots in der Region - bundesweit einmalig. Und das seit nun exakt 15 Jahren.

Denn am 28. Februar 2011 war der zu einem rollenden Verkaufsstand umgebaute Transporter erstmals in der Südwestpfalz unterwegs. Nachdem die Dorfläden in Battweiler, Herschberg und Höheinöd mangels Rentabilität schließen mussten, war seinerzeit die Lebensmittelversorgung in diesen Orten - und nicht nur dort - akut gefährdet. „Wir brauchen neue Lösungen, damit das Leben im ländlichen Raum lebenswert bleibt“, so der damalige Landrat Hans Jörg Duppré bei der Einweihung des Fahrzeugs. Abgeschaut hatte man die Idee bei der Lebenshilfe Bruchsal. Dort war ein solches Fahrzeug bereits im Einsatz. Inzwischen wurde dieses jedoch aufgegeben. Somit ist das CAP-Mobil der Heinrich-Kimmle-Stiftung derzeit einzigartig in ganz Deutschland. Mitfinanziert wurde die erstmalige Fahrzeuganschaffung, wie auch die 2020 erforderliche Ersatzbeschaffung, durch den Landkreis mit insgesamt fast 110.000 Euro. Weil sich das Sterben der kleinen Dorfläden auch in den darauffolgenden Jahren fortsetzte, ist es kein Wunder, dass zu den ursprünglich 30 Orten, die auf drei Touren jeweils zweimal die Woche angefahren wurden, immer mehr hinzukamen.

Breite Produktpalette

Auch die Produktpalette wurde von ursprünglich 650 Artikel inzwischen deutlich erweitert. „Im CAP-Mobil erhält der Kunde fast alles, was er für den Alltag benötigt: von Grundnahrungsmitteln wie Nudeln und Reis über frisches Obst und Gemüse, Molkereiprodukte, Wurst oder Eis aus der Kühltheke bis hin zu frischen Backwaren der Bäckerei Wind“, erläutert Markus Matheis, der Geschäftsführer der HKS-Tochter Pirminius-Werk gGmbH, zu dem auch das CAP-Mobil gehört. Fleisch kann beim Fahrer vorbestellt werden und ist dann bei der nächsten Tour mit an Bord. „Einmal im Monat im Markt größer eingekauft, können sich die Bürger in den Dörfern den Rest vom Monat bequem mit Waren vom CAP-Mobil versorgen“, betont der Geschäftsführer. Und das zum selben Preis wie im CAP-Markt in Thaleischweiler-Fröschen, wo der rollende Supermarkt täglich wieder voll bestückt wird.

Treue Stammkundschaft

Etwa vier bis fünf Kunden zählt das CAP-Mobil pro Haltestelle. „Zumeist Stammkundschaft“, weiß Matheis. Denn vielen Bürgerinnen und Bürgern ist das Angebot des rollenden Supermarkts in ihren Dörfern trotz der nun 15-jährigen Geschichte anscheinend immer noch nicht bekannt. Aber die, die es kennen, kommen gerne - und der Plausch mit dem Fahrer, dem Integrationsmitarbeiter oder den anderen Kunden gehört dann einfach dazu - wie in einem echten Dorfladen. Das CAP-Mobil wird im Rahmen des bestehenden Inklusionsunternehmens betrieben. Jeweils eine Person ohne und eine Person mit Beeinträchtigung besetzen das Fahrzeug. Dadurch wurde ein zusätzlicher sozialversicherungspflichtiger Arbeitsplatz für einen Menschen mit Beeinträchtigung geschaffen.

Touren restlos ausgebucht

Auch wenn immer wieder Anfragen aus anderen Gemeinden kommen, ob das CAP-Mobil auch diese anfahren kann: Matheis hat hier keine guten Nachrichten. „Wir fahren sechs Tage die Woche - und fahren bis auf wenige Ausnahmen die Haltestellen auch nur noch einmal an. Mit Neubestücken des Fahrzeugs und Kasse abrechnen bedeutet das einen Zehn-Stunden-Tag für unsere Mitarbeiter. Mehr geht leider nicht“, bedauert er. Und einfach ein zweites Fahrzeug einsetzen? Hier seien die Anschaffungskosten des Fahrzeugs, die Größe des Landkreises (mit zum Teil langen unrentablen Fahrten von und zum Standort) und insbesondere die Personalkosten hohe Hürden. Denn im CAP-Mobil wird mehr als der Mindestlohn bezahlt.

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